Samstag, 3. Dezember 2011

Rainer Maria Rilke - Advent


Nach einem "Herbst"-Spaziergang am Nachmittag, 
möchte ich doch noch einmal darauf hinweisen, 
dass es Dezember ist und demnächst 
der Zweite Adventsonntag beginnt! 
Ich bestehe auf mein Recht auf Winter!
Vier Jahreszeiten und keine weniger!
Schließen Sie sich meinem Protest an!


Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke 

Schneeengel

Brüste

Tintoretto 1570 Portrait einer Frau, die ihre Brüste entblößt

Raffael 1518 La Fornarina, "Die kleine Bäckerin", Margherita Luti war Raffaels Lieblingsmodell.

Édouard Manet 1878 Blonde Frau mit nackten Brüsten

Kirchenmalerei, Das Märtyrium der Heiligen Agathe von Sizilien. Ihr wurden die Brüste abgeschnitten, weil sie den Avancen eines reichen Mannes nicht nachgeben wollte, der Heilige Peter hat sie in einer Vision später wunderbarerweise geheilt.  © Emanuele Leoni

Kirchenmalerei, wieder die Heilige Agathe, diesmal mit den Brüsten auf 'nem Teller. 

Pierre-Auguste Renoir 1907 Gabrielle mit nackten Brüsten. Sie war Kindermädchen bei Renoir und Modell und sie gilt als Mentorin des jungen Jean Renoir, den sie ins Puppentheater mitnahm, und mit ihm regelmäßig das damals noch ganz neue Kinotheater besuchte. 

Jean Fouquet 1452-1455 Die Jungfrau mit dem Kind begleitet von Engeln (rechte Seite eines Tafelbildes)

Freitag, 2. Dezember 2011

Französische Freiheit und die Weihnachts-Marseillaise

Ferdinand-Victor-Eugène Delacroix 1830 Die Freiheit führt das Volk. 

Die Freiheit heisst hier Marianne und ist eines der National-Symbole Frankreichs, neben Hahn und Trikolore. Seit der Zeit nach der Grossen Revolution gilt sie als Allegorie auf Freiheit und Vernunft. Man stelle sich die deutsche Freiheit als Frau mit nackter Brust und wehendem Gewand vor. Die Christel oder die Erna. (Nichts gegen die Träger dieser Namen!) Ob das ginge? Vielleicht mit Iris Berben als Vorbild für die Büste? Die Büste der Marianne wird nämlich von Zeit zu Zeit nach dem Vorbild wechselnder prominenter Französinnen neu gefertigt und dann in den örtlichen Rathäusern ausgestellt:
 1970: Brigitte Bardot
 1978: Mireille Mathieu
 1985: Catherine Deneuve
 1989: Ines de la Fressange
 2000: Laetitia Casta
 2004: Evelyne Thomas (Fernsehmoderatorin)
 2009: Florence Foresti
 
Die Marseillaise: was für ein wildes Lied, angeblich wurde es in einer Nacht geschrieben und war ursprünglich für die Rheinarmee bestimmt und dann ist es 1795 zur Nationalhymne erhoben worden. Der Autor heisst: Claude Joseph Rouget de Lisle.

DIE MARSEILLAISE 1

Auf, Kinder des Vaterlands!
Der Tag des Ruhms ist da.
Gegen uns wurde der Tyrannei
Blutiges Banner erhoben.
Blutiges Banner erhoben.
Hört Ihr im Land
Das Brüllen der grausamen Krieger?
Sie rücken uns auf den Leib,
Eure Söhne, Eure Frauen zu köpfen!

Refrain:
Zu den Waffen, Bürger!
Schließt die Reihen,
Vorwärts, marschieren wir!
Das unreine Blut
Tränke unserer Äcker Furchen!

Was will diese Horde von Sklaven,
Von Verrätern, von verschwörerischen Königen?
Für wen diese gemeinen Fesseln,
Diese seit langem vorbereiteten Eisen?
Diese seit langem vorbereiteten Eisen?
Franzosen, für uns, ach! welche Schmach,
Welchen Zorn muß dies hervorrufen!
Man wagt es, daran zu denken,
Uns in die alte Knechtschaft zu führen!

