Dienstag, 12. April 2011

Johnny Depp - Eine Schwärmerei


Professor experimentiert an unschuldigem Jungen, transplantiert ihm Scheren anstelle der Finger, der Professor stirbt, der Junge lebt einsam, wird von ebenfalls unschuldigem Mädchen entdeckt und in das Haus ihrer Familie mitgenommen, die ihn, nach anfänglichem Misstrauen, sehr herzlich aufnimmt. Er wird Landschaftsgärtner und Friseur, es kommt zu unverschuldeten Unfällen und zu keinem Happyend.

Eher durch Zufall geriet ich in meinen ersten Tim Burton/Johnny Depp Film und dieser Abend wurde zum Beginn einer Passion.

Ich gestehe hiermit öffentlich, dass ich Johnny Depp anbetungswürdig finde. 

Und sicher, er ist ein wirklich erstaunlicher Schauspieler, dazu später, aber er ist auch noch so schön, dass es beinah unwirklich ist. 

Es ist heraus. Ich bin ein Fan. Ich reise ihm nicht nach und ich besitze auch keinen Hausaltar, ich will nicht mal sein Autogramm, aber gucken tue ich. Ich glaube, ich kenne alle seine Filme (außer Twenty One Jumpstreet), manche habe ich mehr als einmal gesehen. (Wenn das Geheimnis erst einmal heraus ist, warum dann nicht die ganze Wahrheit sagen!) Ich sehe mir auch alle Interviews, derer ich habhaft werden kann, an und hin und wieder gehe ich auf Klatschseiten im Netz oder in diesen bunten Zeitungen, die ja keiner von uns liest, und lese unwahre Geschichten über ihn, mit Genuss!

                                            "Edward Scissorhands"

"If you catch me saying 'I am a serious actor,' I beg you to slap me." 
"Sollten Sie mich dabei erwischen, wie ich mich als ernsthaften Schauspieler bezeichne, bitte ich Sie mich zu schlagen."

Er hat jahrelang merkwürdige Filme gedreht, die manchmal nur relativ wenige Leute sehen wollten und dann bietet man ihm die Rolle eines Piraten an, jeder weiss doch, dass Piraten schön und romantisch sind und er geht und nimmt sich den guten alten Keith Richards zum Model, behängt sich mit circa 50 Pfund Schmuck, verkleidet sogar seine Zähne, erfindet einen Gang, irgendwo zwischen Seemann, schwerem Trinker und ungeschickter Dragqueen, das alles unter dem zunehmend  panischen Widerstand der Produzenten, und trägt dann den Film ganz alleine weg. Und all die anderen, die Blooms und Kneightlys verblassen in Fadheit (vielleicht mit Ausnahme von Geoffrey Rush). Es wird erzählt, er wollte auch noch eine falsche Nase haben, die echte war Sparrow in einem Kampf abgebissen worden und die sollte, wann immer er niessen musste, und das wäre sicher oft gewesen, abfallen. Er hat das als "zu viel" dann weggelassen. Man glaubt ihm, dass er Spass hat. 
In "Don Juan de Marco" spricht er den schönsten nichtexistenten spanischen Akzent, in "Benny und Joon" verneigt er sich auf zärtlichste vor Chaplin und schon der Wutausbruch im rosa Mohairjäckchen in "Ed Wood" würde genügen, um ihm im Pantheon der wahren Spieler einen Platz zu sichern

                                           "Ed Wood"

http://www.youtube.com/watch?v=mayfxYTOs3k&feature=related
Ein Clip aus "Cry Baby" von John Waters

Ich bin nicht oft Fan, aber bei ihm ist es mir eine Ehre.

