Dienstag, 11. Februar 2014

Robert Lepage - Triptyque - Berlinale 2014


Robert Lepage ist, natürlich nur meiner begrenzten Kenntnis nach, das Feinste, was Kanada an innovativem Theater zu bieten hat. Er ist Autor, Schauspieler & Regisseur und, wie es scheint, auch Filmregisseur. Und ein ganz zauberhafter Mensch.

Der Film beginnt mit einem langsamen Schwenk über die Decke der Sixtinischen Kapelle, Gott reicht Adam die Hand oder nur den Finger, und ist umgeben von Engeln und Frauen. Ihn umreißt eine merkwürdige wellenförmige Einrahmung, geformt durch die ihn begleitenden Figuren, von der einige Forscher meinen, sie stelle den Umriß des menschlichen Gehirnes dar.



Am Anfang war das Hirn? Ich kann denken, Wörter finden, also benenne ich die Welt? Ist das Ding sein Name? Bin ich Gott? Bin ich die Welt? Meine Welt?

Triptyque oder verdeutscht Triptychon hat Lepage zusammen mit Pedro Pires aus seinem neunstündigen Theaterabend Lip Sync (Trailer) entwickelt, den ich leider nicht gesehen habe, von dem aber meine sehr ungeduldige kanadisch-bayrische Freundin sagt, dass er sie keine Minute gelangweilt hat. Sie hat den Abend übrigens fünf Mal angeschaut.

Der Film hat diese magische Faszination nur streckenweise, zwischendurch wird er behäbig, vorhersehbar, öde, und spielerisch, besonders in einem Fall, nahezu dilettantisch. 

Der eine Fall ist ein deutscher Schauspieler und ich kann nicht sagen, ob er einfach eher bühnentauglich ist und nur die invasive Kamera ihn hölzern und simpel wirken läßt, oder ob es die Rolle ist, oder ob sich Lepage für Männerfiguren nicht so interessiert, oder ob der Schauspieler einfach ...

Verrückt, auf der Bühne ist Lepage ein Zauberer. Wenn er Strawinskys Der Kaiser und die Nachtigall im zum See gefluteten Orchestergraben der Torontoer Oper von wunderbar singenden Sängern, die gleichzeitig auch noch leichthändig hochkomplizierte Puppen führen, vor die staunenden Augen der überraschten Operngänger bringt. Oder wenn im Blauen Drachen alle alten und neuen Tricks der guten Tante Theater ausbeutet, um uns sinnlich, die Komplikationen des vielbeschworenen Multikulturalismus (was für ein Biest von Wort) erfahren zu lassen. 
Im Film aber verwandelt er sich in einen konservativen braven Bildererzähler, der uns jede neue Stadt mit den üblichen, oftgesehenen, unwahren, stimmungsvollen Bildern anpreist und dafür sorgt, dass wir nie im Unklaren bleiben dürfen. 
Nur manchmal bricht das Theatertier durch und eine Frau, die nach einer Gehirnoperation ihre Sprache nahezu verloren hat, singt verzeifelt und wunderschön in ein Krankenhaus-Mikrophon, beklatscht von einer einsamen übermüdeten Krankenschwester. 

 Frédérike Bédard

Welt - Leben - Bilder - Klang - Gehirn - Worte - Wörter
Die Frau, Frédérike Bédard (Das wunderbare Zentrum dieses Films!), wird sich von dem chirurgischen Eingriff erholen, spricht wieder. Aber ihr Gedächtnis hat Lücken. Wie klang die Stimme ihres Vaters? Unzählige Versuche alte tonlose Super-Acht-Familien-Filme, die eine gehörlose Lippenleserin "übersetzt" hat, mit Synchronsprechern aller Art zum Klingen zu bringen, mißlingen. Schließlich spricht sie selbst den Text, ein Toningeneur verändert die Stimmlage, sie erinnert sich wieder. "Die Stimme Deines Vaters ist in Deiner Stimme."

Lip Sync ist die Abkürzung für Lip Synchronisation und bezeichnet lippensynchronen Ton bei Filmen. Früher wurden Dialoge zum Teil in der Nachbearbeitungsphase von Filmen im Studio erneut aufgenommen, um sie den Bildern anzupassen. Auch bei Animationsfilmen muss darauf geachtet werden, dass sich die Lippen realistisch und synchron zu den gesprochenen Wörtern bewegen.
http://www.bluray-disc.de/lexikon/lip-sync 




Kommentare:

  1. Sie irren, LIPSYNCH bezeichnet hgenau das Gegenteil, das akustische Material ist vorhanden, ist ein O-Ton und der Künstler verleiht dieser Stimme den Körper.

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  2. @Anonym: Sie haben Recht, aber auch das Synchronisieren fremdsprachiger Filme wird Lip-syncing genannt. Wiki: Dubbing foreign-language films and making animated characters appear to speak both require elaborate lip-synching.

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