Donnerstag, 8. März 2012

Zum Frauentag - Ein seltsamer Frauenfeind - August Strindberg


Johan August Strindberg
schrieb Stücke mit schrecklichen, herrlichen Frauenfiguren, unter anderem: 
Fräulein Julie
Ein Traumspiel
Der Pelikan
Die Stärkere
Der Vater
Gespenstersonate
Totentanz


DIE ZÄRTLICHE MÖRDERIN 

Der Lehrer sprach: 

Wenn ein Mann aus guten Gründen, um seine 
Ehre, sein Leben und seinen Verstand zu retten, 
von einer Frau flieht, so sagt sie, aus Rache, er habe 
sie verlassen. Damit ist die Mörderin Märtyrerin. 
Aber der leere Raum und die Schande verleihen ihr 
auch einen Zug von Leiden. Die Enttäuschung, ihn 
lebend aus ihren Händen gehen zu sehen, erzeugt 
ja einen gewissen Schmerz; und wer leidet, erregt 
Mitleid. Das ist für die Welt genug, um den Mann 
für einen Schurken zu halten. — Er wollte sich 
nicht morden lassen, der Schurke! Wird er selber 
von Mitleid ergriffen und hebt die Vernichtete, die 
zu seinen Füssen liegt, auf, dann wehe ihm! Dann 
rächt sie die Leiden der Sehnsucht und des Ver- 
missens, die sie sich selber zugezogen; binnen kurzem 
ist er wieder in der Hölle. Sie leidet darunter, nichts 
Gutes wirken zu können; sie schwindet dahin, wenn 
das Opfer fliehen kann; sie will nicht leben, wenn sie 
ihn nicht peinigen dari. Das Böse des Bösen wegen, 
das Böse als lebengebendes Prinzip, das Böse als 
Urquelle von Freude und Lebenslust. Ich habe eine 
solche Mörderin gesehen, welche die Sympathie aller 
Rechtdenkenden fand. Sie sprachen von ihrer Zärt- 
lichkeit für den Mann (es ist die reine Wahrheit) 
und von seiner Undankbarkeit, von seiner Treu- 
losigkeit. O Welt, wie böse und dumm bist du! 
Das Blaue Buch
James Ensor 1887/89 "Erstaunen der Maske Wouse"

TRÖPFE 

"Der Schuler fragte:

Was ist ein Frauenhasser? Der Lehrer antwortete: — Das weiss ich nicht. Doch, der Ausdruck wird als Scheltwort von Tröpfen für die benutzt, die sagen, was alle denken. Tröpfe sind die Männer, die sich einem Weib nicht nähern können, ohne den Verstand zu verlieren und treulos zu werden. Sie kaufen die Gunst des Weibes damit, dass sie die Köpfe ihrer Freunde auf silbernen Schüsseln ausliefern; und sie nehmen soviel Weiblichkeit in sich auf, dass sie mit den Augen des Weibes sehen, mit den Gefühlen des Weibes fühlen. Es gibt ja Dinge, die man nicht alle Tage sagt; und man sagt nicht seiner Frau, woraus ihr Geschlecht geschaffen ist. Aber man hat das Recht, es zuweilen zu schreiben. Schopenhauer hat es am besten geschrieben, Nietzsche nicht schlecht, Peladan ist der Meister. Thackeray schrieb MensWives, aber das Buch wird totgeschwiegen. Balzac hat in der Physiologie der Ehe und in den Kleinen Leiden des ehelichen Lebens Caroline entlarvt. Weininger entdeckte den Trug im Alter von zwanzig Jahren, wartete aber nicht die Rache ab, sondern ging seines Weges. Dass das Kind ein kleiner Verbrecher ist, der sich nicht selber leiten kann, habe ich gesagt; aber ich liebe Kinder doch. Dass das Weib ist, was es ist, habe ich auch gesagt; aber ich habe immer ein Weib geliebt und Kinder mit ihr gehabt. Wer mich Frauenhasser nennt, ist also ein Dummkopf, ein Lügner oder ein Tropf! Oder alles auf einmal."
Das Blaue Buch
James Ensor 1888 "Masken konfrontieren den Tod"

"Wenn eine Frau von ihrem Manne schlecht behandelt wird, so weiß man, was für eine Sorte sie ist. Die scheinbar untergeordnete Stellung, die das Weib einnimmt, ist unmittelbar abhängig von der Stellung, welche die Natur dieser unausgereiften Zwischenform zwischen Kind und Mann gegeben hat."

