Freitag, 18. Mai 2012

Stoppt den Weißen Wumbaba?


Der unten folgende Text ist auf GoPetition / Change The World veröffentlicht worden und wird auch über facebook verbreitet und auch wenn dies politisch unkorrekt ist, ich begreife ihn nicht und will ihn auch nicht begreifen.
Worüber sprechen wir, wenn wir über Rassismus sprechen? Wo endet Humor, Witz und wo beginnt Verächtlichmachung? Ist Sprache noch möglich bei Ausschließung jeder möglichen oder imaginierten Verletzung?
Ich, als Jude, würde gern in einem Land leben, in dem ich auch einen Juden in aller Ruhe ein Arschloch nennen kann, wenn er denn einer ist. Und ich täte es nur, weil er ein Arschloch ist und nicht wegen seiner Herkunft.
Wenn Frauen für die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden, lache ich noch lauter über gute Blondinenwitze, ich bin blond, wenn auch gefärbt.
Ich denke, wir beenden Unterdrückung nicht, indem wir Humor unterdrücken, oder Kunst Regeln auferlegen, sondern indem wir die gesellschaftlichen und ökonomischen Umstände verändern, die Unterdrückung ermöglichen.


Der Titel bezieht sich auf einen "Verhörer" beim Anhören des Gedichtes "Abendlied" von Matthias Claudius:
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Stoppt den Weißen Wumbaba
2004 veröffentlichte der Kunstmann Verlag das erste „Handbuch des Verhörens“ (Autor: Axel Hacke, Illustration: Michael Sowa) unter dem Titel "Der Weisse Neger Wumbaba". 2007 kam trotz der Proteste Schwarzer und Weißer Menschen gegen die unreflektierte Verwendung des N-Wortes und die Reproduktion rassistischer Stereotype der zweite Band  "Der Weisse Neger Wumbaba kehrt zurück" heraus.


Auf beiden Covern ist unter dem Titel das rassistische Bild eines „N’s“ zu sehen (inklusive Wulstlippen, Fettleibigkeit, Baströckchen, Knochen im Haar). Dieses basiert auf den kolonialistischen „Rassen“-Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und nicht zuletzt des Dritten Reiches. Das Stereotyp ist hier allerdings mit einer hellen Haut versehen worden. Die „witzige“ Text-Bild-Kombination beruht also auf der angeblichen Unvereinbarkeit von weißer Hautfarbe und den vermeintlichen physischen Attributen und Symbolen eines „typischen N’s“.


Die Bücher bestehen aus einer Sammlung von „Verhörern“. Unklar bleibt, warum ausgerechnet „Der Weiße Neger Wumbaba“ (ursprünglich „der weiße Nebel wunderbar“ aus „Der Mond ist aufgegangen“von Matthias Claudius als Coverbild und Titel herhalten muss, daher muss davon ausgegangen werden, dass es hierbei ausschließlich um einen reißerischen Aufhänger geht.


Das N-Wort ist eine Beleidigung, die für die Entmenschlichung, Misshandlung, Herabwürdigung und Diskriminierung Schwarzer Menschen steht. Es kann daher nicht zur Unterhaltung und Belustigung Weißer Menschen benutzt werden, egal ob damit Einzelne direkt, oder eine Gruppe indirekt benannt werden (wie im Falle des weißen N`s).


Rassismus ist ein Problem, mit dem sich viele people of color auf unterschiedlichen Ebenen täglich konfrontiert sehen. Das Aufbauen einer rassistischen Marke (Die „Wumbaba“-Figur ist inzwischen auch völlig kontextfrei als Schlüsselanhänger erhältlich) kann und darf nicht mit dem Hinweis auf den „harmlosen Inhalt“ des Buches oder gar künstlerische Freiheit gerechtfertigt werden. Rassismus ist niemals harmlos. Künstlerische Freiheit gilt es verantwortungsbewusst einzusetzen, sie endet da, wo sie andere Freiheiten einschränkt – in diesem Falle die Freiheit, in Öffentlichkeit und Unterhaltungsliteratur nicht mit rassistischer Sprache und entsprechendn Bildern konfrontiert zu werden. Rassistische, gewalttätige Begriffe gilt es zu kritisieren, nicht zu Marketingzwecken zu instrumentalisieren. Die mit Rassismus verbundene Entmenschlichung gilt es zu beenden, nicht zu reproduzieren.


Für 2008 ist nun auch noch ein dritter Band geplant: "Das Vermächtnis des Weißen Negers Wumbaba"...
Wir, die Unterzeichner, fordern den Kunstmann-Verlag daher auf, das dritte Buch mit einem Titel und einem Bild zu versehen, die ohne Rassismus auskommen. Wir fordern überdies eine öffentliche Stellungnahme und Entschuldigung für die Aufmachung der bereits erschienenen „Wumbaba“-Bände und die Einstellung der kommerziellen Nutzung und Vermarktung von rassistischen Bildern durch die Reproduktion der „Wumbaba-Figur.


Diese Petition wird unterstützt von:


der braune mob e.V.
media-watch - Schwarze Deutsche in Medien und
Öffentlichkeit
http://www.derbraunemob.de


ISD-Bund e.V. - Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
http://www.isdonline.de/


ADEFRA e.V. - Schwarze deutsche Frauen und Schwarze Frauen in Deutschland
http://www.adefra.de/


Brothers Keepers e.V.
http://www.brotherskeepers.de/

Art 5  Absatz 3 des Grundgesetzes

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Wiki sagt: Karikaturen von lateinisch carrus ‚Karren‘, also: Überladung, und italienisch caricare ‚überladen‘, ‚übertreiben‘, bedeutet die komisch überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen, auch mit politischem bzw. propagandistischem Hintergrund.
Wiki sagt auch: Zensur (censura) ist ein restriktives Verfahren, um durch Massenmedien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden.

Kommentare:

  1. Unter der Überschrift "political corretness" wird so viel Schwachsinn verbreitet. Genauso die Frage: Darf man über Behinderte Witze machen? Natürlich, sonst würde man sie ausgrenzen.

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  2. Ich hatte auf meinen Wunschzettel geschrieben: bitte eine Negerpuppe. Der Weihnachtsmann hat das so akzeptiert. Ich habe sie geliebt und gewindelt und mit den blauäugigen Puppen zusammen in den Puppenwagen gesetzt und ausgefahren. Wie dürfte ich heute von ihr erzählen, ohne als Rassist beschimpft zu werden?

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  3. Ötti, als Kind wusstest Du nicht, dass der Begriff rassistisch ist. Jetzt weißt Du es. Wenn Du die Puppe jetzt immer noch so nennst, verwendest Du wissentlich einen rassistischen Begriff, der die Leute, die Dir zuhören, verletzen oder rassistisch informieren kann. Erzähle von Deiner Puppe ohne dieses Wort. Dann werden Leute auch wirklich von Deiner Puppe hören können und nicht nur von dem Rassismus, der an dem Begriff dranhängt.

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  4. Ich mag es nicht, wenn anonym bleibende Menschen herablassende Ratschläge geben. Die Herablassung entsteht durch die Anonymität.

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