Freitag, 21. Juni 2013

Nenne mich Tiernamen!


Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Genesis 1/26

Nach der "Bullenhitze" gestern habe ich angefangen darüber nachzudenken, wie wir Tiernamen anderen Worten einverleiben, um sie bildhafter zu machen oder auch sie in Eigenschaftswörter verwandeln, und manchmal ist die Verbindung glasklar und manchmal ...
Hund und hündisch ist merkwürdig, die vielgepriesene Treue und Dienstbarkeit des "besten Freundes des Menschen", wird zu willenloser Unterwerfung und verächtlicher Mißbrauchbarkeit. Hundsfott ist ein wirklich fieses Schimpfwort. 

Burschenschaftslied aus dem 19. Jahrhundert
Landesvater

So nimm ihn hin,
dein Haupt will ich bedecken
und drauf den Schläger strecken,
es leb auch dieser Bruder hoch!
Ein Hundsfott, wer ihn schimpfen sollt!
|: So lange wir ihn kennen,
woll'n wir ihn Bruder nennen,
es leb auch dieser Bruder hoch!
Ein Hundsfott, wer ihn schimpfen sollt!


Friedrich Silcher, 1823
Die Hundstage wurzeln in der Sichtbarkeit des Sternbildes Großer Hund zu Zeiten des römischen Reiches (Ende Juli bis Ende August) und nicht, wie ich vermutet habe, von der Hitze in der man keinen Hund vor die Tür jagen würde, weil er dann nur matt und hechelnd herumläge. Hundewetter, verhunzen (ehemals verhundzen), hundsgemein. Und wieso hundsgemein, es mag gemeine Hundehalter geben, aber Hunde? 

Das dumme Rindvieh, die blöde Kuh, der gemeine Schweinekerl, der idiotische Schafskopf, die zickige Zicke, die böse Schlange, das dumme Kamel, der Piepvogel, den man hat, und das kleine Spatzenhirn, der geile Bock, die anschmiegsame Schmusekatze, die süße Maus, der dumpfe Hornochse, die lockere Bordsteinschwalbe, das grunzende Trüffelschwein, die fette Sau, das fleissige Bienchen, das feige Hasenherz, das untergeschobene Kuckuckskind, 
der sture Esel, der gierige Kredithai, das anmutige Reh - sie alle müssen für 
unsere Beschreibungszwecken herhalten und die stummen Tiere können sich 
nicht wehren. 
Auch, wenn Egon Olsens Pläne immer ausgefuchst waren, scheiterten sie regelmäßig, was kann der Fuchs dafür?
Die Wasserratte, die Leseratte, sowie den Bücherwurm mag ich gern. 
Lammfromm heißt wohl eher, dass es jemand faustdick hinter den Ohren hat, oder?

 Hornochse © Karsten Hoerenz

Der Lackaffe:
Wahrscheinlich von Lakai, Lackel, wie auch in Dämlack für einen groben, ungehobelten, ungeschlachten Mann oder, so kenne ich es, als Bezeichnung eines eitlen Gecken.
Anderen Darstellungen zufolge steckt die Wurzel des Begriffs in dem mittelhochdeutschen Wort lachboum, das einen (großen) Grenzbaum bezeichnet. Auf diese Wurzel ist auch das heute noch in einzelnen Gebieten Österreichs häufig gebrauchte Dialektwort Klachel zurückzuführen, das als Synonym für Lackel verwendet wird, aber auch ein großes Stück Holz, einen Klotz, bedeutet.
Wiktionary 
Oder wurzelt der Lackaffe in den Lackschuhen feiner Herren?

Sind Affen affengeil?

Die Zimtzicke:
Mit der Zicke ist tatsächlich das Tier gemeint, das ja auch in "alte Ziege" und ähnlichen Titulierungen wegen seines Meckerns eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Frauen ist. "Zimt" ist allerdings nicht das Gewürz, sondern stammt vom gleichlautenden rotwelschen Wort, das eigentlich Gold oder Geld bedeutete. Seit dem 19. Jahrhundert wurde dies mundartlich ins Gegenteil verkehrt und meinte dann wertloses Zeug, Plunder. Somit ist die Zimtzicke eine Frau, die wegen jedes Zimts, jeder Nichtigkeit rumzickt. 
Hamburger Abendblatt 10.11.11 Gute Frage

Der Salonlöwe ist wohl nur im geschützten Kreis Gleichgestellter laut und mutig?

 Eine Zimtzicke?

Der Hahnrei ist ein Ehemann, dessen Frau fremdgeht und der dies hinnimmt, um den Frieden im Haus nicht zu gefährden; im Gegensatz zu vielen anderen betrogenen Ehemännern macht ein Hahnrei keinerlei Anstalten, sich für den Ehebruch seiner Frau zu rächen (in früheren Zeiten zum Beispiel dadurch, dass er den Nebenbuhler straffrei umbrachte). Damit verstieß er damals sowohl gegen die weltlichen wie gegen die kirchlichen Gesetze und beging sogar eine Todsünde. Die Öffentlichkeit reagierte auf solches Verhalten mit vielerlei Erniedrigungen des Hahnreis. So wurde er mit Hörnern oder einem Geweih ausgestattet und rückwärts auf einen Esel gesetzt, den man dann durch die ganze Stadt führte. 
Wiktionary
 
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Spiegelberg (mit einem stolzen Gelächter). Armer Tropf! aus dieser Lage reißen? hahaha! – aus dieser Lage reißen? – und auf mehr raffiniert dein Fingerhut voll Gehirn nicht? und damit trabt deine Mähre zum Stalle? Spiegelberg müßte ein Hundsfott sein, wenn er mit dem nur anfangen wollte. Zu Helden, sag ich dir, zu Freiherrn, zu Fürsten, zu Göttern wird's euch machen! 
Schiller Die Räuber

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