Sonntag, 16. Juni 2013

Pap­per­la­papp, Firlefanz und Schnickschnack




Weitere Angebote in meinem kleinen Privatfeldzug zur Wiederbelebung schöner austerbender oder schon fast ganz vergessener Worte. 
Heute: Ausdrücke und Ausrufe der Verblüffung, Verwunderung, Ablehnung, des Unverständnisses oder der Verärgerung. Dann wenn wir "Wow!", "Du willst wohl mich verarschen?" oder "Schwachsinn!" stammeln, könnten wir doch auch eins der folgenden Kleinode verwenden und unser Gegenüber verblüffen und womöglich sprachlos zurücklassen.

Pap­per­la­papp - Nein! Gar nicht! Unsinn!  
Papperlapapp ist lautgemalt und  kommt von "pappeln", "babbeln" oder plappern. Pappeln werden manchmal die Stimme des Volkes genannt, da sie beim kleinsten Windhauch flüstern und wispern und sich miteinander zu unterhalten scheinen. Oder es stammt, wie pappesatt, von einer untergegangenen Bedeutung des Wortes Pappe, was einst ein mittelneuhochdeutsches Wort war, nämlich pappe, das von mittellateinisch pappa = Kinderbrei herrührt, das wiederum schlicht von lat. pappare = essen kommt.
 

Firlefanz - unnötiger Kram - vom mittelhochdeutschen "firli fanz", das einen lustigen Springtanz bezeichnet; "firli" geht eventuell zurück auf das altfranzösische "virlei" = "Ringellied". "Firlefanz" ist also der "Tanz zum Ringellied.

Schnickschnack - leeres Gerede, überflüssiges Zeugs - von niederdeutsch schnacken oder snacken, was reden, quatschen heißt, dann verdoppelt.

Kokolores - Quatsch!
Herkunft nicht geklärt; womöglich abgeleitet vom mittelniederdeutschen gokeler, das für Gaukler steht.
Oder Herkunft aus der Berliner Szene um 1930, in der Kokain konsumiert wurde, unter Konsum kommt es u. a. zu einer Logorrhö, so wurde dieses Phänomen als Kokolores bezeichnet. 
Alternativ wird der Ausdruck mit dem Ruf des Hahns in Verbindung gebracht. (Wiktionary)

Kladderadatsch - chaotischer Zustand, heilloses Durcheinander, Zusammentreffen unglücklicher Umstände - soll vom Geräusch von fallendem Glas herstammen, berlinerisch für "ein klatschender, klirrender Fall".

Ei der Daus! - Ist ja verrückt! Das haut mich um! - Wiki sagt: Ei der Daus! ist seit dem 15. Jahrhundert belegt. Zunächst bedeutete es „Betrüger“, in der niederdeutschen Sprache auch „Teufel“, seit dem 18. Jahrhundert ist die Bedeutung „Teufelskerl“ bezeugt. Möglicherweise findet sich in einem Teil dieser Bedeutungen ein für die galloromanischen Sprachen bezeugtes Wort für „Dämon“ wieder, das in mittellateinischer Sprache „dusius“ lautete. Der in der Wendung angerufene Daus wäre demnach eine euphemistische Entstellung des Wortes „Teufel“ wie man sie zum Beispiel auch vom Wort „Tausend“ kennt. In Mecklenburg ruft man beispielsweise „Dus un Düwel!“ („Tausend und Teufel“) oder „Potz Dus!“ („Potz Tausend“) aus.

Sapperlot! - Was ist nun schon wieder los! Verdammt! - von Sakrament, dann zu sackerment - sapperment - sackerlot - sapperlot
auch: Potz Schlapperment!

Verflixt! - Schönfärberische Form von verflucht.
 




DAS WORT

Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige, eben noch ungesprochene Wort?

wo das Wort vorbeifliegt,
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte hintendrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf
anzukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

Begegnet ihr ihm irgendwann
an irgend einer Stell
dann sagt es uns
dann sagt es uns
dann sagt es uns ganz schnell.

Hilde Domin

Kommentare:

  1. Barbara Maria Drischler Pustekuchen!

    Winnie Böwe Eiwei geschrien! Willst du mir einen Bären aufbinden?

    Barbara Maria Drischler himmel, arsch und zwirn.

    Burkhard Ritter Zicke Zacke Hühnerkacke!

    Barbara Maria Drischler potz blitz! donnerlitchen!

    Barbara Maria Drischler Humbug!

    Ann Rosa Lux killefitz

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  2. Johanna Schall Fisematenten!

    Gabriele Bigott-Kleinert verflucht und zugenäht!

    Gabriele Bigott-Kleinert Herrjeminee!

    Sonja Hilberger Heidewitzka. Sapperlott.

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  3. Heiliger Strohsack! Im Mittelalter kam es zu einer Inflation von Heiligsprechungen, Menschen und Dinge wurde in Menge geheiligt. Der Strohsack ist wohl der auf dem das Jesuskindlein im Stall abgelegt wurde. Und dann kam es zur verballhornten Nutzung: Heiliger Strohsack!

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