Sonntag, 24. April 2011

Dylan Thomas - Geh nicht gelassen in die gute Nacht


Hochmut kommt vor dem Fall. Mein erster Versuch ein gereimtes Gedicht, zu übersetzen und dann gleich Dylan Thomas. Wenn schon denn schon! Und trotzdem in größtem Respekt:
 
Geh nicht gelassen in die gute Nacht

Geh nicht gelassen in die gute Nacht,
Glüh, rase Alter, weil dein Tag vergeht,
Verfluch den Tod des Lichts mit aller Macht.

Denn weise Männer, wissend, nichts was sie gedacht
Hat Licht gebracht ins Dunkel, und es ist zu spät,
Gehn nicht gelassen in die gute Nacht.

Und gute Männer, brüllen, schon der letzten Welle Fracht,
Und denkend ihrer Mühn, im Meer verweht,
Verfluchen Tod des Lichts mit aller Macht.

Und wilde Männer, die der Sonne Pracht,
Im Fluge singend fingen, die nun untergeht,
Gehn nicht gelassen in die gute Nacht.

Und ernsten Männern, blind schon, wächst Verdacht,
Auch blindes Auge lacht und blitzt, eh es vergeht,
Verfluchen Tod des Lichts mit aller Macht.

Und du mein Vater, den der bei dir wacht,
Verdamm und segne weinend ihn. Hier mein Gebet:
Geh nicht gelassen in die gute Nacht.
Verfluch den Tod des Lichts mit aller Macht.

Do not go gentle into that good night 

Do not go gentle into that good night,
Old age should burn and rave at close of day;
Rage, rage against the dying of the light. 

Though wise men at their end know dark is right,
Because their words had forked no lightning they
Do not go gentle into that good night. 

Good men, the last wave by, crying how bright
Their frail deeds might have danced in a green bay,
Rage, rage against the dying of the light. 

Wild men who caught and sang the sun in flight,
And learn, too late, they grieved it on its way,
Do not go gentle into that good night. 

Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay,
Rage, rage against the dying of the light. 

And you, my father, there on the sad height,
Curse, bless, me now with your fierce tears, I pray.
Do not go gentle into that good night.
Rage, rage against the dying of the light. 

Dylan Thomas
 
Prost!

Kommentare:

  1. Imer wieder: Respekt ! So habe ich das noch nie gelesen! Weise, ernst, gut und wild zugleich. Bravo!

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  2. Alexander Höchst25. April 2011 um 09:08

    Ja, es ist gut... Das Leben des Mannes scheint auf, ohne dass der Tod unnötig verbalisiiert wird... Sehr schön!

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  3. Ötti schrieb:
    Dass Nachtgedanken oft so beängstigend sind. Schlaflosigkeit. Diese hellwachen Sekunden direkt vor dem Schlaf. In
    den Schlaf fallen! Auch viele Wiegenlieder leugnen nicht das Bedrohliche.
    Und
    Ich glaube, Dir ist eine gute Übertragung gelungen. Die Wörter reiben und werden schlüssig, wenn man ihnen etwas Zeit gibt. Der Rhythmus verhindert Melancholie.

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  5. wirklich toll!
    es ist mit abstand mein lieblingsgedicht und du hast es wunderbar übertragen!
    ich bin mir noch nicht ganz sicher was die richtige interpretation ist. für mich klingt es wie ein kampf ('geh nicht gelassen'-kämpfe)gegen etwas großes vielleicht sogar unbesiegbares z.b den tod.
    was meint ihr?

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    1. Lieber Mensch,

      danke Deiner Anregung! Wenn ich der Angst mehr Macht gebe als der Liebe Kraft
      befinde ich mich im Kampf gegen "Gott und Die Welt". Schau auf die Weltlage, ihre
      Kriegsschauplätze.
      Das, was mit Himmel angedeutet wird, ist die Frucht, Getrenntes zu vereinen, Gegensätze integriert zu haben. Es gibt keinen Tot. Ein verbrauchter Körper legt sich nieder, wie ein welkes Blatt vom Baum des Lebens fällt. Ich bin Seele und Geist. Beide sind unsterblich.

      Im BR Bayern2 NotizBlog "Verraten Sie uns Ihr Lieblingsgedicht", habe ich einen Beitrag geschrieben. Schweißtreibend. Um mein Leben.

      Joachim von Herzen

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    2. Lieber Mensch,
      der Tod braucht weder bekämpft, noch kann er besiegt werden. Das welke Blatt fällt
      vom Baum des Lebens, wie auch die Seele den Körper nur ablegt und in ihren Sphären weiter wirkt...Schau Dich um in der Welt. All die Kriegsschauplätze zeugen
      von der Vergeblichkeit gegen etwas zu kämpfen. Stelle eine Kerze in die Nacht und es ist Licht. Bekämpfe das Dunkel und Du wirst verdunkelt...
      Im BR Bayern 2 NotizBlog "Nennen Sie uns Ihr Lieblingsgedicht" habe ich etwas geschrieben. Schweißtreibend. Um mein Leben.

      danke der Anregung, herzlich, Joachim

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  6. Hallo Frau Schall, ich habe ein Buch von Dylan Thomas. Ich habe mir Ihre Interpretation ausgedruckt und hinein geklebt. Danke. Sie spricht mich sehr an.

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  7. Hallo...
    Ich hab mal eine Frage zu Deiner Übersetzung/ Interpretation. Die letzte Strophe. "And you, my father, there on the sad height, Curse, bless, me now with your fierce tears, I pray." übersetzt du mit "Und du mein Vater, den der bei dir wacht, Verdamm und segne weinend ihn. Hier mein Gebet:..". Da steht doch aber "Curse, Bless me now with.." also "Verfluche und segne mich mit..". Versteh ich nicht. Komischerweise finde ich die selbe Übersetzung auch bei Johanna Schall (google mal ;) - is haargenau das selbe). Oder überseh ich hier was???

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  8. Oh Frau Schall..kein Wunder, dass es die selbe Übersetzung ist, sry zu spät gesehen.. Aber trotzdem, wie kommt es denn zu dieser Übersetzung?

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  9. Wie es dazu kommt? Ich hab mich hingesetzt und es versucht. Verdammen anstatt curse/verfluchen ist meine Entscheidung, auch des Rhythmus wegen. Ich finde, das geht.

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  10. Für mich die beste Übertragung die ich bisher gelesen habe. Sonst hatte ich meist das Gefühl, es fehlt etwas von der Stimmung des Originals und war latent unzufrieden, hier nicht. Danke.
    (In der 5. Strophe soll es sicher heißen: Und ernsten Männern, blind schon wächst Verdacht...).

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  11. Danke für den Hinweis, die Männer haben nun ein n.

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