Freitag, 17. Juni 2016

Photogramme - Ding & Schattending

PHOTOGRAMME

Die Schatten die Dinge werfen, 
die Dinge, die Schatten werfen 
 
Als Photogramm auch Schadografie (Schattenphotographie) oder Rayogramm wird die direkte Belichtung von lichtempfindlichen Materialien wie Film oder Fotopapier im Kontaktverfahren bezeichnet. Im Gegensatz zur Fotografie oder Luminografie wird dabei keine Kamera benutzt. So beschreibt es Wiki. Und über den Schatten sagt sie: Ein Schatten ist der hinter einem Objekt entstehende Mangel an Strahlung, die das Objekt auf seiner der Strahlenquelle zugewandten Seite empfängt.
 
Die Umrisse, die Abbilder, die äußeren Ränder und die inneren und doch habe ich den Eindruck, das Eigentliche des Dinges zu sehen. 
Ein kleines Mädchen erschrickt sich vor dem eigenen Schatten, ein ganz kurzes Video:
 
 
Wir werden ihn nicht los unseren Schatten, im wörtlichen Sinne zeigt er uns nur unsere Form, zu dick, zu ungelenk, verzerrt je nach Position der Lichtquelle, scharf und unerbittlich oder weich und ahnungsvoll. Metaphorisch, ist er dieser schwarzgraue Fleck, den wir in uns ahnen oder wissen, auf den kein Licht fällt, der aber gerade darum umso deutlicher erkennbar ist, durch den Kontrast. Ach, wie gerne wären wir nur Licht und Glanz und Güte! Aber kein Licht ohne Schatten, ist da auch unsere Grauzone und der schattige Bereich, böse, garstig, selbstsüchtig und ohne Mitgefühl. Wir verbergen ihn meist gut, er bleibt im Schatten unserer öffentlichen ums Gutsein bemühten Persönlichkeit. Ist aber doch da. Quelle von Scham und Gewissensbissen. Aber ohne ihn wäre unsere wirkliche Anständigkeit nur sorglose Ahnungslosigkeit, Zufall, keine Anstrengung.
 
Nachdem Buddha todt war, zeigte man noch Jahrhunderte lang seinen Schatten in einer Höhle, – einen ungeheuren schauerlichen Schatten. Gott ist todt: aber so wie die Art der Menschen ist, wird es vielleicht noch Jahrtausende lang Höhlen geben, in denen man seinen Schatten zeigt. – Und wir – wir müssen auch noch seinen Schatten besiegen! 
Friedrich Netzsche "Die fröhliche Wissenschaft"
 
William Henry Fox Talbot & Hippolyte Bayard

William Henry Fox Talbot


William Henry Fox Talbot


William Henry Fox Talbot

 Hippolyte Bayard

Wilhelm Conrad Röntgen
 
Du bist ein Schatten am Tage
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Friedrich Rückert "Kindertotenlieder"

Kommentare:

  1. Manchmal erhellt ein "Schatten" aber auch... unser Wissen. Das Weltraumteleskop Kepler hat 1.284 Planeten entdeckt. Es hat keinen einzigen davon "gesehen". Es misst das Licht von Sternen, so fein, dass es die Abweichung in dessen Intensität erkennt, wenn ein Planet an seinem Stern vorbeizieht und einen winzigen Bruchteil seines Lichts abdeckt.
    Man könnte also sagen, wir messen die Schatten und finden Planeten...

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  2. Wir messen, etwas, dass fehlt und finden es.

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