Montag, 28. Mai 2012

Pfingsten


PFINGSTEN

Pfingsten 
sind die Geschenke am geringsten,
Während Geburtstag, Ostern und Weihnachten
Etwas einbrachten.
b.b.
Pfingsten, von griechisch πεντηκοστή [ἡμέρα] pentekostē [hēmera] - der fünfzigste Tag. Der fünfzigste Tag von was? Nach welchem Ereignis? Gibt es einen einundfünfzigsten Tag? Ich vermute, 99% der Bevölkerung haben nicht die geringste Ahnung davon was hier gefestagt wird. Halt ein weitere freier Tag. Ach ja, und da gibt es einen Pfingstochsen und der Pfingstmontag sollte irgendwann mal abgeschafft werden. 

Apostelgeschichte 2, 1-4
„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Darstellung der Ausgießung des heiligen Geistes im Rabbula-Evangeliar 586 

Zungen erschienen, gespaltene, kein schöner Anblick sicherlich und ER setze sich auf sie. Wer ist ER? Der Heilige Geist, eine der drei Hypostasen Gottes, Sohn, Vater und, nein, nicht Mutter, sondern eben dieser Heilige Geist. Sehr praktisch irgendwie, Monotheismus und man kriegt drei für einen. 
Der H.G. geht aus dem Vater und dem Sohn durch „eine einzige Hauchung“ hervor. Das ist die Erklärung der katholischen Kirche. Im Unterschied zum Sohn, der durch „Zeugung“ aus dem Vater hervorgeht, geht der H.G. den Weg der "Hauchung" aus dem Vater und dem Sohn. Gemeinsames Atmen von Vater und Sohn zeugen ihn. Und was ist er also? Heilige Luft? Heiliger Atem = Hagion Pneuma. Maria hat übrigens Jesus durch "Kontakt" mit dem H.G. empfangen.
Dieser H.G. wurde nun, sieben Wochen nach Ostern, eben 50 Tage nach dem Ostersonntag über die Jünger Jesu ausgegossen. Und, wie nach guten Sprachintensivkursen, begannen sie danach, in allen damals bekannten Sprachen zu predigen. Diese Überwindung der Sprachverwirrung von Babel wird dann als Gründungstag der christlichen Kirche übersetzt.


Giotto di Bondone um 1300, Pfingsten
(Da geht mir ein Licht auf?)


Pfingstbestellung

Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,

Mich stört`s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,

Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt —
Pfingstochse meinetwegen —
Dem Honorar entgegen.

Joachim Ringelnatz


Und noch eins für die Berliner unter euch:

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten

 
Bolle reiste jüngst zu Pfingsten,
Nach Pankow war sein Ziel,
Da verlor er seinen Jüngsten
Janz plötzlich im Jewühl
`Ne volle halbe Stunde
Hat er nach ihm jespürt,
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert.
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert.

In Pankow gab`s kein Essen,

In Pankow gab`s kein Bier,
War alles aufjefressen
Von fremden Gästen hier.
Nich mal `ne Butterstulle
Hat man ihm reserviert,
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert.
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|

Auf der Schönholzer Heide,

Da gab`s `ne Keilerei,
Und Bolle, gar nicht feige,
War feste mang dabei.
Hat`s Messer rausjezogen
Und fünfe massakriert,
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert :|

Es fing schon an zu tagen,

Als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen,
Das Nasenbein zerknickt.
Das rechte Auge fehlte,
Das linke marmoriert,
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert.
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|

Zu Hause gekommen,

Da ging`s ihm aber schlecht,
Da hat ihn seine Olle
Janz mörderisch verdrescht!
Ne volle halbe Stunde
Hat sie auf ihm poliert,
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert.
Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|

Bolle wollte sterben

Und hat sich`s überlegt.
Er hat sich auf die Schienen
Der Straßenbahn jelegt.
Die Bahn, die hat Verspätung
Und vierzehn Tage drauf,
Da fand man unsern Bolle
Als DÖrrjemüse auf.


Kommentare:

  1. sonja Hilberger28. Mai 2012 um 23:26

    Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen....

