Mittwoch, 19. Oktober 2016

Kleist ist eine Überforderung

Donald Trump wird möglicherweise Präsident werden, Herr von Schirach in einer anderen, nicht undenkbaren, Dimension Justizminister. Syrien brennt heute. Niemand von uns weiß wirklich, was Putin denkt. Menschen flüchten allerorten. Wer verläßt seine Heimat ohne guten/schlimmen Grund?
Deutschland  ist prozentual zufriedener, Afrika hungert immer noch, Israel und Palästina beissen sich die Kehlen blutig.

Ich bin immer noch nur ein Theaterregisseur.

Das Private ist immer auch politisch, Politik begründet sich selbstgewiß im privaten Gefühl. Gefühl, Gefühligkeit, Empfindung, Empfindlichkeit. Was unterscheidet den Wutbürger von wirklicher Wut? Den Gutmenschen vom konkreten hilfreich sein im entscheidenenen Augenblick? Ich fühle mich, in bester Absicht, aber in ständiger Überforderung durch mein kleines tägliches Leben.

Es gibt Tage, da macht die Welt fast keinen Sinn. 

Unsere erste Hauptprobe lief gut, trotz Erkrankungen aller Arten - Kotzvirus, Fieber, Magenkrämpfe, Zahnschmerzen etcetera. 
Kleist nervt. Kleist überanstrengt. Kleist ist eine Unverschämtheit.
Kein Kompromiss nirgendwo.
Alles oder nichts. Ganz oder gar nicht. Keine erwartbare Hoffnung.

ABER! Aber, wenn ich Abstand hätte, würde ich sagen, dass heute sechs Menschen auf einer Bühne miteinander eine Geschichte verhandelt haben. Noch ungelenk, noch mit Angst, aber miteinander in diesen Ängsten.

Kritik im Anschluß: Laßt mich ein, schließt mich ein! Wie kriegen wir den willigen aber erschöpften Chemnitzer dazu, nach acht Stunden entfremdeter Tätigkeit, sich für unsere maßlose Geschichte zu interessieren? Zu akzeptieren, dass es seine Geschichte ist. Auch wenn er niemals niemanden auffrißt.

Kommentare:

  1. Erstens: Du nimmst die Welt persönlich. Das ist keine gute Idee. Aber es ist so verdammt nötig!

    Zweitens: Ich hab' so gelacht... ja, Kleist ist all das... oh ja... leider und zum Glück ist er auch einfach hammergeil.

    Drittens: Plakatiert draußen am Theater "Jeder Busen ist, der fühlt, ein Rätsel.". Ich weiß nicht, ob's hilft, aber "Busen" wird heutzutage eindimensional verstanden und sex sells.

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  2. Das Private ist immer politisch??
    Nee nee, diese Antonyme sollen Antonyme bleiben, sonst sind wir (sprachlich) doch wieder im Stalinismus.

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    1. Nach der Premiere müssen wir unbedingt darüber streiten.

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  3. Ich bin ja nicht aus Chemnitz, aber ... (!) für mich wurde es gestern bei der Premiere meine Geschichte, auch wenn ich niemals niemand aufesse! Und Kleist ist das alles s.o. und immer noch hammergeil.
    Hier in Dresden ist es ja schon ein Anfang, sich dem Postfaktischem zu verweigern und einfach weiter gründlich zu denken und konkret zu bleiben. Auch wenn man von zB. Hauptstädtern selbstsicher und selbstgefällig für "euer Dresden" in Sippenhaft genommen wird. Hilfreich ist da gerade das neue Buch von Carolin Emcke "Gegen den Hass", einfach genau und persönlich politisch.

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