Mittwoch, 7. September 2011

Patti Smith - Just Kids - Die Geschichte einer Freundschaft

Eine junge Frau mit einem Koffer erreicht New York im Juli 1967. Sie lernt einen jungen Mann namens Robert Mapplethorpe kennen. Die beiden leben einige Jahre miteinander in ganz erstaunlicher Armut, auf der Suche nach ihrem Ort in New York, in der Szene, in der Kunst. Er zeichnet, schafft Collagen, photographiert, fickt, arbeitet sich durch das Labyrinth der eigenen ästhetischen und sexuellen Möglichkeiten auf der Suche nach der ersehnten Gewissheit des Ruhmes. Sie folgt ihm, schubst ihn, behütet ihn, driftet. Sie bleiben einander verbunden bis zu seinem Tod 1989. Merkwürdigerweise, ist das Berührendste an diesem Buch, das, was nicht benannt wird. Die Verwundungen, die Einsamkeit, der Verrat. Patti Smith ist entschlossen, die Geschichte einer Nähe zu erzählen und sie tut es mit grosser zarter Einfachheit, so, dass die Auslassungen fast unbemerkt bleiben.

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Beschreibung der Qualität des nicht Benannten.
    Der Grat zwischen Egozentrik und Egoismus, zwischen Schuld und Verantwortungsunfähigkeit ist so schmal.

    Hier musste ich aber lachen:
    Der emsige Junge 'arbeitet sich durch das Labyrinth der eigenen sexuellen Möglichkeiten'? Ohlala. Vielleicht hätte er mit ein wenig Freude dabei weniger arbeiten müssen.

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  2. Klingt komisch, trifft es aber, glaube ich. Wenn ich mir seine Bilder anschaue, die, die um Sexualität kreisen, haben sie, für mich, etwas nahezu obszön wissenschaftliches und observierendes.

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  3. Wären da nicht auch Unterschiede zwischen dem unmittelbaren sexuellen Erleben (das lustvoll und auch qualvoll sein kann), dem psychischen und rationalen Verarbeiten und der verarbeitenden Arbeit des gestaltenden Künstlers?

    Ich denke wieder an die Bilder von Egon Schiele.

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