    Vielen Dank für die Aufklärung, ich habe schon oft genug keine Antwort auf die Frage gehabt, was Pfingsten eigentlich feiert. Nichtmall ansatzweise.erstaunlich, das sich diese Feiertage so lange halten, obwohl kaum einer weiß, was gefeiert wird. Und Danke für alle Strophen von Bolle. Das ruft Erinnerungen wach an Wandertage und Klassenfahrten. Da konnt ich die noch alle auswendig. Und mit dem Wechselgesang von Strophe und Refrain hat das was abenteuerlich Galeerenhaftes, so zu Gruppenschulausflüge sehr passend.

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  2. Pfingsten? Was feiern wir denn da?
    by Donald Berkenhoff on Sunday, May 27, 2012 at 5:50am ·

    Das Ende der Osterzeit. Der heilige Geist wurde ausgeschüttet, Ein Ereignis, was dadurch aufwertet wird, dass Pfingsten zusammen mit Ostern und Weihnachten durch einen weiteren Feiertag als etwas Besonderes markiert wurde.

    Es war ein Grollen zu hören. Und dann hatten die Jünger kleine Flammen über ihren Häuptern. Und sie sprachen in fremden Zungen, d.h. sie konnten Fremdsprachen sprechen, ohne sie vorher gelernt zu haben. Ansonsten ist dies bei den Katholiken ein deutliches Zeichen von Besessenheit und rechtfertigt den Einsatz eines Exorzisten.

    Tieferes Symbol dieser urplötzlichen Fremdsprachenkenntnis ist nicht, wie oft behauptet, die Rücknahme der babylonischen Sprachverwirrung, sondern der Wille der bis dato kleinen, jüdischen Sekte zur Weltreligion zu werden. "Geht hin und bringt Zeugnis", daher also die Fremdsprachen. Nicht nur die Geburt der Kirche, sondern auch die Geburt der Mission. Und indem die Christen den Glauben in die fremden Länder brachten, bekommt der Völkermord eine völlig neue Dimension.

    Das Abschlachten der Inka sei ein Beispiel. Säuglinge wurden getauft und sofort getötet, damit sie nicht von der "rechten" Lehre abfallen können. Denn in der Logik der Glaubensbringer ist der Tod lange nicht so schlimm wie die ewige Verdammnis.

    Auch hierzulande wurde der neue Glauben mit Schwert und Feuer gebracht. Besonders hervor getan hat sich Karl der Große, genannt "der Sachsenschlächter". In Schleswig wurden an einem Tag alle Vertreter des alten Glaubens, welche nicht bereit waren sich taufen zu lassen, geköpft. Nach zeitgenössischen Berichten stand das Blut knöcheltief auf der Gasse. Nebenbei bemerkt haben sich die Taufunwilligen in der Heide versteckt und erhielten dadurch auch ihren Namen.

    Eine der jungen "abrahamitischen" Religionen war geboren.

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  3. nunja, nun ist ja pfingsten eigentlich ein von den juden (schawuot)übernommener tag, der fünfzigste tag nach pessach (ende der omerzeitzählung)an dem die lehre gelesen wird. (http://www.payer.de/judentum/jud510.htm)

    "Es ist das Fest der Offenbarung unserer Lehre, und ihr widmet man die erste Nacht. Man wacht im Bet- oder Lehrhaus, möglichst zu zehnt, und nimmt in dieser Nacht gemeinsam, mit wechselnden Vorlesern nach einem eigentümlichen System die ganze Lehre durch. Sie ist in dreizehn Abteilungen eingeteilt, von jedem Abschnitt des Lehrgebäudes [d.h. der biblischen Bücher und der Mischna] sind die ersten und letzten Sätze zusammengestellt, so daß im Extrakt die gesamte Heilige Schrift und Mischna erfaßt werden. Nach jeder der dreizehn Abteilungen wird Kaddisch gesagt, so daß die Gesamtzahl der Kaddischgebete (im Hebräischen, wo jeder Buchstabe auch einen Zahlwert darstellt) den Buchstabenwert von Echad (13) erreicht, und das Wort Echad heißt: Einzig -- und gilt für Gottes Einzigkeit." [Hirsch]

    darum ist pfingsten die ausschüttung des heiligen geistes -
    des vielleicht mächtigsten nichtmateriellen geschenkes für christen.

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  4. Ein freundlicher Pfingstgedanke:
    Bauern machen am Pfingstsonntag mit ihren Familien Spaziergänge um die Felder, um die beendete Frühjahrsbestellung zu begutachten.
    (Das hat sich in Brandenburg sogar über die Zeit der Zwangsgenossenschaften erhalten.)

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