All ihr Irren, die landauf, landab Theater machen, Ich liebe euch.
Das Geld ist nicht wirklich großartig und die Arbeitszeiten sind jetzt besser geregelt, aber trotzdem immer noch anders als normal oder bequem, oder förderlich für ein nicht völlig abgehetztes Familienleben..
Klassenzimmerstück, Nachtprogramm, Nebenprogramm, Gastspiel, Weihnachtsmärchen, Drama, Komödie etc. Probe von 10 bis 14 Uhr und Probe von 19 bis 22 Uhr, Anprobe, Maskenprobe, Textlernen, Stimmtraining, Einkitschen, Nachdenken.
Und ihr schmeißt euch rein. Ältere Herren tanzen und singen am äußeren Rande ihrer Reserven. Ältere Damen auch. Und die Jungen lernen und riskieren mit Leidenschaft und spielen wie die Wilden und hoffen auf relevantere Zeiten.
Kürzlich war ich in der Volksbühne, "Schnittchenkauf" eine Eloge an Pollesch, hin- und hergerissen zwischen belustigtem Verständnis und hilfloser Verärgerung. Wuttke, Angerer, Peschel und zwei andere Schauspieler, die kaum Raum hatten oder in der Lage waren, ihn zu füllen.
Es gab einen wahren und sehr verstörenden Moment: Wie fühlt es sich an, wenn die "Vierte Wand" real wird, eine Mauer, die keinen Kontakt mehr zuläßt?
Sind wir noch im Gespräch mit unseren Zuschauern oder treffen wir uns nur noch selbstverliebt unter gemeinsam getroffenen Verabredungen?
In einer Kritik zu Büchners "Dantons Tod" am Theater der Altmark, erfahre ich, dass die Sprache wohl zu schwierig sei und man doch besser daraus ein Comic gemacht hätte.
Aber es gibt sie noch, die magischen Momente, wenn mich die Irren erwischen, die freien, nackten Weiber der Florentina Holzinger, die Manzel, wenn sie sich in der Komischen Oper die Seele aus dem Leib singt und spielt, "Rocky Horror" in Stendal, wo der Geldmangel zu einer ganz eigenen Ästhetik gerinnt, und, und, und.
Nur seit Juni 2024: Anika, Kit, Robert, Marie, Florian, Pascal, Matthias, Dirk und Elina; Katharina, Bo, Nadine, Clara, Artur, noch eine Katharina, Ansgar, Rose, Alaaleldin, Daryna, Janosch, Ilja und Pascal; Oscar, Susan, Siri, Fynn, Josephine, Paul und noch ein Matthias. Ihr alle in Proben, beim Schwitzen, Improvisieren, Danebenhauen, Rumputzeln, Fliegen, Stottern, Stolpern, Überraschen, Strahlen. Und auch die anderen Irren von Ton, Licht, Maske, Garderobe, Bühne. Und auch ein paar Irre in den Büros, die sich den Theatervirus eingefangen haben und ihre Krankheit lieben.
Vielleicht wird es dieses Theater, wie wir es kannten und kennen nicht mehr lange überleben, manches spricht dafür, Sparmaßnahmen überall, nötige und politisch motivierte, (Die nächsten Jahre werden schmierig mit der AfD fett vertreten in so vielen Stadträten. Siehe Text ganz unten.) aber es gibt eben auch diese scheinbar geschlossene Vierte Wand, gebaut aus Veränderungen in der Bildungspolitik, den Angeboten der neuen Medien und aber auch unserem Hochmut, unserer Selbstbespiegelung.
Wie kommen wir da raus? Wie kommen wir wieder rein? Ich ignoriere jetzt mal die großen Kulturschiffe, für die anderen gilt fast immer, Komödien, musikalische Produktionen, gelegentlich moderne Stücke zu aktuellen Themen laufen, Klassik und anstrengende neuere Texte nicht. Und das gilt, nach meiner Beobachtung, unabhängig von der Qualität der angebotenen Arbeit.
Zu schwierig, siehe oben, zu deprimierend, zu alt, zu politisch, zu anstrengend.
"Unsere deutsche Sprache", so nennt sie die AfD.
Meine deutsche Sprache, die ich liebe, die mich hellhörig machen kann und verstehen und lachen und weinen. Eine komplizierte Sprache, Verb und Hilfsverb oft weit voneinander getrennt, Ausnahmen sind die Regel, zusammengesetzte Substantive ein gelegentlich lustiges Graus, die Grammatik ein Dschungel, (Außer für Ötti.) der alltäglich verwendete Wortschatz stetig sinkend.
(Unsplash / Peter Lewicki)
Aber. Aber auch:
"Wer heut sein Haupt noch auf der Schulter trägt, Hängt es schon morgen zitternd auf den Leib, Und übermorgen liegts bei seiner Ferse." Heinrich von Kleist
"Ich glaube, es gibt beim Publikum einen Widerspruch zwischen Interesse
und Bedürfnis. Was die Leute interessiert, ist das, was sie nicht
brauchen, und das, was sie brauchen, interessiert sie nicht. Man muß
wirklich Wege finden, das zu machen, was sie brauchen, obwohl sie sich
dagegen wehren." Heiner Müller
Schwächen / Du hattest keine. / Ich hatte eine. / ich liebte. Bertolt Brecht
Und schöne aussterbende Wörter wie Weltschmerz und Kuddelmuddel und Augenweide und Kladderadatsch und Habseligkeiten und Augenweide und blümerant und Einfaltspinsel und Firlefanz und und und.
Ich habe keine Lösung, keine Antwort, außer weitermachen. Moliere hat für die abendlichen Einnahmen gespielt. Shakespeare musste die Pest und Spielverbote durchstehen. Da geht es uns doch noch gut.
Die AfD zu ihrer Kulturpolitik:
Unsere Identität ist geprägt durch unsere deutsche Sprache, unsere Werte, unsere Geschichte und unsere Kultur. Letztere sind eng verbunden mit dem Christentum, der Aufklärung, unseren künstlerischen und wissenschaftlichen Werken. Unsere Identität bestimmt die grundlegenden Werte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die deutsche Leitkultur beschreibt unseren Wertekonsens, der für unser Volk identitätsbildend ist und uns von anderen unterscheidet. Sie sorgt für den Zusammenhalt der Gesellschaft und ist Voraussetzung für das Funktionieren unseres Staates. Die gemeinschaftsstiftende Wirkung der deutschen Kultur ist Fundament unseres Grundgesetzes und kann nicht durch einen Verfassungspatriotismus ersetzt werden.
Kulturrelativismus und Multikulturalismus führen zu einem Neben- und Gegeneinander von Parallelgesellschaften, denen es an gemeinsamen Werten für das Zusammenleben fehlt. In einer derart fragmentierten Gesellschaft entstehen Konflikte, die kaum noch beherrschbar sind. Die AfD wird nicht zulassen, das Deutschland aus falsch verstandener Toleranz vor dem Islam seine tradierte Kultur verliert.
Die Förderung von Kultureinrichtungen muss transparent sein. Die staatliche Kulturförderung darf nicht dazu missbraucht werden, die politische Willensbildung zu beeinflussen. Vereine und Stiftungen, die staatlich gefördert werden, müssen sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen.
Die AfD bekennt sich zur Kulturhoheit der Bundesländer und will die kulturpolitischen Aktivitäten des Bundes begrenzen.
In der Filmförderung muss die künstlerische Freiheit gewahrt bleiben. Identitätspolitische Vorgaben der staatlichen Filmförderung sind abzulehnen.