Sonntag, 18. September 2016

Penthesilea 4 - English is a very nice language, but...

Ich liebe die deutsche Sprache. Liebe, liebe, liebe sie.
Sie ist manchmal ungelenk, umständlich, sie eignet sich nicht wirklich gut zum Reimen und nur in Meisterhand für loses Witzeln und das, was die Engländer "puns" nenen.
ABER sie kann vibrieren, flattern, fließen, stolpern und marschieren, ermöglicht plötzliche unerwartete Wendungen durch großen Abstand zwischen Hilfsverb und Verb. Beginnt mit "Wir haben...", es folgen alle nur möglichen Schrecklichkeiten, und endet mit dem harmlosen Verb "durchwandert". Die Spannung, das Suspense, das "in Unsicherheit schweben" hängt dann an dieser Konstruktion des zerrissenen Verbes. 
Sie kann mit nationalistischen Ehrgeiz daherstampfen und gänzlich irden, irdisch klingen. Jiddische, französische, lateinische Wörter sind bei ihr eingezogen und manchmal nicht mehr als Migranten erkennbar.
Sie ist im Besitz von merkwürdigen Wörtern, Wörtern, die ihre Partner verloren haben (unwirsch), Wörtern, die sich verbandelt haben (Wahnsinn), Wörter, die so klingen, wie das, was sie meinen (Matsch).
Sie erlaubt Pathos und Kühle, Doppeldeutigkeit und Rotzfrechheit.

Spricht man sich SCHAF - KUH - ZIEGE vor, erschaffen Laut und Lippenstellung die Tiere. Oder RISS. 

Und sie kann auch sowas: Donaudampfschiffahrtskapitänspatent.

Mark Twain über "Die schreckliche deutsche Sprache"

http://www.viaggio-in-germania.de/twain-schreckliche-dt-sprache.pdf


Und eine Frage!!!!

Bei Kleist stoßen ich öfter auf Satzkonstruktionen folgender Art:

Erbittert hat es, Göttern mich und Menschen
In unbegriff'ner Leidenschaft empört.


oder

Ich jetzt, wie wir Argiver hoch erfreut,
Auf eine Feindinn des Dardanervolks zu stoßen;
Was für ein Haß den Priamiden längst
Entbrannt sei in der Griechen Brust,
wie nützlich,
So ihr, wie uns, ein Bündniß würde sein;
Und was der Augenblick noch sonst mir beut:

oder

Sich muß, wem sie die Freundin sei, erklären;

oder

Was geht dem Volke der Pelide an?

Ist das ein possessiver Dativ, oder was ist es? Das heißt, eine Wortgruppe oder Wort im Dativ, die/das den Besitz/die Zugehörigkeit anzeigt. Wir würden heute doch ´gegen´mit folgendem Akkusativ verwenden, oder in anderen Fällen den Genitiv?

 

Kommentare:

  1. Ich liebe die deutsche Sprache. Aber mich nerven Ankündigen, am Bahngleis stehend, wie folgt: "Die Ankunft von Zug (Nummer, Abreise- und Zielort werden ausführlich genannt und irgendwann nach wirklich vielen vielen Informationen, die alle bekant sind und niemanden interessieren, kommt endlich bzw. leider die Botschaft, auf die es ankommt) erfolgt in wenigen bzw. verzögert sich um 20 Minuten!"

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  2. Vor den Festlegungen durch den Duden war die deutsche Grammatik recht variabel, durchaus auch persönlich. Befremdlich wird's für uns, wenn der Gebrauch der Fälle vom heutigen abweicht( "Wer ruft mir?" im Faust). Schwierig wird's in der Verssprache, wenn auch noch Pronomen oder Präpositionen ausgespart sind.

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  3. Der Mark-Twain-Link funtioniert nicht:
    The requested URL /ts/personal/narita/schreckliche_dt_Sprache.pdf was not found on this server.

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  4. Danke für den Tipp. Habe einen neuen Link reingesetzt! Lieben Gruß!

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