Sonntag, 18. November 2012

Volkstrauertag - Ein stiller Tag


  Wiki sagt:  
  Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag 
  und gehört zu den „Stillen Tagen“. Er wird seit 1952 zwei Sonntage vor 
  dem ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten 
  und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. 
  
  Auch wieder einer dieser verqueren artifiziellen Erinnerungsfeiertage. 
  Heute denken wir mal alle an Tote, aber nur an solche, die durch 
  Waffengewalt oder anderweitige staatliche Brutalisierung ums 
  Leben gekommen sind. An die übrigen Toten denken wir heute nicht!
  An die anderen Verstorbenen können wir ja an Allerseelen 
  oder am Totensonntag denken, je nach Konfession. Oder wir nutzen 
  Jom haScho'a speziell für die Opfer des Holocaust und des 
  jüdischen Widerstandes, oder Qingming, den Tag an dem viele 
  Chinesen die Gräber ihrer Vorfahren reinigen und schmücken. Oder
  einen Tag, eine Stunde, eine Minute nur mal so, rein privat, 
  sozusagen freiwillig.

  Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schickt meiner Mutter in 
  schöner Regelmäßigkeit Geldbittbriefe, er hat diesen Feiertag 1919
  "erfunden", was verständlich ist, bedenkend, dass die Zahl der
  durch ihn zu versorgenden Gräber in den 5 Jahren zuvor um eine 
  erschreckende Zahl gewachsen war. Man geht von etwa zwei 
  Millionen gefallenen, vermissten, nicht mehr auffindbaren, zerfetzten,
  verreckten, zerschossenen, vergasten deutschen Soldaten im Ersten 
  Weltkrieg aus, der ja damals, in seliger Nichtkenntnis des Kommenden,
  nur einfach Weltkrieg hieß. Gerade im September 2011 haben
  Archäologen noch die Überreste von 21 toten deutschen Soldaten im
  Elsass geborgen.Der Musketier Martin Heidrich aus Schönfeld und der
  Gefreite Harry Bierkamp, der am 18. Januar 1896 in Hamburg 
  geboren wurde, zum Zeitpunkt des Todes am 18. März 1918 gerade 22 
  also Jahre alt war, wurden Opfer eines Minenangriffs, der wiederum 
  die Reaktion auf eine Senfgasattacke war.  


  Wäre es nicht besser einen Volkswuttag einzuführen, einen lauten Tag,
  an dem wir uns lauthals über den Irrsinn des Krieges erregen? Politiker
  anbrüllen und Generäle? Allein im 20. Jahrhundert starben zwischen
  100 bis 185 Millionen (100 000 000 - 185 000 000) Menschen in Folge
  von Kriegshandlungen.  

GRODEK
 
Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düster hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt,
Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.

Georg Trakl 1914
Dies war sein letztes Gedicht. 
  
  Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Trakl wurde als 
  Militärapotheker ins Heer einberufen. Er erlebte die Schlacht bei 
  Grodek mit. Dabei hatte er fast einhundert Schwerverwundete 
  unter schlechten Bedingungen allein und ohne zureichendes 
  Material zu versorgen. Zwei Tage und zwei Nächte arbeitete 
  er in dem Lazarett, das später in der Presse als eine der 
  „Todesgruben von Galizien“ bezeichnet wurde. Trakl hatte 
  keine Möglichkeit, den Sterbenden zu Hilfe zu kommen, 
  was ihn in Verzweiflung stürzte. Nach dem Zeugnis seiner 
  Vorgesetzten waren eine halbe Stunde vor der Schlacht dreizehn 
  Ruthenen auf Bäumen vor dem Zelt gehängt worden. 
  Trakl erlitt daraufhin einen Nervenzusammenbruch.  
  Ein Suizidversuch wurde verhindert und Trakl wurde zur 
  Beobachtung seines Geisteszustandes in ein Krakauer 
  Militärhospital eingewiesen. Am Abend des 3. November 1914 
  starb er dort nach Einnahme einer Überdosis Kokain an Herzstillstand.
  Quelle: Wiki

  „Der Mord ist ein Verbrechen, wenn ein einzelner ihn begeht; aber
  man ehrt ihn als Tugend und Tapferkeit, wenn ihn viele begehen! Also
  nicht mehr Unschuld sichert Straflosigkeit zu, sondern die Größe des 
  Verbrechens!“
  Cyprian von Karthago
   

Kommentare:

  1. Wenn ich die Gedenksteine in Dörfern betrachte, und derselbe Familienname steht darauf mehrfach hintereinander im ersten Krieg und dann wieder mehrfach im zweiten, und ich sehe die wenigen Häuserchen drumherum, kommt so eine Ahnung auf von dem Gram.

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  2. Skuld Norne schrieb:
    Du hast mit deinen Worten das gesagt, was ich auch empfinde. In Thales Friedenspark steht ein Denkmal an die Opfer des 1. Weltkrieges. Die Namen zweier Großonkel von mir, die ganz jung im Schützengraben verreckten, habe ich oft gelesen. Wie schön wäre es gewesen, sie kennenzulernen. Aber um an sie und die vielen sinnlosen Opfer zu denken, braucht man keinen Volkstrauertag.

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  3. Früher habe ich gedacht Krieg ist der einzig regulierende Faktor den eine primitive Spezies erfinden kann um ihre eigene Ausbreitung zu verlangsamen und ihre auf permanentes Wachstum ausgelegten Systeme am laufen zu halten.
    Heute denke ich das nicht mehr. Heute denke ich, wenn wir es schaffen würden die Fähigkeit zu entwickeln Kriege abzustellen - dann hätten wir alles gelernt um alle anderen Probleme zu lösen.
    Aber wir können beides nicht... auf keine der beiden Weisen.
    Und damit unser Tun weniger primitiv erscheint haben wir Volkstrauertage, die zeigen sollen, dass wir wenigstens so gescheit sind ein Bewußtsein dafür zu haben was wir anrichten. Nicht gescheit genug es zu verhindern, nur eben kultiviert genug zu betrauern, dass es so ist. Still. Denn Schweigen ist Zustimmung. Und Kriege brauchen Zustimmung. Würden sie verweigert fänden sie nicht statt.

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  4. Gedenktage, Jahrestage... - trotz hohler verordneter Veranstaltungen gibt es auch den Moment des Nachdenkens, wenn man darauf gestoßen wird, und sei es aus Rebellion, um die eigene Position zu definieren.
    (und dann findet so ein Tag einen Platz in diesem Blog)

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