Dienstag, 11. Juni 2013

Emily Dickinson - "Ich lebe in der Möglichkeit"


Emily Dickinson - 
Einziges Känguru im Schönen

E.D. lebte von 1830 bis 1886 in Amherst, Massachusetts

Emily Dickinson ist einfach ihr Leben lang in Amherst geblieben, einem kleinen College-Städtchen in Massachusetts. 1830 wurde die Lyrikerin in dem vom Großvater erbauten Haus geboren, in dem sie vor 125 Jahren, am 15. Mai 1886, gestorben ist. Mit Anfang 30 beschloss sie, keinen Fuß mehr vors Gartentor zu setzen. In den letzten Jahren hat sie, ...nicht mal mehr die Zimmertür weiter als einen Spalt geöffnet. 
Tagesspiegel vom 11.6.2013

I breathed enough to learn the trick,
And now, removed from air,
I simulate the breath so well,
That one, to be quite sure

The lungs are stirless, must descend
Among the cunning cells,
And touch the pantomime himself.
How cool the bellows feels! 

Den Atem-Trick kann ich schon lang –
Und nun, der Luft beraubt –
Ahm ich das Atmen nach, so gut –
Daß einer, der nicht glaubt –

Daß Lungen still stehn – runter muß
Die List der Zellen prüfen –
Und selbst – die Pantomime tasten,
Die tauben Bälge fühlen!

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I'm nobody! Who are you?
Are you nobody too?
then there's a pair of us. Don't tell!
They'd banish us, you know.

How dreary to be somebody!
How public, like a frog
To tell your name the livelong day
To an admiring bog!

Niemand bin ich! Und du?
Ein Niemand – noch dazu?
Dann sind wir zwei im Land!
Still! Gleich wird man bekannt!

Wie öde – Jemand sein!
Sein Lebtag – Fröschen gleich −
Den eignen Namen auszuquaken −
Für den Applaus im Teich!

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I should not dare to be so sad
  So many Years again –
A Load is first impossible
When we have to put it down –
The Superhuman then withdraws
And we who never saw
The Giant at the other side 
Begin to perish now.

Ich wagte es nicht noch einmal
 
So jahrelang zu trauern –
Unmöglich wird die Last ja erst 
Wenn wir uns von ihr trennen –
Dann weicht das Übermenschliche 
Und wir die nie gesehn
Den Riesen auf der andern Seite 
Beginnen zu vergehn

Übersetzungen von Gunhild Kübler

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After great pain a formal feeling comes--
The nerves sit ceremonious like tombs;
The stiff Heart questions--was it He that bore?
And yesterday--or centuries before?   
The feet, mechanical, go round
A wooden way
Of ground, or air, or ought,
Regardless grown,
A quartz contentment, like a stone.
This is the hour of lead
Remembered if outlived,
As freezing persons recollect the snow--
First chill, then stupor, then the letting go.

Nach großem Schmerz, Gefühl verflacht zur Form--
die Nerven sitzen steif, wie Grabesnorm;
das starre Herz fragt: War es 'Er, der trug'?
Und gestern -- oder im Jahrhundertflug?

Der Fuß, mechanisch, geht im Rund
des Holzwegs Pfad
von Pflicht, von Brauch, von Grund,
gewachsen drein
ein steinernes Zufriedensein.
Von Blei ist solche Stund'
erlebt, falls überlebt,
wie Frierende den Schnee erfassen--
Erst Frost, dann Starre, dann das Fallenlassen.

Übersetzung von Walter A. Aue
 

Kommentare:

  1. liebe johanna,
    kannst du mir noch eine andere adresse als über facebook geben?
    viele grüße
    rike
    (über gisela, silke, bernhard ...)
    merci

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  2. Meine Mailadresse js190958@aol.com wäre auch eine Möglichkeit.

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