Refrain

Was! Ausländisches Gesindel
Würde über unsere Heime gebieten!
Was! Diese Söldnerscharen würden
Unsere stolzen Krieger niedermachen!
Unsere stolzen Krieger niedermachen!
Großer Gott! Mit Ketten an den Händen
Würden sich unsere Häupter dem Joch beugen.
Niederträchtige Despoten würden
Über unser Schicksal bestimmen!

Refrain

Zittert, Tyrannen und Ihr Niederträchtigen
Schande aller Parteien,
Zittert! Eure verruchten Pläne
Werden Euch endlich heimgezahlt!
Werden Euch endlich heimgezahlt!
Jeder ist Soldat, um Euch zu bekämpfen,
Wenn Sie fallen, unsere jungen Helden,
Zeugt die Erde neue,
Die bereit sind, gegen Euch zu kämpfen!

Refrain

Franzosen, Ihr edlen Krieger,
Versetzt Eure Schläge oder haltet sie zurück!
Verschont diese traurigen Opfer,
Die sich widerwillig gegen uns bewaffnen.
Die sich widerwillig gegen uns bewaffnen.
Aber diese blutrünstigen Despoten,
Aber diese Komplizen von Bouillé,
Alle diese Tiger, die erbarmungslos
Die Brust ihrer Mutter zerfleischen!

Refrain

Heilige Liebe zum Vaterland,
Führe, stütze unsere rächenden Arme.
Freiheit, geliebte Freiheit,
Kämpfe mit Deinen Verteidigern!
Kämpfe mit Deinen Verteidigern!
Damit der Sieg unter unseren Flaggen
Den Klängen der kräftigen Männer zu Hilfe eilt,
Damit Deine sterbenden Feinde
Deinen Sieg und unseren Ruhm sehen!

Refrain

Wir werden des Lebens Weg weiter beschreiten,
Wenn die Älteren nicht mehr da sein werden,
Wir werden dort ihren Staub
Und ihrer Tugenden Spur finden.
Und ihrer Tugenden Spur finden.
Eher ihren Sarg teilen
Als sie überleben wollend,
Werden wir mit erhabenem Stolz
Sie rächen oder ihnen folgen.

Refrain


http://www.youtube.com/watch?v=NxTGwAtxwzs 


Ha, und es gibt auch eine Weihnachts-Marseillaise!  

MARSEILLAISE 2 - Verstummt Ihr Engel und Ihr Hirten 


Verstummt Ihr Engel und Ihr Hirten
verstummt, ihr trägen Litanei´n
Eh nicht gelöst der Völker Bürden
kann Frieden nicht auf Erden sein
Wie könnten Freudenlieder schallen
wo Unterdrückung herrscht und Not
Ein solcher Sang, er wär ein Spott
den Menschen wär´s kein Wohlgefallen


Auf Proletariat
auf, rüste dich zur Tat
zur Wahl! Zur Wahl! Zum ersten Schritt
auf der Befreiungsbahn!


Laß dich in süßen Traum nicht wiegen
mit Orgelton und Glockenklang
sieh doch die roten Banner fliegen
sie winken zum Befreiungsgang
Hat wohl ein Römer süß geschlafen
zur Zeit, da Brennus wog das Schwert?
Wer tatlos zaudert, ist es wert
daß ihn die Peitsche trifft den Sklaven


Auf Proletariat
auf, rüste dich zur Tat
zur Wahl! Zur Wahl! Zum ersten Schritt
auf der Befreiungsbahn!


Nicht hoffe mehr nach alter Sitte
daß dir ein Wunderstern erscheint
dich führend zu des Heilands Hütte
so ist die Sage nicht gemeint
Blick auf, ein Stern in hellem Scheine
der Sozialismus winkt dir zu
und der Erlöser der bist du
und jene Hütte ist die deine


Auf Proletariat
auf, rüste dich zur Tat
zur Wahl! Zur Wahl! Zum ersten Schritt
auf der Befreiungsbahn!


