Montag, 11. April 2011

e.e. cummings - niemand ist immer ein verlierer



niemand ist immer der verlierer
ich hatte einen Onkel namens
Sol der ein geborener misserfolg war und
fast jeder sagte er hätte zum zirkus
gehen sollen vielleicht weil mein Onkel Sol wie der
teufel McCann Der War Ein Taucher zu Weihnachten singen konnte was
möglicherweise oder auch erklären könnte das mein Onkel

Sol dem wahrscheinlich unentschuldbarsten
aller um ein hochgestochenes wort zu benutzen
genüsse frönte die es gibt näm-
lich einen hof zu bewirtschaften und es
sei unnötigerweise
erwähnt

meines onkels Sol hof scheiterte
weil die hühner
das gemüse aßen da
hatte mein onkel Sol einen
hühnerhof bis
die stinktiere die hühner aßen dann

hatte mein onkel Sol
eine stinktierfarm aber
die stinktiere erkälteten sich und
starben und da
imitierte mein onkel Sol die
stinktiere auf subtile art

oder indem er sich im wassertank ertränkte
aber jemand der meinem Onkel Sol einen Victrola
Phonographen und platten gegeben hatte als er noch lebte schenkte
ihm zum günstigen anlass seines dahinscheidens ein
fabelhaftes um nicht zu sagen extraordinäres begräbnis mit
großgewachsenen jungs mit schwarzen handschuhen und blumen und allem und
ich erinnere mich wir haben alle geweint wie der Missouri
als der sarg meines Onkels Sol schlingerte weil
jemand einen knopf drückte
(und hinab ging
mein Onkel
Sol

und gründete eine wurmfarm)


http://econtent.unm.edu/cdm4/item_viewer.php?CISOROOT=/RobbFieldRe&CISOPTR=2982&CISOBOX=1&REC=1
Das ist eine Aufnahme des Liedes "McCann He Was A Diver"


nobody loses all the time
i had an uncle named
Sol who was a born failure and
nearly everybody said he should have gone
into vaudeville perhaps because my Uncle Sol could
sing McCann He Was A Diver on Xmas Eve like Hell Itself which
may or may not account for the fact that my Uncle

Sol indulged in that possibly most inexcusable
of all to use a highfalootin phrase
luxuries that is or to
wit farming and be
it needlessly
added

my Uncle Sol's farm failed
because the chickens
ate the vegetables so
my Uncle Sol had a
chicken farm till
the skunks ate the chickens when

my Uncle Sol
had a skunk farm but
the skunks caught cold and
died and so
my Uncle Sol imitated the
skunks in a subtle manner 

or by drowning himself in the watertank
but somebody who'd given my Uncle Sol a Victor
Victrola and records while he lived presented to
him upon the auspicious occasion of his decease a
scruptious not to mention splendiferous funeral with
tall boys in black gloves and flowers and everything and
i remember we all cried like the Missouri
when my Uncle Sol's coffin lurched because
somebody pressed a button
(and down went
my Uncle
Sol

and started a worm farm)


Kommentare:

  1. ötti schrieb: Wieder anders. Spannender Kerl, dieser Cummings. Diesmal winde ich mich. Hättest Du die vorherigen Gedichte nicht vorgestellt, würde ich mir wohl keine Mühe geben. Ich lese dieses noch einmal, aber ich strauchele wieder wegen der Form. Vielleicht sind da auch meine ganz persönlichen Grenzen im Lyrikverständnis. Die Sprache gefällt mir sehr, aber die Struktur erschließt mir hier keine neuen Sichten auf den Inhalt. Hm. Ich bleibe neugierig.

    AntwortenLöschen
  2. Da war er noch ganz jung, ausprobierend, was möglich ist, aber auch leicht-sinnig.
    Stell Dir vor, jemand versucht atemlos und schnell die Geschicht über seinen Onkel
    Sol zu erzählen, mit Umwegen und merkwürdigen Formulierungen. Und er hat ihn
    sehr gemocht.

    AntwortenLöschen
  3. Alexander Höchst12. April 2011 um 15:25

    Ein schwarzes, wuscheliges Volksbühnenkätzchen, Fritzeline; ein Geschenk meines Bruders für meine Mutter. Milchmeline, Dreieck, Paul und Genovever hießen nun die Kleinen ihres ersten Wurfes. Verspielt und aufgeweckt erkunden sie ihre Welt, wie Kätzchen das für gewöhnlich tun. Für jemanden, der kein Katzenhasser ist unwiderstehlich. Meine Mutter als Hüterin der Halbstarken im Garten an der Havel  unter der dreihundert jährigen Eiche und den Lietzen im Schilf am Ufer. Vorsichtige Andeutungen zum Vermehrungsverhalten von Katzen gleiten geschmeidig von ihr ab.  Hunderte von Katzen bevölkern jetzt meine Phantasie und meine Mutter ist die Katzenmama zwischen zerkratzen und zerrissenen Möbeln... vom Geruch ganz zu schweigen. So weit darf es nicht kommen. Sterilisation und Kastration scheinen mir der einzige Weg, um das zu verhindern. Bewaffnet mit drei Katzenkäfigen beginnen wir, mein Bruder und ich, mit einem mulmigen Gefühl im Magen die ersten Katzen ein zu fangen. Was sich als schwierig erweist, da die lieben Tierchen nur meiner Mutter vertrauen. Bis auf Fritzeline, die als Theaterkatze an  den Umgang mit verschiedenen Menschen gewohnt ist. Einer von uns lenkt vorne meine Mutter ab, während der andere hinten mit einem Käfig in der Hand verzweifelt den Katzen nachjagt. Eine gefangen, geht es sofort zum Tierarzt. Benommen von der Narkose kommen sie zurück. Meine Mutter erduldet nun dies mit  wütender Mine. Ich fühle mich schlecht, doch gibt es keine Alternative. Nach gut drei Stunden und zerkratzten Händen ist es endlich geschafft, die Katastrophe ist abgewendet. 
    Die fünf Katzen sollten noch dreizehn bis fünfzehn Jahre leben. Besser, als bei meiner Mutter, konnte es ihnen nicht gehen. Der Tod von Fritzeline ging mir besonders nah... sie war anhänglich und tapfer und sie schien (jetzt erklären mich alle für verrückt), Humor zu haben. Weinend habe ich sie begraben müssen... Diese Trauer hat mich sehr erstaunt, da sie mich kalt erwischt hat... damit hatte ich nicht gerechnet...

    AntwortenLöschen
  4. Ist das eine gute Geschichte.Danke sehr.

    AntwortenLöschen