Dienstag, 31. Mai 2011

Maria mit einem Kind


Maria wird in der Bibel selten erwähnt. 
Sie hat eine Freundin Elisabeth, die Mutter des Johannes (alias der Täufer), dass ist die deren Kind im Leibe hüpft, als Maria zu Besuch kommt. 
Sie wird auf höchst merkwürdige Art geschwängert, muss zwecks Volkszählung hochschwanger eine längere Reise unternehmen, die Geburt findet öffentlich statt. Der Sohn ist gesund und bis auf die ungewöhnlichen Ereignisse bei seiner Geburt auch erst einmal "gewöhnlich". Aber dann...
In der Pubertät entwickelt er einen recht rüden Umgangston mit seinen Eltern und jüngeren Geschwistern, der sich im Lauf seines kurzen Lebens geradezu in hasserfüllte Ablehnung verwandelt.

Die Geschichte beginnt magisch:
Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause David: und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du, Holdselige! Der HERR ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern!  Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seine Rede und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der HERR wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreiches wird kein Ende sein.
   Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden Und siehe, Elisabeth, deine Gefreunde, ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und geht jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, daß sie unfruchtbar sei.  Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe ich bin des HERRN Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.




Maria mit Kind Jean Fouquet um 1450

Jesus benimmt sich wie ein pubertärer Schlingel zu Mama:
Und es begab sich, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antworten. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Seine Mutter aber sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist's, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist! Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete.







Cosmè Tura Maria mit Kind um 1448






Äthiopische Madonna 14. Jahrhundert
 Jesus kanzelt Mama ab:
Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Afrikanische Madonna Anonym
 Jesus ignoriert Mama:
Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.

"Dreihändige” Gottesmutter Tricheirousa, Kloster Hilandar, Athos
 Jesus entledigt sich seiner Mama:
Und es kam seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah rings um sich auf die Jünger, die im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. 

Maria mit Kind Marc Chagall
Jesus schenkt Mama einen Adoptivsohn:
Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Maria mit Kind Lukas Cranach der Ältere

Und es begab sich, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antworten. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Seine Mutter aber sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist's, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist! Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete.
Maria mit Kind Michael Sittow (Maitre Michiel)
Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert.
 
Marienaltar Mittelbild Albrecht Dürer
 Es ging aber viel Volks mit ihm; und er wandte sich und sprach zu ihnen: So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

Kommentare:

  1. "So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein."

    Schön wär's.

    Würde die Kirche doch bloß auf die Worte des Sohn Gottes hören. Tut sie aber nicht. Dabei sagt er doch: wenn du dich von allem abwenden willst und mich als höchstes ansehen kannst, dann darfst du mir folgen. Das widerspricht zwar in gewisser Weise "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" - aber gut, wenn man sich selbst nicht leiden kann, dann mag das noch stimmig sein und Selbstliebe war bekanntlich nie ein erklärtes Ziel der Kirche. Die Abkehr von allen Menschen, inklusive sich selbst, ist auch nicht besonders konstruktiv für eine Kirche, die Menschenfreundlichkeit und offene Arme propagiert, aber auf solchen Kleinkram soll hier gar nicht eingegangen werden.
    Nein, entscheidender ist doch, dass Jesus klar sagt: wenn du deine Mutter, deinen Vater, deine Geschwister, deine Partnerschaft, dich selbst und dein Leben liebst - dann brauchst du mich nicht als Mittelpunkt, dann musst du weder mir noch meiner Lehre folgen.
    Ein eklatanter Widerspruch zum beständigen missionarischen Gebahren der Kirche. Insbesondere der katholischen, dessen Oberhaupt erst vor einiger Zeit verkündete, das Christentum sei so ziemlich die einzige Religion überhaupt und alle anderen hätten bestenfalls freundlichen Sektencharakter.
    Dabei sagt Jesus selbst doch ganz klar, dass das Christentum nur etwas für diejenigen ist, die nicht schon genug anderes gefunden haben, das sie nicht hassen, sondern lieben. Fazit demgemäß: kannst du dir selber ein erfülltes Leben schenken, komm' nicht zu uns. Treib' dich in den "Sekten" 'rum, aber komm' nicht zu uns.
    Abgesehen von dieser seltsam anmutenden aber logischen Schlussfolgerung - es wird klar festgestellt: ich habe die Wahl.
    Wenn ich aber die Wahl habe, wieso bin ich dann aus der Sicht der, insbesondere katholischen, Kirche ein verirrtes Schäfchen ohne Chance auf Erfüllung im Leben und Erlösung nach dem Leben?
    Also irgendwie komme ich nicht umhin zu glauben... ich glaube, dass die Kirche da dem Sohn Gottes nicht besonders gut zugehört hat.

