Donnerstag, 6. Februar 2014

DiCaprio - The Wolf of Wall Street - eine sehr lange Szene


Der Film beginnt mit Zwergewerfen und es wird nur schlimmer.

Man stelle sich in einem deutschen Film eine zwanzig Minuten währende Szene vor, in der der "Held" durch Drogen in einen Zustand spastischer Lähmung versetzt, versucht nach Hause zu kommen, um einen Freund davon abzuhalten, kriminelle Geldgeschäfte über ein abgehörtes Telephon auszuplappern. Auf der Tonspur viel Ächzen, Krächzen und Stöhnen und eine, wie sich später herausstellt, total verlogene Kommentartorenstimme.

Zwanzig Minuten habe ich in einer Mischung von Faszination, Ekel, hysterischem Blubberkichern und tiefer Verehrung Leonardo DiCaprio dabei zugesehen, wie er, das Arsenal der großen Stummfilmkomiker höchst graziös benutzend, sabbernd, schielend und schiefverkrampft über den Boden kriecht, eine Treppe herunterrollt, sich bemüht eine Autotür zu öffnen, dann Auto fährt, versucht besagtem Freund das Telefon zu entreissen, sich in der Telephonschnur verheddert und schlußendlich eben diesen Freund vorm Ersticken rettet.

Kino, großes Kino und ebenso große Schauspielkunst. 

DiCaprio hat ein Gesicht, wie ein gealtertes Baby oder wie eines dieser bleichen Teigröllchen, die man zu Brötchen aufbacken kann. Dieses Gesicht ist fähig sich zu verknittern, zu ballen, zu reißen und es kann bis zur Unerträglichkeit ausdruckslos sein. 
Er nutzt, benutzt, gebraucht es wie ein Hochleistungsinstrument. Manchmal spielen sich in diesem Gesicht Umbrüche statt, wie in imaginierten Zeitrafferaufnahmen von der Entstehung der Erde. Kontinente entstehen, werden abgetragen, Vulkane brechen aus, schaffen neues Land, das zerstörende Meer bricht ein....

Ich mag ihn nicht mögen, aber ich muß.

 
Er ist furchtlos in der Absolutheit seines Spiels. Wenn es menschlich ist, muß es darstellbar sein.

Meinen grundsätzlichen Zweifeln an der Menschlichkeit des Menschen als Gruppenzugehörigem hat der Film zu gut getan.

Kommentare:

  1. "Er ist furchtlos in der Absolutheit seines Spiels. Wenn es menschlich ist, muß es darstellbar sein."
    DAS sind zwei wunderbare Sätze, an die zu erinnern ich mir vor, in und nach dessen bedürftigen Proben erlauben werde! :)

    "Meinen grundsätzlichen Zweifeln an der Menschlichkeit des Menschen als Gruppenzugehörigem hat der Film nicht gut getan."
    ...da genügt schon die SPON-Lektüre am Morgen!
    In diesem Fall: Raubtiere brauchen nicht immer Zähne - Geld genügt!

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  2. Jens Mittelstenscheid
    "gealtertes Baby" und 'mögen müssen' - Punkt. Danke. Genau!

    Sabine Pommerening
    ...genau, wie du es beschreibst. Ich hab diesen Film nur bis zur Hälfte ausgehalten, bis das Zwergenwerfen geplant wurde... bin dann raus weil mir übel war...aber wirklich großes Kino

    Alexander Höchst
    Mich hat DiCaprio schon lange überzeugt, dieser Milchbubi. Er erfasst mit seinem Spiel meine Spanne von Glück und Verzweiflung und trifft mich ganz tief. Das tut gut! Jack Nicholson - nur verletzlicher, zerbrechlicher und bärenstark wie ein Phönix aus der Asche. Ich sehe auch andere Schauspieler gern aber DiCaprio ist mein einziger Star unter ihnen.
    Ich werde mir den Film unbedingt ansehen!

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