Samstag, 21. Dezember 2019

ABSCHIEDSDINNER, eine französische Komödie für drei Schauspieler*innen

Plötzlich ist man um die Vierzig. 

Das Leben ist gut, aber nicht wirklich gut.
Die Ehe läuft, die Kinder wachsen, der Job zahlt.
Er zahlt sogar sehr gut, zu gut.

Aber es gab einmal wildere Träume und höhere Ziele.
Es gab Kühnheit und Übermut.

Jetzt herrscht unbestimmte Unzufriedenheit.
Der Ausweg?


DAS ABSCHIEDSDINNER.
 

Was ist das?
Freunde, die ausgedient haben, werden elegant abgestoßen.
Damit das Leben wieder aufregender, stromlinienförmiger, spannender wird, 

werden nervende Freunde eingeladen, umsorgt, verwöhnt, umschmeichelt und anschließend kalt aussortiert.
Gewachsene, gelebte, nachhaltige menschliche Beziehungen werden als Belastung, als Hindernis, als Spaßbremse empfunden und verurteilt.  

"Das Prinzip des Abschiedsdinners ist, dass du als einziger weißt, dass es ein Abschiedsdinner ist." 

Wie hält man solche Brutalität im Rahmen der behaupteten Komödie?
Ein Mann hackt sich ein Bein ab, damit er schneller laufen kann.
Dem anderen Mann wird das Herz gebrochen und er besteht auf Wiedergutmachung.
Eine Frau hofft, dass ihr Mann ihr nicht gänzlich verloren gegangen ist.

Es ist alles so sehr traurig und so sehr lächerlich.
Die Gelbwesten kommen nicht vor.
In "Den Tagen der Commune", meiner letzten Arbeit, 
fraß die Revolution ihre Kinder, 
hier wird die versprochene Suppe nie gegessen.
Die Seelen-Kannibalen fressen einander, um zu überleben. 
"Meine" Spieler sind großartige Nahkämpfer. Sie lassen nicht locker. 
Ich auch nicht.

Einander erkennen
Nähe aushalten, heißt ertragen, dass einer weiß, wie du wirklich bist. 
Adam und Eva erkennen ihre Nacktheit.
Woraufhin sie sich Kleidung aus Feigenblättern anfertigen.

Ein tolles Stück.
Ein schweres Stück.
So, wie es sein muß. 


Samstag, 14. Dezember 2019

Warum ich Proben liebe.


Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
b.b.
Der Rest des Liedes würde nicht passen, also habe ich es mir hier passgerecht beschnitten. 
Du liest ein Stück, einmal, zweimal, mehrmals, du informierst Dich, Du denkst nach, hörst die entsprechende Musik, googlest herum, liest, fragst rum, grübelst, phantasierst. 
Du "machst einen Plan". 
Du berätst Dich mit Bühnen- und Kostümbilner*innen, mit Dramaturg*innen, eine Bauprobe folgt, unzählige Kostümskizzen und Links zu interessanten Essays erreichen Dich. 
Der Plan wird klarer. Auf geht's.
Dann trifft Dein Plan auf drei gestresste Schauspieler in zusammengestoppelten Probenkostümen auf einer halbzugemüllten Probebühne. 
Es sind drei, zwei Männer, eine Frau. Ganz verschieden und eine perfekte Mischung. Eigen, eigenartig, fleissig, wagemutig, albern und wild entschlossen, dem Stück auf den Grund zu kommen.
Ups.
Nebenbei spielen sie noch ungefähr zweihunderdreiundsiebzig laufende Vorstellungen. Es ist Dezember und somit der Monat des Weihnachtsmärchens, der extra-angesetzten Kindervorstellungen als Vervollständigung des normalen Theaterwahnsinns.
In diesem Fall stellt sich auch noch, überraschenderweise, heraus, dass der Übersetzer selbstständig großzügig gestrichen, einige Regieanweisungen erfunden und auch noch anderes Eigenes eingefügt hatte. Wir hatten eine Fassung, nicht das Stück. 
Ups.
Mein Plan ist im Eimer. Großartig. Die Proben  können beginnen.
The proof of the pudding is in the eating. Der Pudding erweist seine Qualität beim Essen.

Ich befinde mich nun in einem Liebesverhältnis mit drei Schauspielern, die ich vor drei Wochen noch gar nicht kannte. Einem platonischen. Und einem mit der Souffleuse, die ein seltener Schatz ist.
Was will ich lieber, einen Plan oder das Risiko der Liebe?

Freitag, 6. Dezember 2019

Es war die beste Zeit, es war die schlimmste Zeit - Ein Zitat

It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity, it was the season of Light, it was the season of Darkness, it was the spring of hope, it was the winter of despair, we had everything before us, we had nothing before us, we were all going direct to Heaven, we were all going direct the other way – in short, the period was so far like the present period, that some of its noisiest authorities insisted on its being received, for good or for evil, in the superlative degree of comparison only.
A Tale of Two Cities Charles Dickens

Es war die beste Zeit, es war die schlimmste Zeit, es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit, es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Mißtrauens, es war die Jahreszeit des Lichts, es war die Jahreszeit der Dunkelheit, es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung, wir hatten alle Hoffnung, wir hatten keinerlei Hoffnung, wir alle würden geradewegs in den Himmel kommen, wir alle würden geradewegs in die Hölle kommen - kurzgesagt, die Zeit war so sehr wie die jetzige Zeit, dass einige ihrer lautesten Autoritäten darauf bestanden, sie sollte, um jeden Preis, nur im superlativen Grad des Vergleichs betrachtet werden.
Die Geschichte zweier Städte Charles Dickens