Wohlauf, zum Kampfe, auf zum Siege
damit es Fried´auf Erden wird
damit der Menschheit Feind erliege
der freie Volksgeist triumphiert
und wenn vertilgt die letzten Reste
des Elends und der Sklaverei
wenn alle Menschen froh und frei
dann feiern wir Erlösungsfeste


Auf Proletariat
auf, rüste dich zur Tat
zur Wahl! Zur Wahl! Zum ersten Schritt
auf der Befreiungsbahn!



Film von 1938!


Das französische Original


Allons enfants de la Patrie,
Le jour de gloire est arrivé!
Contre nous de la tyrannie,
L’étendard sanglant est levé,
L’étendard sanglant est levé,
Entendez-vous dans les campagnes
Mugir ces féroces soldats?
Ils viennent jusque dans vos bras
Égorger vos fils, vos compagnes!

Refrain:
Aux armes, citoyens,
Formez vos bataillons,
Marchons, marchons!
Qu’un sang impur
Abreuve nos sillons!

Que veut cette horde d’esclaves,
De traîtres, de rois conjurés?
Pour qui ces ignobles entraves,
Ces fers dès longtemps préparés?
Ces fers dès longtemps préparés?
Français, pour nous, ah! quel outrage
Quels transports il doit exciter!
C’est nous qu’on ose méditer
De rendre à l’antique esclavage!

Refrain

Quoi! des cohortes étrangères
Feraient la loi dans nos foyers!
Quoi! Ces phalanges mercenaires
Terrasseraient nos fiers guerriers!
Terrasseraient nos fiers guerriers!
Grand Dieu! par des mains enchaînées
Nos fronts sous le joug se ploieraient
De vils despotes deviendraient
Les maîtres de nos destinées!

Refrain

Tremblez, tyrans et vous perfides
L’opprobe de tous les partis,
Tremblez! vos projets parricides
Vont enfin recevoir leur prix!
Vont enfin recevoir leur prix!
Tout est soldat pour vous combattre,
S’ils tombent, nos jeunes héros,
La terre en produit de nouveaux,
Contre vous tous prêts à se battre!

Refrain

Français, en guerriers magnanimes,
Portez ou retenez vos coups!
Épargnez ces tristes victimes,
A regret s’armant contre nous.
A regret s’armant contre nous.
Mais ces despotes sanguinaires,
Mais ces complices de Bouillé,
Tous ces tigres qui, sans pitié,
Déchirent le sein de leur mère!

Refrain

Amour Sacré de la Patrie,
Conduis, soutiens nos bras vengeurs
Liberté, Liberté chérie,
Combats avec tes défenseurs!
Combats avec tes défenseurs!
Sous nos drapeaux que la victoire
Accoure à tes mâles accents,
Que tes ennemis expirants
Voient ton triomphe et notre gloire!

Refrain

Nous entrerons dans la carrière
Quand nos aînés n’y seront plus,
Nous y trouverons leur poussière
Et la trace de leur vertus
Et la trace de leur vertus
Bien moins jaloux de leur survivre
Que de partager leur cercueil,
Nous aurons le sublime orgueil
De les venger ou de les suivre

Refrain

Demokratie? Freiheit? Des Anderen?


Zwei Diskussionen, die ich gerade in den Medien verfolge und auch selber führe, und die mir inhaltlich verbunden zu seien scheinen, beschäftigen und verwirren mich zutiefst.

Zum einen wird, im Zusammenhang mit den erschreckenden Fakten, die über mindestens 9 Morde an Mitbürgern mit "Migrationshintergrund" durch Personen, die der Neo-Nazi Szene zuzurechnen sind, ans Tageslicht kommen, wieder über ein NPD-Verbot gesprochen. Bis vor kurzem wurden diese Tötungen noch, ignoranterweise, sogar offiziell, als "Dönermorde" oder "Bosporusmorde" bezeichnet.
Enver Şimşek
Abdurrahim Özüdoğru
Süleyman Taşköprü
Habil Kılıç
Yunus Turgut
İsmail Yaşar
Theodoros Boulgarides
Mehmet Kubaşık
Halit Yozgat
Das sind die Namen der Ermordeten, und die Täter, und auch die Helfer der Täter, müssen verurteilt und bestraft werden.

