Freitag, 16. März 2012

Giuseppe Ungaretti - Frühe Gedichte


Wie auch immer es passiert seien mag, ich hatte außer dem Namen, bis heute noch nie von Guiseppe Ungaretti gehört. 

Italiener, 1888 in Ägypten geboren, wo sein Vater am Bau des Suez-Kanals mitarbeitete. Er hat in Paris studiert und kehrte 1914 nach Ialien zurück, um Soldat zu werden und im Ersten Weltkrieg zu kämpfen. Noch als Soldat und unter dem Einfluss der italienischen Futuristen beginnt er Gedichte zu schreiben. Nach dem Krieg arbeitet er als Journalist, dann in Sao Paulo und Rom als Universitäts-Professor für italienische Literatur. 

"Seiner Affinität zum Faschismus verdankte er in den 30er Jahren eine Stellung als Pressesprecher im italienischen Außenministerium." (Wiki) Er war seit 1925 Mitglied der Partito Nazionale Fascista und Freund Mussolinis. Im gleichen Jahr kehrte er in den "Schoß" der Katholischen Kirche zurück.  Seine Form der Poesie nennt er nun "hermeneutisch".

Nach Kriegsende wurde er zunächst seiner Professur enthoben, aber auf Grund der Fürsprache seiner Kollegen, wieder eingestellt. In den folgenden Jahren reist er viel.
Er stirbt 1970 während einer USA Reise.

Morgen
26. Januar 1917
  Ich erleuchte mich durch Unermeßliches.
Mattina  
M’illumino d’immenso

Ohne Gewicht

Für einen Gott, der wie ein Kind lacht,
Soviel Sperlingsschreie,
Soviel Tänze in den Zweigen,

Eine Seele wird sich leicht,

Die Wiesen haben eine solche Zärtlichkeit,
Solche Scham wird in den Augen wieder lebendig,

Die Hände wie Blätter

Verzaubern in der Luft...
Senza piú peso 
 a Ottone Rosai   
 Per un Iddio che rida come un bimbo,
Tanti gridi di passeri,
Tante danze nei rami,

Un'anima si fa senza piú peso,
I prati hanno una tale tenerezza,
Tale pudore negli occhi rivive,

Le mani come foglie
S'incantanto nell'aria...

Chi teme piú, chi giudica?
 
Freude der Schiffbrüche
Und plötzlich nimmst du
die fahrt wieder auf
wie
nach dem Schiffbruch
ein überlebender
Seebär.

 
Allegria Di Naufragi

Versa il 14 febbraio 1917

E subito riprende
Il viaggio
Come
Dopo il naufragio
Un superstite
Lupo di mare.
 
Ungaretti als Soldat im 1. Weltkrieg
Soldaten


So
 wie im Herbst
 am Baum 
Blatt und Blatt

Soldati
Si sta come
d'autunno
sugli alberi
le foglie
um 1916

Giuseppe Ungaretti – übersetzt von Ingeborg Bachmann

Kommentare:

  1. Soldaten - Ein Bild, das den Hals eng macht. Und im Kopf laufen die Filme ab.

    Gott kann nicht lachen wie ein Kind.

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  2. in der Nachdichtung durch Ingeborg Bachmann sehr, sehr empfehlenswert, hab gerade eine zweisprachige Ausgabe beim Trödel bekommen und hatte viel Freude beim lesen.
    ko

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