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  2. Wow, interessante Interpretation. Wer jemanden mehr liebt als Gott, braucht keinen Gott. Muss ich drüber nachdenken.

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  3. Jemande(n) oder etwas... zumindest aber genug von dem einen oder dem anderen oder einer köstlichen Kombination aus beidem.
    In meiner Welt ist Gott ein X. Man benutzt sowas in Gleichungen für das wovon man nicht weiß, was es ist. Nun kann man Gleichungen berechnen. Das Dumme ist... in diesem Fall kennen wir die Gleichung nicht. Also ist Gott das Ergebnis einer Formel, die wir nicht kennen und welche vermutlich sagenhaft viele Variablen hat.
    Jetzt kann ich natürlich sagen: ich rechne gar nicht erst, ich probiere da nicht 'rum, ich such' mir keine Variablen 'raus und schau' mal wo ich die wie mit welchem Ergebnis einsetzen könnte... ich ersetze den Rechenvorgang durch ein Bekenntnis, ein Glaubensbekenntnis. Das enthebt mich jedweden Suchvorgangs und stellt tatsächlich meine Religion unumstößlich in die Mitte meiner Existenz. Ich weiß zwar nicht genau, woran ich glaube, weil Gott ein ungeklärtes Phänomen ist, aber ich glaube. In dem Zusammenhang kommen dann oft so Beispiele wie: ersetze Gott durch das Wort "Liebe" und du hast seine Vielfalt, seine Omnipräsenz und seine Unsterblichkeit. Haha. Packt man solche Allgemeinplätze anstelle des X in die Formel erklärt sich gar nichts. Weder warum die Kirche nur sehr selektiv Liebe achtet, noch wieso ich weiß, dass meine Mutter mich über alle Maßen liebt und trotzdem von keiner Religion verehrt wird.
    Wenn man sich aber die Mühe macht nach Variablen zu suchen, dann wird es interessant. Dann fahndet man nämlich nach Elementen in seinem Leben, die es spannender machen, ihm einen Sinn geben, eine Erfüllung, Glück, Wachstum, Größe, Spaß, Zufriedenheit, Ruhe, Lächeln, Wissen, Hingabe. Und wenn man damit beschäftigt ist, dann sind einem in der Tat eine Menge Menschen, Ziele, Beschäftigungen wichtiger als eine Religion.
    Und da hat Jesus absolut recht. Jemand, der die Formel selber bauen möchte ist kein guter Gläubiger... sein Glaube verteilt sich auf zuviele Einzelposten, die zudem weltlicher Natur sein können. Als Jünger ungeeignet. Und vermutlich die fragerische Pest jeder Bibelstunde.

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  4. Alexander Höchst1. Juni 2011 um 01:22

    Gott ein X. Die Suche nach den Komponenten der Gleichung und den Variablen. Der Schelm, so bekommt er uns Ungläubige doch noch auf seine Spur. Gott steht nicht über allem, er ist Teil der Gleichung. Sehr schöner Gedanke! Er bringt uns aus der Kirche ins Leben...

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  5. Das Jesuskind in Gemälden von Gotik und Renaissance sieht mir meist recht gruselig aus. Seltsame Proportionen, nicht richtig verkleinerter Erwachsener und schon gar kein Knuddelbaby, manchmal wie eine fette kleine Frau, mal wie eine graue tote Made.
    Warum.
    Zwei der Bilder hier (Lukas Cranach d.Ä. und Meister Michael) sind eher die wohligere Ausnahme.

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