Aber dies denkend, bin ich immer noch gegen ein Verbot der NPD. Wir sind ein demokratischer Staat, so sagen wir. Ein Teil unserer Bürger vertritt rechte und rechtsextreme Ansichten und tritt darum der NPD bei. Gräßlich, bestürzend, widerlich, aber es ist ihr Recht, solange sie ihre Auffassungen mit den Mitteln und im abgesteckten Rahmen des Rechtsstaates vertreten. Oder? Oder nicht?

Auf der anderen Seite, hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass ein Schüler innerhalb seiner Schule nicht beten darf. Er ist Muslim und in den Nachrichten wird sein Beten, als demonstrativ beschrieben. Ich lese, dass andersdenkende Mitschüler von ihm gemobbt und verängstigt wurden. Das darf nicht geschehen, also muß dagegen eingeschritten werden, um die anderen Schüler zu schützen.  

Aber, ja wieder ein aber, aber das Gebet verbieten? 

Wenn es nach mir ginge, gäbe es gar keine religiösen Unterrichte oder Veranstaltungen oder Rituale an staatlichen Schulen. Geschichte, ja, auch Religionsgeschichte, aber dann die Geschichte verschiedener Religionen. Doch Sonderentscheidungen für eine Religion scheinen mir ungut und ausgrenzend. Oder? Oder nicht?

Darf ein Christ innerhalb einer Schule eigentlich öffentlich oder "demonstrativ" beten? Ein Sikh? Ein Jude? Ein Hindu? Ein Buddhist? Ich weiss es nicht.

Ob wir das fragwürdige Wort multikulturell nun mögen, oder nicht, wir leben es, nicht in seiner idealisierten Variante, aber als oft verstörenden Alltag. Wie aber leben wir damit? 

Mir wurde gesagt, in einem muslimischen Land dürfte ein Christ auch nicht in der Schule öffentlich beten, aber wollen/sollten wir nicht anders entscheiden? Eben demokratisch, also alle Teile des Volkes zu ihrem Recht kommen lassend? 

Oder ist das sentimentaler Mist? Und öffnet demokratiefeindlichen Bestrebungen Tür und Tor?

„Freiheit ist immer Freiheit der anders Denkenden, sich zu äußern.“ sagte Rosa Luxemburg. Stimmt das? Geht das? Wie ist das mit der Freiheit des Andersdenkenden sich zu äußern, wenn wir, bzw. einige von uns, sich von dem anders Gedachten bedroht fühlen? Führen Einschränkungen der Freiheit sich zu äußern nicht zu Demokratieverlust? Oder? Oder nicht?

Es ist gesagt worden, dass Demokratie die schlechteste Form der Regierung ist, mit Ausnahme aller anderen, die ausprobiert wurden.
It has been said that democracy is the worst form of government exept all the others that have been tried. Winston Churchill 

Jene, die unentbehrliche Freiheit aufgeben, um ein wenig vorübergehende Sicherheit zu gewinnen, verdienen weder Freiheit, noch Sicherheit.   
They that can give up essential liberty to obtain a little temporay safety deserve neither liberty nor safety. Benjamin Franklin


Mittwoch, 30. November 2011

Walter von der Vogelweide - „Magdeburger Weihnacht“ ein Ausschnitt


Der Dom Sankt Mauritius und Katharinen in Magdeburg
 
Der Magdeburger Dom ist wunderschön. Die Stadt in Schutt und Asche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, hat, zumindest im Zentrum, den Charme der DDR-Architektur der 70er und 80er Jahre, aber der Dom und das Kloster Unserer Lieben Frauen, hinreißend.
Wenn mich mein Vater, geborener und begeisterter Magdeburger, durch die Stadt führte, war das ein ganz seltsamer Vorgang. Er sah vor seinen erinnernden Augen, die geliebte barocke Stadt des Vorkrieges, ich sah die häßliche Gegenwart.

