Dienstag, 6. März 2018

Nieder mit der Aufklärung - Das Jenseitige

"... jenseits des Verstandes, 
des Hörbaren, 
des Sehbaren"

http://www.deutschlandfunk.de/kritik-an-der-volksbuehne-berlin-theater-ist-kein.691.de.html?dram%3Aarticle_id=412332

Warum, um alles in der Welt, heißt die Frau auch noch Piekenbrock? 
* (Siehe unten "Piepenbrink")
Auch ich habe im Theater schon Abende erlebt, in denen ich Erlebnisse "jenseits meines Verstandes" hatte. Solche der schlimmen Art, an denen ich glaubte blöde zu werden und an meinem Verstand zweifelte. Und, einige wenige, an denen mein Körper reagierte, mein Zentrum, mein Innerstes. Wo ich nachher mehr wußte, als ich vorher je gewußt hatte.
Aber in jedem Fall wurde meine Reaktion durch das ausgelöst, was ich gesehen und gehört hatte. 
Also was soll der kokette Quatsch mit dem "Jenseitigen"? Welcher meiner Sinne soll hier zum Einsatz kommen? Bin ich für die Laboratorien des posthumanen Theaters zu sehr nur menschlich? Zu unsensibel? Zu wenig dies, zu wenig das? 
Ich glaube nicht an ein Jenseits, das Diesseits finde ich schon kompliziert und aufregend genug. Grob gesagt, klingen ihre (Frau Piekenbrocks) Worte wie ausweichender, elitärer Schmampf.

"Für sie (Frau Piekenbrock) ist Theater kein Kriegsschauplatz, in dem Regisseure vor einer Premiere entmündigt werden..." Edel. Aber das Faktum einer erfolglosen Premiere, oder, wenn die Kritiken recht haben, eines Theaterdesaster der übelsten Art, wird dadurch nicht weniger traurig. 

 
Es gibt einen ziemlich alten Witz: Stalin, Chruschtschow und Breschnjew fahren gemeinsam in einem Tatra. Plötzlich hat das Auto eine Panne. Stalin sagt: "Ich kläre das", steigt aus und erschießt den Chauffeur, Chruschtschow schreit auf, steigt ebenfalls auf und haut heftig mit seinem Schuh auf die Motorhaube. ** 
Breschnjew bleibt sitzen, bittet die beiden anderen wieder einzusteigen, zieht die Vorhänge an den Fenstern zu und sagt: "Wir fahren".


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* Piepenbrink. Ich heiße Piepenbrink.

Aus Gustav Freytag "Die Journalisten"  13. Kapitel

Piepenbrink (feierlich). Mein Herr Oberst! – Eine Anzahl Wahlmänner hat uns als eine Deputation zu Ihnen gesandt, um Ihnen gerade heut zu sagen, daß die ganze Stadt Sie für einen höchst respectabeln und braven Mann hält.

Oberst (steif). Ich bin für die gute Meinung verbunden.

Piepenbrink. Da ist nichts Verbindliches bei. Es ist die Wahrheit. Sie sind ein Ehrenmann durch und durch, und es macht Freude, Ihnen das zu sagen; es kann Ihnen nicht unangenehm sein, dies von Ihren Mitbürgern zu hören.

Oberst. Ich habe mich selbst immer für einen Mann von Ehre gehalten, meine Herren.

Piepenbrink. Da haben Sie ganz Recht gehabt. Und Sie haben Ihre brave Gesinnung auch bewiesen. Bei jeder Gelegenheit. Bei Armuth, bei Theuerung, in Vormundschaften, auch bei unserm Schützenfest, überall, wo uns Bürgern ein wohlwollender und guter Mann Freude machte oder nützlich war, da sind Sie voran gewesen. Immer schlicht und treuherzig, ohne schnurrbärtiges Wesen und Hochmuth. Daher kommt es denn, daß wir Sie allgemein lieben und verehren.


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** Chruschtschow und sein Schuh:
http://www.zeit.de/2010/37/Chruschtschows-Schuh

Kommentare:

  1. In dem DLF-Beitrag ist in der Anmoderation von Transhumanismus und Posthumanismus die Rede, von der "Verneinung des Ich-Begriffs", von der Verneinung des Individuums, und das Subjekt sei heute kein Thema mehr. Der Mensch sei nur noch eine "Restgröße". Warum heißt es eigentlich 'Trans'-Humanismus und 'Post'-Humanismus? Verschleiert dieses Neusprech nicht die Inhumanität, die Anti-Humanität dieser Redeweise?

    Politiker aller Couleur, von Schmidt bis Putin, reden von der Notwendigkeit einer umfassenden Digitalisierung Deutschlands. Merkel hatte mal, ich glaube vor vier Jahren kurz nach der damaligen Regierungsbildung, behauptet, es ginge ihr um den Menschen. Wenn das stimmen sollte, dann wohl nur als Restgröße.

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    1. Sorry: Putin spricht selbstverständlich nicht von der Notwendigkeit einer umfassenden Digitalisierung Deutschlands, sondern Rußlands.
      Er wird schon wissen warum.

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  2. Ha! Der alte Witz ist gut, verdammt gut, und bitterböse.
    Über den kunstvoll verblasenen Schwampf, mit dem Marietta Piekenbrock durch ihr Interview wabert, musste ich auch erst mal hart auflachen, dann dachte ich, ist doch gut, wie ihre Sprache die Realitätsausblendung an der Volksbühne demaskiert. Bleibt nur zu wünschen, dass die Berliner Politik endlich die richtigen guten Wörter findet.

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