Dienstag, 31. Mai 2011

Theater hat auch Kinder

Theaterkind. 

"Warum hat der Mann grüne Farbe im Gesicht?" 
"Der ist geschminkt, der soll tot sein."
"Waaaaas?"

"Sei ruhig, Papa hat Vorstellung." 

"Nein, wir können im Winter nicht wegfahren, Theaterferien sind im Sommer." 

"Na klar, Papa rezitiert bei meiner Jugendweihe, man ist das peinlich!"

Vater übt: "Hammer oder Amboss sein!", Kind läuft vorbei: "Ich werde Krankenschwester!"

Immerhin haben meine Eltern mich nicht Porzia genannt oder Ophelia, da kann ich doch von Glück reden. Aber mit 12 musste ich "Den Handschuh"  im Deutschunterricht vortragen, und tat es genauso gräßlich wie fast alle Kinder. Tja, die Anderen haben nicht ihre gesamte Familienchronik vorgehalten bekommen und eine vier. Und ihnen wurde auch nicht vom HNO-Arzt die Spuckschüssel bei der Entfernung der Polypen, mit den Worten: "Nun zeig mal ein bisschen Courage! Hat doch Deine Oma immerhin gespielt!", überreicht. Man habe ich den vollgespuckt. Und wehe, jemand hat es gewagt mit mildem Lächeln über meine gewisse Zukunft auf den Brettern zu säuseln, das war, damals wirklich das Letzte, was ich wollte, und hätte ich es gewollt, hätte ich es trotzdem abgestritten.

Vorstellungen: Ein Kind allein zu Haus, mit einem Ohr an der Wohnungstür und einem Auge auf dem heimlich laufenden Fernseher, Donnerstag Abend nach 10 im 3. Programm (mehr gab es damals noch nicht) "Menschen, Monster, Mutationen!", Horrorfilme der alten Art, erwischt wurde ich immer, die Temperatur der Glühbirnen war der Test.
Oder X., die aus Sorge, vor den in der dunklen Wohnung marodierenden Räuberbanden, lieber hinterm Bett schlief oder hochdramatisch im dünnen Hemdchen, nach Anruf im Theater, auf dem verschneiten Balkon die Heimkehr der elterlichen Gaukler erwartete. 
Oder in der Garderoben abgestellt, von Maskenbildnern und Gardrobieren verwöhnt, immer müde.

Theater ist georaphisch verlegtes Wohnzimmer. Manche Texte kann man auswendig, auch wenn man sie nicht versteht. Und egal, ob man selber Insasse wird oder sich lebenslänglich vehement verweigert, es ist eine Infektion, die, latent oder manifest, unheilbar ist.

Ich war 8 oder 9 und kann heute noch die Geschichte erzählen, bis zur Hälfte, dann kamen meine Eltern nach Hause.

Kommentare:

  1. Alexander Höchst1. Juni 2011 um 00:50

    Rotkäppchen und der Wolf im Hans Otto Theater Potsdam. Kleiner Mann, setz dich hier hin. Deine Mama spielt gleich das Rotkäppchen auf der Bühne. Du kennst doch das Märchen. Ja. Entschuldigen sie bitte, würden sie ab und an ein Auge auf den Kleinen werfen. Natürlich. Die Dinge nehmen ihren unerbittlichen Lauf. Der Junge beginnt plötzlich, furchtbar zu weinen, schreit und wimmert. Meine Mama, meine Mama, meine Mama, der Wolf hat meine Mama gefressen. Ist ja gut, deine Mama ist nicht tot. Sie steht hinter der Bühne und wartet auf dich. Mein großer Schatz, hier bin ich doch; das war alles nur Spiel. Erstaunte und erleichternde Stille...

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  2. Winnie Böwe Ich sage nur: dito!

    Johanna Schall Na klar!

    Winnie Böwe ‎"Du brauchst nicht zu denken, nur weil dein Vater berühmt ist, kannst Du den großen Mund haben." "Winnie will immer im Mittelpunkt stehen...na ja, so ist das bei Schauspielerkindern..."

    Johanna Schall Blah, blah.....
    "Sieht man doch, schon jetzt eine kleine Schauspielerin."

    Winnie Böwe ‎"Du willst doch bestimmt auch mal..." NEIN!!!!! Ich studiere Nordistik!!!

    Johanna Schall Und, kannst du auch dichten?

    Winnie Böwe Sag mal was auf!

    Johanna Schall Der ist gut!!!!

    Pascal von Wroblewsky das ist dein vater?? ach du schei...e!!!

    Olaf Brühl ‎- "und hätte ich es gewollt, hätte ich es trotzdem abgestritten." ...

    Katharina Palm Bist du nicht die Tochter von..., du bist doch die Schwester von..., gääähhhhhn

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  3. Katka Kurze: im theater wars toll ein theaterkind zu sein und der von mir,im alter von 3jahren, rezitierte text:"forscht nicht nach meiner meinung von der welt;ich müßte lügen!"(sagt gabriel zu gott,1.akt hacks "adam & eva")kam immer super an.- im schulumfeld hieß es ich solle mich besser nicht äußern,da meine eltern privilegierte millionäre seien

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  4. Alexander Höchst2. Juni 2011 um 19:39

    Ja, stimmt, im Theater war es toll ein Theaterkind zu sein; so nett wie die Frauen vom Theater (Schauspielerinnen, Maskenbildnerinnen, Ankleiderinnen usw.) zu dem kleinen Jungen waren, war später wohl kein weibliches Wesen mehr zu mir! Ich war ein Prinz. Das waren noch Zeiten...

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