Der Innenhof © Hans-Joachim Hellgert

Am Weihnachtstag 1199 war im ottonischen Kaiserdom zu Magdeburg Philipp von Schwaben, der Konkurrent Ottos IV., zum deutschen König gekrönt worden – Otto selbst hatte in der Krönungskirche in Aachen dieselbe Prozedur durchlaufen. Walther von der Vogelweide, der auch Otto IV. in einem Lied, dem Ottenton, feierte, hatte mit seinem Sangspruch zur Magdeburger Weihnacht dem Konkurrenten Philipp gehuldigt.
Es war das letzte glanzvolle Fest im ottonischen Bau. Am Palmsonntag 1207 zieht der neue Erzbischof Albrecht glanzvoll hier ein – wenige Tage später, am Karfreitag, wird der gewaltige Bau ein Opfer der Flammen. 

Der II. Spruch aus dem 1. Philippston Walthers von der Vogelweide: „Magdeburger Weihnacht“
Walther von der Vogelweide, damals Parteigänger der Staufer, schildert Vorgänge von der Magdeburger Weihnacht 1199 , einem „unglaublich großartig“, wie Zeitgenossen überliefern, verlaufenen Fest, das Philipps Kanzler Konrad zur Herrschaftsdarstellung Philipps im Thronstreit in Szene gesetzt hatte.
Ez gienc eines tages, als unser hêrre wart geborn
von einer maget, die er im ze muoter hât erkorn,
ze Megdeburc der künic Philippes schône.

da gienc eins keisers bruoder und eins keisers kint
in einer wât, swie doch die namen drîge sint,
er truoc des rîches zepter und die krône.
Er trât vil lîse, im was niht gâch,

im sleich ein hôhgeborne küniginne nâch,
rôse âne dorn, ein tûbe sunder gallen.
diu zuht was niener anderswâ,
die Düringe und die Sahsen dienten alsô dâ,
daz ez den wîsen müeste wol gevallen.
Textvorlage: Walther von der Vogelweide. Leich, Lieder, Sangsprüche. 14. völlig neubearbeitete Auf- lage der Ausgabe Karl Lachmanns, hrsg. v. Christoph Cormeau. Walter de Gruyter Berlin, New York 1996, S.37
Die Düringe und die Sahsen dienten im Rahmen der Magdeburger Prozession Philipp von Schwaben. Der Grund der Erwähnung des Dienstes im Spruch zur Magdeburger Weihnacht und seine Art unterscheiden sich. Walther von der Vogelweide meinte mit dem Dienst der Sahsen vermutlich den Dienst Bernhard von Sachsen. Dieser führte im Rahmen der Prozession den Schwertträgerdienst aus. Im Bericht in der Halberstädter Bischofschronik über die Magdeburger Weihnacht fand dies Erwähnung, was ein Indiz für die Wichtigkeit des Schwertträgerdienstes war. Mit dem Dienst der Düringe bezeichnete Walther vermutlich den Dienst des Landgrafen Hermann von Thüringen im Rahmen der Magdeburger Prozession. Der Dienst Hermanns von Thüringen fand nicht an exponierter Stelle statt. Es liegen auch keine Quellen vor, die die Form des Dienstes des Hermanns von Thüringen beschreiben. Nellmann geht davon aus, dass der Dienst darin bestanden habe, dass „der Landgraf (und sein Gefolge) sich an der ihm zukommenden Stelle in der Prozession einreihte“.
Philippes ist die abgeschwächte lateinische Namensform von Phillip.
Drei Personen waren in Philipp vereinigt: der König, eines Kaisers Sohn und eines Kaisers
Bruder: kürzer konnte sein Anspruch auf die königliche Würde nicht 
dargethan werden. 
Irene hieß in Deutschland Maria, deren Beinamen hier auf sie übertragen werden. 

 Dieses Herrscherpaar im Magdeburger Dom wurde als Otto I und Edgitha angesehen. Möglicherweise stellen die Figuren aber auch "König der Könige und Ecclesia" dar, also Jesus, und die personifizierte Darstellung der christlichen Kirche.

