Samstag, 3. Dezember 2011

Rainer Maria Rilke - Advent


Nach einem "Herbst"-Spaziergang am Nachmittag, 
möchte ich doch noch einmal darauf hinweisen, 
dass es Dezember ist und demnächst 
der Zweite Adventsonntag beginnt! 
Ich bestehe auf mein Recht auf Winter!
Vier Jahreszeiten und keine weniger!
Schließen Sie sich meinem Protest an!


Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke 

Schneeengel

Kommentare:

  1. Das tue ich!!! Vehement!!!
    Ein Freund von mir nennt mich nicht grundlos und nicht nur wegen meiner Verehrung für Ingrid Bergmann "Alte Schwedin!".
    Wenn ich die Wahl habe zwischen Sommerhitze und Eiseskälte, dann her mit der Eiseskälte... nur dass wir die in Deutschland nicht so haben. Ich bin im Norden - und es regnet seit zwei Tagen. Es sollte schneien. Schnee ist der süße Puderzucker der Kälte. Schnee ist weich, Schnee ist hell, Schnee macht alles heller. Aber das wunderbarste an ihm ist... er macht alles leiser. Er ist die Schallschutzdecke der Natur. Er ist die Illusion einer friedlichen Ruhe, die sich über die Welt breitet. Und dann dieses unglaublich leckere knirschen, bei jedem Schritt, dieses knuspeln und knartschen, dieses Geräusch, das so gemütlich und vertraut ist wie ein knarrender Dielenboden in einem alten Schloss... ein bißchen Magie, nur ein bißchen.
    Und Spielzeug, Schnee ist Spielzeug. Wurfmaterial und, ja, Schneeengel, ganz genau, und natürlich Schneeskulpturen. Ja Skulpturen, ich habe mich über die handelsüblichen Schneemänner längst hinaus entwickelt. Ich baue Schneehasen, ich baue Ökoaktivisten (Schneemann mit Schild "Ich bin sowas von gegen die globale Erwärmung - hab ich letztes Weihnachten im Hinterhof installiert) und Schneehunde... Schnee ist die weiße Knete der Natur. Die dunkle ist Matsch. Aber Schnee kann man zu Blöcken pressen, in Kartons und Putzeimern und aufschichten und behauen wie weichen Marmor und Iglos bauen. Wusstet Ihr, dass man ein Iglo mit der Wärme einer Kerze auf null Grad "heizen" kann, auch wenn es draußen viel viel kälter ist? Das stand in einem Ypsheft-Überlebenshandbuch, das ich als Kind auswendig konnte!
    Schnee ist Winter. Und rote Bäckchen sind Winter. Und heißer Kakao ist Winter. Und Kerzen sind im Winter irgendwie schöner. Und in klirrend kalten Nächten sieht man viel mehr Sterne.
    Und wenn es wirklich Winter ist, nicht unser Winter, sondern der sibirische Winter... dann können die Sterne sogar flüstern...
    Ja, ich schließe mich Deinem Protest an. Und wie.

    AntwortenLöschen
  2. Nein, ich bitte um Verzeihung. Euren Winter, den zauberhaften, voller andächtiger Ruhe, wünsche ich mir auch.
    Aber nicht den von Berlin-Mitte. Eine Nacht mit frischem Schnee ist auch hier wunderbar weiß und still. Aber ab halb acht beginnt der gnadenlose dreckige Terrorismus. Du oder ich. Fußgänger stehen sich in der vereisten Laufrinne gegenüber wie Böcke auf einem Steg und glotzen sich wütend an. Radfahrer drehen völlig durch. Verheimlichte Hundescheiße taut im Flur aus dem Profil der Sohlen. Niemand kennt mehr die Ausmaße seines Körpers in den dicken Klamotten. Zeit des Rempelns. Winter in der Stadt bringt alle miesen Charakterzüge ihrer Bewohner zum Vorschein. Na gut, er macht ehrlich.
    Aber:
    Der Winter an der Oder ist ein sehr geheimnisvolles sanftes Märchen voller Melancholie.

    AntwortenLöschen
  3. Ich will halt eine etwas eindeutigere Jahreszeit. Ich liebe zu warme Sommer, selbst in der Stadt. Frühling gibt Abwechslung, nass, windig, erste Ahnung von nicht mehr frieren, Herbst ist herrlich und gräßlich, melancholisch, Ahnung von Abschied und unberechenbar und Winter sollte halt zumindest kalt sein.
    Wenn ich in einem ein- oder zwei Jahreszeitenland leben würde, dann wären auch meine Erwartungen anders. Aber da Winter nun mal unser Los ist, dann richtig!

    AntwortenLöschen
  4. "Verheimlichte Hundescheiße taut im Flur aus dem Profil der Sohlen." - Ich stelle mir gerade den Schneeengel unter diesem Aspekt vor... ja, Punkt für Dich. (Plastische Cartoonfantasie ist manchmal ein ästhetischer Nachteil)
    Und es stimmt auch, dass menschenreichere Städte weißen flauschigen Schnee schneller zu Rutschbahnen und in Dreckmatsch trampeln. Was den Zauber eindeutig zu schmälern weiß. Allerdings... frisch gefallen ist sogar Berlin manchmal wie aus einer Schneekugelidylle entsprungen... und weil die Stadt sonst ein Musterbeispiel für laut und Tempo ist, fällt die Bepuderung und ihr Effekt ganz besonders auf.
    Ich wohne in Regensburg. In der Innenstadt. In der historischen Welterbeinnenstadt, die ohnehin ein Mittelalterdisneyland ist. Wenn dann noch Schnee fällt... dann fühlt man sich geschrumpft und in eine Modeleisenbahnlandschaft als Figürchen teleportiert. Sehr skurile Wirkung, gar nicht unangenehm.
    Aber Du hast absolut recht: Schnee verträgt nur eine begrenzte Menschenmenge zur Aufrechterhaltung seiner magischen Eigenschaften.

    AntwortenLöschen