Freitag, 24. Juli 2015

"HEIL" - eine deutsche antifaschistische Komödie

"HEIL"

Die ersten 30 Minuten einer deutschen Komödie über Neonazis haben mich nicht amüsiert, nicht geschockt, nicht erfreut, nicht empört. Dann bin ich gegangen, mein Leben ist sehr kurz, und ich war danach extrem unfroh.
Ich wünsche, mit heftiger Leidenschaft, dass wir, 'wir' meint ein deutscher Film, mit wildem, anarchischem, montypythongeschultem Witz, diese gräßliche Peinlichkeit angehen. Unsere verkrampfte Existenz zwischen verschwurbelten Erbschuldgefühlen und aktuellen, heftigst verleugneten oder in absurdester Weise ausgestellten Ressentiments.
Vor Jahren saß ich in einem Cafe, am Nachbartisch ein älteres Ehepaar, dass sich über die Vorzüge des Dritten Reiches hinsichtlich der Verbundenheit innerhalb der Familie unterhielt. Mein Mund fragte, bevor mein zynisches Gehirn ihn daran hindern konnte, ob der Tod von mehreren Millionen Menschen diese wärmende Nähe innerhalb der deutschen Familie nicht fragwürdig mache. Und. Und die Antwort, ausgesprochen in einem Cafe, in der DDR, von einer nettaussehenden weißhaarigen Dame war: "Die wären doch irgendwann sowieso gestorben."
Besser geht nicht. Oder doch, das folgende Interview mit Ursula Haverbeck ist noch schlimmer.  https://www.youtube.com/watch?v=RwbGGLX30ew
Wo finden wir hier den Raum für befreiende Witze? Wo die Möglichkeit für Scham und Abschluß mit Anstand? EOder ist es einn völlig irrationaler Wunsch?
https://www.youtube.com/watch?v=VpwAwdbhx6Q
Keine Möglichkeit zur Verharmlosung. Schachmatt. Wenn wir die mit Lachen niedermachen können, dann wären wir, glaube ich, gesundet. Ohne falschen Druck, ohne trägen Schnitt, ohne versimpelnde Verarsche. Wir müßten ertragen, dass Menschen solchen Dreck glauben, ganz ernsthaft, ohne Zweifel. Hitler war ein netter Mann, sagen sie. Er wollte nur unser Bestes. Die Juden hatten alle Geld. Oder?
Erst wenn wir unsere Feinde so ernst nehmen, wie unsere Freunde. Wenn wir entspannt und abgrundtief hassen können, wo es angebracht ist. Wenn wir ertragen, dass die "Idioten", die Abartigen, die Ewiggestrigen, die Nazis, die Leugner, die Recht(s)haber wirklich glauben, dass der Dreck den sie verbreiten, Wahrheit ist. Wenn wir die ganze Untiefe der menschlichen Verwirrtheit ertragen, erst dann werden wir gute Komödien über unsere Erzfeinde machen können. Ohne imaginäre Lacheinspieler, ohne angestrengte Blödheit.
NEIN ist ein großartiges Wort, aber es bedarf eines JAs. Ja zum Lieben, Ja zum Trauern.


Kommentare:

  1. Es gibt eine wirklich gute Hitler-Satire von Walter-Moers: Hitler als kleines Arschloch. Sehenswert!
    http://www.cartoonland.de/archiv/adolf-ich-hock-in-meinem-bonker/

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  2. Stimmt und "Adolf, du kleine Nazisau" ist auch witzig.

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