Dienstag, 29. November 2011

bisschen - bißchen und die blöde neue deutsche Rechtschreibung


Ein bisschen, ein kleiner Biss, weniger als ein wenig, ein indeklinables Indefinitpronomen - was für ein Wort, und bedeutet doch nur, dass ein bisschen nicht veränderbar ist. Meist wird es in Verbindung mit »ein«, in der Funktion eines Adverbs gebraucht. Ein bisschen Liebe, ein bisschen Hoffnung zum Beispiel. Ein bisschen sieht nach der Neuen deutschen Rechtschreibung nur leider aus wie ein bischen, grob und unelegant. Ein bißchen dagegen, da sieht man den Biss, Biß. Nicht viel, nur einen kleinen Happen, Bissen, scharfe Zähne, schneller Biss/Biß, ein kurzer Schmerz und Viel bleibt übrig. Ach, du liebes bisschen! Ach, du liebes bißchen! Ein kleines bisschen Bisschen oder ein kleines bißchen Bißchen? Ich, heute, über 50 und kein bißchen weiser, bestehe auf das bißchen und schäme mich kein bißchen dafür, sollen doch die doofen Germanisten alle mal ein bißchen leise sein, schreiben zielt doch auch auf das Auge, "das Auge liest mit" sozusagen, und außerdem, solange wir Stängel, aber nicht Ältern schreiben sollen, bleibt die ganze Reform sowieso ein großer Quatsch. Wie Kaiser Wilhelm sagte, bei der vorletzen Rechtschreibereform, reformiert nur ruhig weiter und macht Tür aus Thür und Tor aus Thor, aber Thron bleibt Thron, denn der ist meiner. Ein bißchen Freiheit!!!!

Ein bisschen mehr Freude

Ein bisschen mehr  Freude und weniger Streit,
ein bisschen mehr Güte und weniger Neid,
ein bisschen mehr Liebe und weniger Haß,
ein bisschen mehr Wahrheit, das wär doch was!

Statt soviel Unrast ein bisschen Ruh,

Statt immer nur ich bisschen mehr du,
statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
und Kraft zum Handeln, das wäre gut.

Kein Trübsal und Dunkel, ein bisschen mehr Licht,

kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht,
und viel mehr Blumen, solange es geht,
nicht erst auf Gräbern, denn da blühn sie zu spät.
Peter Rosegger

ODER:

Ein bißschen mehr Freude

Ein bißschen mehr Freude und weniger Streit,
ein bißschen mehr Güte und weniger Neid,
ein bißschen mehr Liebe und weniger Haß,
ein bißschen mehr Wahrheit, das wär doch was!

Statt soviel Unrast ein bißschen Ruh,

Statt immer nur ich bißschen mehr du,
statt Angst und Hemmung ein bißschen mehr Mut
und Kraft zum Handeln, das wäre gut.

Kein Trübsal und Dunkel, ein bißschen mehr Licht,

kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht,
und viel mehr Blumen, solange es geht,
nicht erst auf Gräbern, denn da blühn sie zu spät.
Peter Rosegger


Blogeintrag von anama vom 12.12.2010 
Nach der „Neuen deutschen Rechtschreibung“ heißt es „ein bisschen“. In der alten Rechtschreibung wurde dieser Ausdruck noch „ein bißchen“ geschrieben.
Nun gibt es aber eine Faustregel, über die man sich ganz gut merken kann, wann das Doppel-S und wann das SZ (also ß) richtig ist:
Ist der Vokal davor ein kurzer, wie bei Kuss, Küsse, Nuss, müssen, Biss, Klasse – dann folgt das Doppel-S.
Ist es ein langer Vokal oder ein Doppel-Vokal wie eu, äu oder ei, wie bei Muße, in Maßen, Kloß, beißen, folgt das SZ, also ß.

Mir fällt da eine Geschichte ein, an der man sich das vielleicht merken kann. In der Grundschule fuhren wir mal auf Klassenfahrt, und die Lehrerin diktierte uns, was mir mitnehmen sollen. „Süßigkeiten in Maßen“ war auch dabei. Ich altkluges kleines Ding zeigte auf und sagte, alle sollten doch darauf achten, dass sie das wirklich mit ß schreiben, damit die Eltern nicht denken, sie müssten Süßigkeiten in Massen einpacken.
 
