Mittwoch, 5. März 2014

Eiscrème oder der Frühling kommt


Frühling in Berlin-Mitte. Eine Freundin sieht überall, 
wie sich Schneeglöckchen aus Asphaltritzen hervorkämpfen, 
die Filmfestspiele sind vorbei, brave Freischaffende wühlen sich 
durch den Steuerkram des letzten Jahres, meine Mitmenschen 
bekommen wieder Körper mit Umrissen, die nicht von Steppmänteln 
und anderen Unformen verdeckt werden, Cafes stellen Stühle 
und Tische auf die Bürgersteige und meist rote Decken dazu. 

Als ich sehr jung war, begann ungefähr um diese Jahreszeit, 
der heroische Kampf um die Kniestrümpfe und noch heute  
werde ich sentimental, wenn ich Kinder mit blaugefrorenen Knien 
und stolzen Frostgesichtern sehe, weil ich dann weiss, heute hat eines 
diesen Kampf für sich entschieden. Das ist wie mit den blauen 
Lippen bein Schwimmen, bis zum ungefähren Alter von zwölf, 
hat das nichts mit Kälte zu tun, nein, so wenig, 
wie die klappernden Zähne!

In der Reinhardtstrasse gab es nun an der Ecke zum 
alten Friedrichstadtpalast, der 1985 abgerissen worden ist, 
eine kleine Eisdiele. Vier Sorten Eis und Halbgefrorenes, 
handgemacht, ohne Zusatzstoffe (oder vielleicht auch mit welchen?) 
und im Sommer als Spezialität Johannisbeereis mit 
ganzen Johannisbeeren. 
Die Johannisbeeren waren aus dem Obst-und Gemüseladen 
in der Albrechtstrasse, direkt neben meinem Kindergarten. 
Dieser Laden war, wie alle "Obst-und Gemüseläden" der DDR 
eine traurige Angelegenheit, halbleer, nicht gut riechend. 
Kohl, Kartoffeln, Zwiebeln, Suppengrün, Äpfel immer, 
der Rest war Glückssache. Aber er hatte auch zwei dicke 
nette Verkäuferinnen, die sich für das miese Angebot 
zu schämen schienen, und eben im Sommer, 
manchmal Johannisbeeren.

Wunderbares Eis, pro Kugel, soweit ich mich erinnere, 
30 Pfennig der DDR.Die andere Möglichkeit war Moskauer Eis, 
sahnige Vanille zwischen zwei rechteckigen pappigen Waffeln 
und in so komisches Papier gepackt. Gab es im Konsum 
für eine Mark und wenn ich wiedermal die Polypen 
rausgeschnitten bekommen hatte, durfte ich, als Trost 
und zur besseren Heilung durch Kühlung, sechs solche Eiswaffeln 
mit Sirup obendrauf essen!

Eine Waffel mit drei Kugeln, Schoko, Erdbeer und Schoko, 
war mein Frühlingsanfang! Und ist es eigentlich noch immer. 
Die Eisdiele ist eine andere, die Eissorten sind eleganter geworden, 
und die Sorge um das Gewicht ist dazugekommen, 
aber sonst bin ich die Gleiche geblieben. Hihihi!


Der alte Friedrichstadtpalast von hinten, am Bühneneingang 
standen oft Gruppen rauchender Frauen mit unfaßbar langen Beinen, 
besonders wenn man selber insgesamt nicht länger war als diese Beine - 
Emöke Pöstenyi & Susan Baker, Tänzerinnen des Friedrichstadtpalast-Balletts waren die allerschönsten.

Es ist März, Kniestrümpfe trage ich nicht mehr, aber ich habe jetzt wieder 
einen feinen Eisladen gefunden, denkbar unromantisch in den 
Potsdamer Platz Arkaden gelegen, aber das Eis ist klasse.

Caffè e Gelato 
GmbH & Co. KG
Potsdamer Platz – Arkaden Center
Alte Potsdamer Str. 7
10785 Berlin
Tel: +49/30/2529 7832
Fax: +49/30/25297833
E-Mail: info@caffe-e-gelato.de
Öffnungszeiten

Sommer:
Mo. bis Do. 10:00 - 22:30
Fr. 10:00 - 23:00
Sa. 10:00 - 24:00
So. 10:30 - 22:00

Winter:
Mo. bis Do. 10:00 - 21:30
Fr. 10:00 - 23:00
Sa. 10:00 - 24:00
So. 10:30 - 22:00

Kommentare:

  1. Der alte Eisladen Reinhardtstraße:
    Immer die Schlange davor, im Sommer bis zur Drogerie. Drinnen in dem winzigen Eiscafé das Schild an der Wand "Schularbeiten machen nicht erlaubt". Studenten durften nicht mal ihre Hefter rausnehmen. Das Eis musste zackzack in den Hals geschmissen werden, damit wieder Platz frei wurde für die, die schon hinter dem Stuhl standen.

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  2. Erstmal danke für die Geburtstags-Glückwünsche.
    Lustig, dass Eis hier so zum Thema geworden ist!
    Muss am zu langen Winter liegen...

    In meiner Kindheit - in Berlin (West) - war das beste Eis ein grosser glattgestrichener Becher mit buntem Plastiklöfffel von der Steglitzer Filiale von Eis-Hennig. Den Laden gibt es noch, und andere Filialen.
    http://www.eis-hennig.de/

    Und ein "Split" von Langnese... mmh, dieser gelbe Sossenmantel auf dem Vanillekern.

    Viel später habe ich dann bei Langnese in Hamburg gearbeitet, und konnte Eis essen soviel ich wollte... nur kein Neid!

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  3. Und noch eine spannende Eisdiele in einer spannenden Stadt; "Coppelia" in La Havanna.
    Da ist die Schlange auch endlos!*
    http://en.wikipedia.org/wiki/Coppelia_%28ice_cream_parlor%29

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  4. Sollte ich je nach Havanna kommen ....!!!!

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  5. Wenn Sie es noch nicht kennen, sollten Sie diese Zeitreise bald machen - anders als Rom, aber auch sehr spannend.
    Und zwar mindestens nach La Havanna und nach Trinidad.
    Also, ran ans Projekt!

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