Kommentare:

  1. Meine Mutter ist 74 Jahre alt. Vor einigen Jahren rief sie mich in enthusiastischem Tonfall an. "Hast du schon Piraten der Karibik gesehen?" Ich: "Nein!" Sie: "Den MUSST du dir ansehen! Johnny Depp ist ja großartig! Ich hab' den ja immer nur gesehen als ihr früher dieses Jump Street Ding da geguckt habt, da war der ja noch ein Baby. Aber der ist ja großartig!" Ich: "Mit wem telefoniere ich???"
    Meine Mutter steht auf schweigsame Helden. Seit ich denken kann hängt in unserer Küche ein gigantisches Poster von Clint Eastwood. Schräge Piraten sind eigentlich nicht ihr Ding. Bis Johnny Depp kam. Das karibische Filmplakat hängt jetzt über ihrem Schreibtisch.
    Sie hat seine Filmografie weitestgehend nachgearbeitet, man darf sie nunmehr Fan nennen.
    Dieser Mann ist ein Phänomen. Weil es völlig egal ist in welchem Genre er sich herumtreibt, er ist immer großartig, immer eine Bereicherung.
    Ok, man sollte ihn von Angelina Jolie fernhalten, die Kombination ist irgendwie nicht glücklich, das wirkt mühsam, aber sonst... fällt mir nichts anderes ein als großartig.
    Wofür ich ihn aber wirklich abgründig liebe, worauf ich in seinen Filmen immer wieder sehnsuchtsvoll warte ...naja, das ist eine persönliche Vorliebe - aber niemand, wirklich niemand, fällt so wundervoll in Ohnmacht wie er!!!

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  2. Das mit der Ohnmacht stimmt. Und er erfindet Dinge für Rollen. Gänge, Maskenteile, Gebissersatz..., er erfindet Figuren. Sein Interview im Actors Studio ist hochinteressant und lustig. http://www.youtube.com/watch?v=Jt0eqVAwhP8

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  3. Ötti schrieb: Hinreißend !
    Nicht der Zielpunkt, der bringt mich mangels Kenntnis nicht ins Kreiseln, aber Eure Schwärmerei.
    Und ich frage, in welchen Gehirn-oder Bauchregionen geraten die Grenzen zwischen Bewundern, Schwärmen, Verknallen, Begehren, Vergöttern ins Fließen.

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  4. Alexander Höchst13. April 2011 um 10:37

    Dead Man von Jim Jarmusch. Da ich ein Fan des Regisseurs bin, durfte ich diesen Film natürlich nicht verpassen. Ich liebe in seinen Geschichten das Lakonische und Fremde, den Humor aber auch seine Besetzungen... früher meist eher unbekannte Gesichter oder eben Typen wie John Lurie, Tom Waits oder Roberto Benigni. Die Ersteren eher Musiker denn Schauspieler. Permanent Vacation, Stranger than Paradise, Mystery Train, seine Kurzfilme usw.. Und jetzt Dead Man. Ich fand den Film großartig aber etwas war anders. Er hat Johnny Depp mit der Hauptrolle besetzt. Das hat mich irritiert. Dieses bekannte Gesicht in einem Jim Jarmusch Film. Ich empfand das als Verrat an seiner Geschichte. John Hurt und Robert Mitchum waren auch bekannt, doch fügten sie sich als großartig skurrile Typen ein. Ich wollte die reine Geschichte ohne Ablenkung sehen. Mit Johnny Depp schossen mir laufend Bilder aus anderen Filmen durch den Kopf, die nicht passten. Bis dahin war bei Jarmusch der Film der Star... Mit Dead Man wurde das anders. Inzwischen habe ich es akzeptieren können und Johnny Depp in Dead Man bestimmt schon sechs oder sieben Mal gesehen und werde ihn mir sicher noch mal so oft ansehen. Auch weil Johny Depp einer meiner Lieblingsschauspieler ist... nur zu Dead Man passte er nicht...

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  5. Aber ist das nicht auch Thema im Film, der Fremde aus der Stadt, in einer Umgebung in der er stört? Nur so ein Gedanke.

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  6. Alexander Höchst13. April 2011 um 11:40

    Ja, sicher. Nur sollte der Fremde mir auch fremd sein. Das hätte ich mir gewünscht... einen Nobody... So war er nur für die Figuren im Film fremd, nicht für mich...

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