 

Weihnachtshorror mit selbstmordenden Häschen

Warnung! Nichts für zarte Gemüter!

Bunny Suicides, oder Häschen Selbstmorde, ist eine der gemeinsten Cartoonserien, die ich je gesehen habe. Auf jeder Seite, der mittlerweile drei Bücher, eine neue Variante, wie sich ein Hase zu Tode bringt. Warum er das will, wird nicht erklärt. Der Zeichner heisst Andy Riley, und der Titel des ersten Buches war: The Book of Bunny Suicides: Little Fluffy Rabbits Who Just Don't Want to Live Any More = Das Buch der Häschen Selbstmorde: Kleine Fluffige Hasen, Die Einfach Nicht Mehr Leben Wollen.
 






Montag, 28. November 2011

Mamas Rotkohlrezept


 
Mamas Rotkohlrezept

2 Gläser Kühne Rotkohl!
ca. 200 g Gänseschmalz
4 – 5 Nelken
1 Handvoll Rosinen

Lange, lange schmoren lassen
ab und zu nachsehen, ob noch Flüssigkeit im Topf ist.
 
Rotkraut bleibt Rotkraut und Blaukraut bleibt Blaukraut!
Wiki: Das Rotkraut besitzt eine Farbe, die genau zwischen rot und blau liegt. Im Mittelalter existierte noch kein Begriff für diesen Zwischenton. „Lila“ – ein Wort arabischen Ursprungs – kennt die deutsche Sprache erst seit dem 18. Jahrhundert, es gab nur die Volltonadjektive „blau“ und „rot“. In den deutschen Regionen fielen die Entscheidungen für den Rotkohl unterschiedlich aus. Das deutsche Sprachgebiet kannte im Süden vornehmlich das Kraut, im Norden eher den Kohl.
 
Die Engländer nennen es übrigens Red oder Blue Kraut und deren Kosename für uns Deutsche ist: Krauts! Weil deutsche Seeleute immer Sauerkraut auf ihren Schiffen mitführten gegen die Skorbut. Die Engländer nutzten anstattdessen Zitronensaft - lemons or limes - und wurden von Amerikanern darum ihrerseits Limeys genannt. Der Spitzname der Briten für Franzosen ist übrigens Frogs, Frösche.

Ein Weihnachtsengel


 
"Die Fähigkeit sich zu freuen, ist das Talent aufmerksam zu sein."
"The capacity for delight is the gift of paying attention." 


Julia Margaret Cameron, viktorianische Photographin, 1815 in Kalkutta/Indien geboren, 1879 in Ceylon gestorben., Großtante von Virginia Woolf.



Sonntag, 27. November 2011

Coca Cola und der Weihnachtsmann

Coca Cola hat den Weihnachtsmann erfunden! Nein, natürlich nicht, aber das Bild des fetten, lustigen Mannes mit weissem Bart, rotem Mantel und fellumrandeter Zipfelmütze, das wir im kollektiven Kitschbildergedächtnis mit uns herumtragen, das als Vorlage für all die schlechtschmeckenden Hohlkörper-Schokoladenfiguren dient und als Kostümentwurf für weihnachtliches Kindererschrecken genutzt wird, hat sich ein schwedischer Werbegraphiker namens Haddon Sundblom 1931 für Coca Cola einfallen lassen.


1822 schrieb Clement Clarke Moore, Professor an der Columbia Universität von New York, zum Entzücken seiner sechs Kinder "A Visit from St. Nicholas." Hier ist St. Nikolaus noch ein Zwerg und raucht Pfeife. heute kennt man dieses Gedicht übrigens unter dem Titel "The Night before Christmas", fast jedes amerikanische Kind kann es auswendig.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts zeichnet dann der Cartoonist Thomas Nast für Harper's Illustrated Weekly  seine Version des Weihnachtsmannes erst in schwarz-weiss, dann später auch bunt. Rot ist der Mantel schon, wenn auch noch nicht knallrot, aber das Bild formt sich.
1931, die Umsätze für Kaltgetränke lassen in den Wintermonaten zu wünschen übrig. Was tun? Eine Werbe-Kampagne! Und was für eine. Das Bild des dicken Mannes überschwemmte das amerikanische Land als Anzeige in Magazinen, man bedenke, das dies noch vor der Herrschaft der Fernsehwerbung stattfindet, und als Werbesammlerstück. Coca Cola läßt sich das Rot des Mantels patentieren und für 35 Jahre ist der Dicke Werbegesicht für Zuckerbrause.

