Samstag, 25. Januar 2020

4.48 Psychose

At 4:48, my happy hour
When clarity visits
Warm darkness
Which soaks my eyes


Ulrich Rasche, 4.48 Psychose, Deutsches Theater.
Drei Stunden ohne Pause. 
Ich bin weg.
Mein rechtes Ohr tut mir weh von der Musik. 
Mein Herz tut mir auch weh.

Was für ein wunderbarer Text.
Ich mag nicht über den Abend sprechen.


Ich hatte Glück, sie 1997 ganz kurz, anläßlich einer Lesung ihres Stückes "Phädra" in der Baracke des Deutschen Theaters, kennenzulernen. Eine zarte Version von Lady Diana, die unbedingt mit dem Rauchen aufhören wollte und mit leiser Stimme das feinste britische Englisch sprach. 
Beim Lesen von "Blasted", an der Stelle als als der Soldat das Zimmer betritt,  hatte ich damals vor Schreck das Buch fallen gelassen. Krieg bei mir, bei uns, hier, jetzt.
Und ich erinnere mich, wie ein Freund "Cleansed" ("Gesäubert"), das gerade herausgekommen war, mitbrachte, wie wir es gemeinsam lasen und bis fünf Uhr früh heiß und beseelt darüber stritten.
Wie sehr bedauerlich für mich, dass ich sicher bin, ihren Texten nicht gerecht werden zu können. Mir fehlen die Bilder, derer sie bedürfen.
 
Was für ein wunderbarer Text.
Ich mag nicht über den Abend sprechen.

Wiki sagt: Der Ausdruck Demut kommt von althochdeutsch diomuoti 'dienstwillig', also eigentlich 'Gesinnung eines Dienenden'. 

Ein ganz und gar konservativer Gedanke: wäre gelegentlich in unserem Beruf, dem des Theater'machers', nicht etwas wie Demut angebracht gegenüber den Ideen, Gedanken, Absichten des Autoren? Ich meine nicht Unterwürfigkeit, aber Anerkennung von großem Talent und Interesse an dessen Absichten? Manche Regisseure, wie z.B. Castorf oder Milo Rau, schreiben ihre eigenen Stücke, da erübrigt sich diese Frage, aber für uns andere ist sie doch möglicherweise interessant. Wie verfahren wir mit Texten anderer? Eigenwillig und liebevoll oder...?
Und noch ein erschreckend altmodischer Gedanke: Ist der Zuschauer unser Freund? Mögen wir ihn? Verachten wir ihn? Wollen wir ihn verführen oder terrorisieren? Ihn interessieren oder belehren?
Als Jan Fabre 24 Stunden "Mount Olympus" präsentierte, erlaubte er mir großzügig ein- und auszusteigen. 
(Immer noch mein größtes Theatererlebnis der letzten Jahre.)
Heute abend: Drei Stunden ohne Pause. 
Ich bin vorher weg.
Mein rechtes Ohr tut mir weh von der Musik. 
Mein Herz tut mir auch weh.

Was für ein wunderbarer Text.
Ich mag nicht über den Abend sprechen.   
Tindersticks 4.48 Psychosis
https://www.youtube.com/watch?v=EenINe14Cp4

But you have friends
What do you offer your friends
To make them so supportive?
What do you offer?

100, 91, 84, 81, 72, 69, 58
44, 37, 38, 42, 21, 28, 12, 7

And hatch opens, stark light
The television talks full of eyes
The spirits of sight
And now I am so afraid

I'm seeing things, I'm hearing things
I don't know who I am
Tongue out, thought stalled
The piecemeal crumple of my mind

Where do I start? Where do I stop?
How do I start? How do I stop?
How do I stop? How do I stop?

At 4:48 when sanity visits
For one hour and twelve minutes
I am in my right mind
When it has passed I shall be gone again

Remember the light
And believe the light
Nothing matters more

Hatch opens, stark light
A table, two chairs and no window
Here am I and there is my body
Dancing on glass

In accident time
Where there are no accidents
You have no choice
The choice comes after

Cut out my tongue
Tear out my hair
Cut off my limbs
But leave my love

I would rather have lost my legs
Pulled out my teeth
Gouged down my eyes
Than lost my love

At 4:48 I shall sleep
What do you offer?

Hatch opens, stark light
And nothing, nothing
See nothing

Still black water as deep as forever
As cold as the sky, as still as my heart
When your voice is gone
I shall freeze in hell

At 4:48, my happy hour
When clarity visits
Warm darkness
Which soaks my eyes

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