Dienstag, 26. November 2013

"Es gab keinen Schießbefehl, sondern nur Waffengebrauchsbestimmungen."



Christa Wolf übersetzt Utopie, den Nicht-Ort mit Kein Ort Nirgends.
Prinzip Hoffnung

Genagelt
ans Kreuz der Vergangenheit
Jede Bewegung
treibt
die Nägel
ins Fleisch.
Christa Wolf

Zehn Studenten und ich haben heute, nachdem wir vorige Woche "Die Maßnahme" von Brecht und "Mauser" von Müller gelesen haben, einen Intensivkurs zur deutschen und russischen Geschichte 1905 bis 1939
absolviert. Dabei haben wir Wikipedia links liegen lassen und  Quellenstudium und Quellenvergleich betrieben. Wozu das Internet nicht alles gut ist!

Und jetzt versuche ich mir vorzustellen, wie wir, zehn sehr junge Leute und ich, keineswegs jung, von dem Riss zwischen Hoffnung und Morden, zwischen bitterer Not, die Revolte verlangt und ihrer Konsequenz, die Menschlichkeit verunmöglicht, erzählen können. Irgendwo innerhalb dieses Risses liegt wohl der magische Nicht-Ort, immer erträumt, nie von niemandem betreten.

Ich will es wissen jetzt und hier. Ich frage

...
Mit meinem letzten Atem jetzt und hier

Frage ich die Revolution nach dem Menschen.


Heiner Müller Mauser

Zitate von Margot Honecker aus der Dokumentation:

Der Sturz – Honeckers Ende


„Unsere Zeit ist eine kämpferische Zeit, sie braucht eine Jugend, die kämpfen kann, die den Sozialismus stärken hilft, die für ihn eintritt, die ihn verteidigt mit Wort und Tat, wenn nötig mit der Waffe in der Hand.“

„Es wurden Fehler in der Geschichte gemacht, die muss man bedauern, die kann man nicht nur bedauern, die muss man bedauern, aber ähäh, die von uns verlangen das wir uns dafür entschuldigen, die sollen sich erstmal dafür entschuldigen das über Jahrhunderte die Menschheit ausgebeutet wird, in Kriege gestürzt wird ähäh und die Menschheit heute noch ausgebeutet wird und bombardiert wird, sollen sie sich doch dafür entschuldigen. Warum suchen sie immer in unserer Geschichte einen Grund für Entschuldigung. Dafür haben wir uns nicht zu entschuldigen, die haben sich zu entschuldigen.“

„Ich bin auch immer mehr der Meinung, dass wir da ein Korn in die Erde gelegt haben, da wird der Samen aufgehen, es war nicht umsonst das die DDR existiert hat, man wird darauf zurückkommen. Vor allem auch in Deutschland eines Tages, wird man die Erfahrungen, die bei der revolutionären Umwälzung von einer Gesellschaft in die andere Gesellschaft gemacht werden, wird man aufgreifen.“

„Alles das, was wir geschafft haben, was wir geschaffen haben in 40 Jahren, ist nicht weg zu leugnen. Das bleibt nicht nur in Erinnerung, sondern es gibt junge Leute, die sich darauf besinnen und sagen, wir müssen eine andere Gesellschaft machen. Wie war das damals? Und viele fragen wie war das."

„Es gibt keinen Schießbefehl, sondern nur Waffengebrauchsbestimmungen. Und die unterscheiden sich nicht von den Waffengebrauchsbestimmungen anderer Länder.

Es lässt einen nicht ruhig, wenn ein junger Mensch ähäh auf diese Weise ums Leben kommt, denn das brauchte ja nicht sein. Der brauchte ja nicht über die Mauer zu klettern. Diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen, das ist schon bitter. Vor allen Dingen auch für die Mütter, die das betrifft.“

„Ich glaube langsam geht das den Leuten auch auf die Nerven, dass die immer wieder mit diesen alten Geschichten kommen. Das man so undifferenziert und so auf Goebbels-Manier eigentlich nicht argumentieren kann. Diese ganze Diskussion um die anders denkenden, also ich bin schon dafür und das man sich mit solchen Problemen befasst, aber es gab in der DDR auch Feinde. Also man kann doch nicht so tun, dass nach 40 Jahren Sozialismus alle überzeugt sind vom Sozialismus und das wir keine Feinde mehr hätten. Das ist der größte Quatsch, ne? Weshalb es ja schließlich auch ne Staatssicherheit gibt.“

„Erstmal ähäh lügen heute viele was zusammen warum sie politisch verfolgt wurden. Das es politische Gegner in der DDR gab und das Leute die dem Sozialismus geschadet haben der Wirtschaft die dem Volk gehörte. Das die Prozesse bekommen haben und das auch welche eingesperrt wurden, na sicher das gab`s alles. Das ist doch normal. Und dafür muss sich doch heute keiner entschuldigen, auch nicht der Staatsanwalt und der Richter, der ein gerechtes, richtiges Urteil im Namen des Volkes gesprochen hat.“

„Naja es gab Kriminelle, die sich heute als politische ähäh ähäh Opfer ausgeben, ne ganze Menge. Die kriminell gewesen sind, geben sich heute als politische Opfer aus. „Also die politischen Opfer, die wenn die antreten müssten, dass wären sicher sehr wenige die sich als „Opfer“ bezeichnen könnten."

 


Um es einmal ganz deutlich und grob auszusprechen, diese alte böse Frau ist eine stalinistische Votze. Dieses Wort verwende ich sonst nie, nie. Aber hier stimmt es, passt es, sitzt es. 
 
 

 Lenin spricht vor Soldaten der Roten Armee während der Revolution
Kamenev und Trotzki, im ersten Bild noch sichtbar, sind in der zweiten Version verschwunden.
 
Wozu das Töten und wozu das Sterben

Wenn der Preis der Revolution die Revolution ist

Die zu Befreienden der Preis der Freiheit.


Heiner Müller Mauser


Kommentare:

  1. Michael Dressel hat geschrieben:
    Zu Margot Honecker passt der Ausspruch von der Banalitaet des Boesen besonders. Ich finde man sollte Ihr nicht die Ehre antun sie zu ernst zu nehmen, anders als ein fast beliebiges Bespiel fuer die haessliche Natur vieler Menschen. Sie ist auch nichts anderes als ein Deutsche Bank Praesident der meint die Leute soll'n sich mal nich so aufregen. Alles waere schliesslich rechtens und in Ordnung gewesen. Die uebliche Selbstgewissheit der Herrschenden eben, unabhaengig davon was fuer kleine Lichter sie selbst wirklich sind.

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  2. Ob die, die in einer Diktatur an den Hebeln der Macht sind, kernversaut sind, oder dumm oder kopfkank oder politisch senil oder gläubig oder fanatisch oder raffiniert oder habgierig oder ob sie Angst haben vor dem Apparat, dessen Teil sie sind - sie sind die Vollstrecker der Diktatur. Verbrecher an Gehirnen, Seelen, Körpern.
    Und die zentralen Hebel schalten die zahllosen subordinierten Hebel und die Verbrechen werden weitergereicht bis in feinste Verästelungen, bis Verantwortlichkeiten zu verschwimmen scheinen.

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