James Ensor 1921 "Mädchen mit Masken"


An Emil Schering
Brief Nummer 128
   D. 21.Juli 1903

 Werter Herr Schering,
Da Sie sich erbieten Propaganda-Exemplare zu verschicken, bitte ich, schicken
Sie an:
 Professor Harald Hjärne,Uppsala
 Professor Hans Larsson, Lund
 Dozent Axel Herrlin, Lund
 Professor Schleich, Berlin
Könnten Sie mir Haeckels: Über das Schöne in der Organischen Natur (?)
besorgen und Hampels Auflage von E.T.A. Hoffmanns Werken?

Dr. Otto Weininger in Wien hat mir "Geschlecht und Charakter" geschickt, ein
fürchterliches Buch, aber das wahrscheinlich das schwerste aller Probleme gelöst
hat.
Er zitiert "Gläubiger", sollte aber "Vater" und "Fräulein Julie" kennenlernen.
Wollen Sie diese ihm schicken?
Ich buchstabierte, aber er legte zusammen.
Voilà un homme!
   Ihr
   August Strindberg

Otto Weininger war ein jüdischer österreichischer "Philosoph", Antisemit, Frauen- und Körperhasser.

Strindberg ehrte Weiningers Gedächtnis „als das eines tapferen männlichen Kämpfers“ und verfasste ebenfalls einen Nachruf, den Karl Kraus dann in der Fackel abdruckte:
„Unabhängig von Ansichten ist wohl das Faktum, daß das Weib ein rudimentärer Mann ist ... es war dieses bekannte Geheimnis, das Otto Weininger auszusprechen wagte; es war diese Entdeckung des Wesens und der Natur des Weibes, die er in seinem männlichen Buche mitteilte, und die ihn das Leben kostete.“ (Wiki)

Weininger starb 23 jährig durch Selbstmord.
  Otto Weininger 1880-1903

"Da das Leben uns so wenig Glück schenkt und das größte doch das erste Glück der Liebe ist, müßten die Menschen diese allerempfindlichste Blume pflegen lernen. . . . Wie häßlich das Verhältnis auch gewesen sein mag, es glich doch in den ersten Stunden etwas, das hier auf Erden nicht zu finden ist. Es war in seinem herrlichen Anfang ein Luftgarten. Eben, eine solche Steigerung des Daseins, daß man sich der Gottheit näher fühlte. Das war keine Sinnestäuschung, sondern eine erhöhte Wirklichkeit. . . . Die Erinnerung an das Erste bleibt, und es ist wahr, daß eine wirkliche Liebe nie ein Ende nimmt. . . . Daß die Illusionen von den ersten Frühlingstagen der Liebe verloren sind, erschüttert den Glauben an alles. Die Liebe, Gottes Schöpferkraft, die Sonnenwärme des Himmels, der Ursprung des Lebens hat aufgehört zu existieren; Chaos und Finsternis beginnen wieder. . . . Wenn der Unerfahrene wüßte, welches Leiden eine Scheidung zwischen Gatten zur Folge hat, würde er sich bedenken, ehe er diesen Weg geht. Die beiden Seelen sind so miteinander verwachsen, daß die Loslösung der Persönlichkeit die schmerzhafteste Operation wird. Es ist eine Art Tod."
"Das Buch der Liebe"

Kommentare:

  1. Sehr weit weg und gar nicht so weit weg. Unverständlich und verstehbar. Man kann die meisten Sätze gut umdrehen, die Geschlechter darin vertauschen. Dann sind sie genauso falsch oder richtig.

    So richtig tief Luft holen musste ich bei dem Gedanken der Frau als Zwischenform zwischen Kind und Mann. Das hieße, vollendete Weiblichkeit wäre männlich. Arme Kerle. Die würden ganz schön dumm herumstehen, bevor sie aussterben.

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  2. Ich glaube, dass Frauen für Herrn Strindberg das anziehenste und gleichzeitig angsteinflößenste Rätsel waren, dem er sich ausgesetzt sah und dem er versuchte mit einer absurden Mischung aus Anbetung und Verachtung beizukommen... was sich beruflich in bemerkenswerten Texten niederschlug und privat ...naja... da muss man wohl nix mehr zu sagen.

    Leider gilt das für so einige Wortkünstler... deren Werke ich nicht missen möchte. Ich sage nur... Goethe. :)

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  3. Goethe - Verachtung der Frau lese ich gar nicht aus seinen Texten und auch nicht aus dem, was ich über sein Leben weiß. Ich lese da Egozentrik und auch Egoismus.
    Sexueller Egoismus ist nahe an Achtlosigkeit und kann nah sein an Nichtachtung.
    Aber geschlechtsbezogene Verachtung oder die biologische Ideologisierung des sexuellen Egoismus finde ich bei Goethe nicht.

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