Das Gedicht von Clement Clarke Moore übersetzt von Erich Kästner (1947)

Als der Nikolaus kam

In der Nacht vor dem Christfest, da regte im Haus
sich niemand und nichts, nicht mal eine Maus.
Die Strümpfe, die hingen paarweis am Kamin
und warteten drauf, daß Sankt Niklas erschien.
Die Kinder lagen gekuschelt im Bett
und träumten vom Apfel- und Nüsseballett.

Die Mutter schlief tief, und auch ich schlief brav,
wie die Murmeltiere im Winterschlaf,
als draußen vorm Hause ein Lärm losbrach,
daß ich aufsprang und dachte: Siehst rasch einmal nach!
Ich rannte zum Fenster, und fast noch im Lauf
stieß ich die knarrenden Läden auf.

Es hatte geschneit, und der Mondschein lag
so silbern auf allem, als sei's heller Tag.
Acht winzige Rentierchen kamen gerannt,
vor einen ganz, ganz kleinen Schlitten gespannt!
Auf dem Bock saß ein Kutscher, so alt und so klein,
daß ich wußte, das kann nur der Nikolaus sein!

Die Rentiere kamen daher wie der Wind,
und der Alte, der pfiff, und er rief: "Geschwind!
Renn, Renner! Tanz, Tänzer! Flieg, fliegende Hitz'!
Hui, Sternschnupp'! Hui, Liebling! Hui, Donner und Blitz!
Die Veranda hinauf, und die Hauswand hinan!
Immer fort mit euch! Fort mit euch! Hui, mein Gespann!"

Wie das Laub, das der Herbststurm die Straßen lang fegt
und, steht was im Weg, in den Himmel hoch trägt,
so trug es den Schlitten auf unser Haus
samt dem Spielzeug und samt dem Sankt Nikolaus!
Kaum war das geschehen, vernahm ich schon schwach
das Stampfen der zierlichen Hufe vom Dach.

Dann wollt' ich die Fensterläden zuzieh'n,
da plumpste der Nikolaus in den Kamin!
Sein Rock war aus Pelzwerk, vom Kopf bis zum Fuß.
Jetzt klebte er freilich voll Asche und Ruß.
Sein Bündel trug Nikolaus huckepack,
so wie die Hausierer bei uns ihren Sack.

Zwei Grübchen, wie lustig! Wie blitzte sein Blick!
Die Bäckchen zartrosa, die Nas' rot und dick!
Der Bart war schneeweiß, und der drollige Mund
sah aus wie gemalt, so klein und halbrund.
Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf,
und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen Schopf.

Ich lachte hell, wie er so vor mir stand,
ein rundlicher Zwerg aus dem Elfenland.
Er schaute mich an und schnitt ein Gesicht,
als wollte er sagen: "Nun, fürchte dich nicht!"
Das Spielzeug stopfte er, eifrig und stumm,
in die Strümpfe, war fertig, drehte sich um,
hob den Finger zur Nase, nickte mir zu,
kroch in den Kamin und war fort im Nu!

In den Schlitten sprang er und pfiff dem Gespann,
da flogen sie schon über Tal und Tann.
Doch ich hört' ihn noch rufen, von fern klang es sacht:
"Frohe Weihnachten allen, und allen gut' Nacht!"

 

Für Interessierte:

"Für Gott, Vaterland und Coca-Cola: Die unautorisierte Geschichte der Coca-Cola Company" Marc Pendergast

http://www.angelfire.com/trek/hillmans/xmascoke.html

Dieser Artikel von Bill Hillman lieferte viele der obigen Informationen.