Sonntag, 22. Oktober 2017

BLADE RUNNER - 2049

Jared Leto ist ein furchtbarer Schauspieler.

An diesem Film ist alles gut und alles richtig, er ist wunderbar langsam, brillant photographiert, gespickt mit klugen Zitaten seines Vorgängers.
An dem Film stimmt nichts, er nimmt sich selbst so ungeheuerlich ernst, dass er mir kaum Raum läßt, das für ihn zu tun.
Wo das Original feucht und stickig und schmuddelig war, zelebriert er eine edle und durchkomponierte Ästhetik des Drecks und der Nässe.
Wo Harrison Ford stoisch und doch zutiefst verstört durch seine Geschichte stolperte, von der er nicht wußte, dass sie eine Tragödie war, breitet Ryan Gosling seine emotionale Tiefe vor uns aus, wie ein edles Fünf-Sterne-Mahl aus Anlass der Apokalypse.
Wo der Soundtrack von Vangelis minimalistisch in den Magen schoß, setzen heute Zimmer & Wallfisch jede Menge Beats obendrauf, damit unser Herz gewiss im gewünschten Rhytmus pocht.
Rutger Hauer starb im Regen, vielleicht hat er geweint, aber es könnten auch nur Regentropfen gewesen sein, jetzt weint jeder Replikant, und sogar die digitalisierte Menschin, mindestens zweimal, um ihre Menschlichkeit zu beweisen.
Es gibt keine Menschen mehr, nur Massen von Kahlköpfigen.
Darryl Hannah war häßlichschön, wild und witzig, die schiefgegangenen Replikantenmodelle in Tyrells Haus kleine traurige Kunstwerke, Edward James Olmos konnte Tiere aus Papier falten. Im "alten" Film von 1982 wollten alle Figuren unbedingt leben, hier träumen sie alle vom Tod.
Joe Turkel als Dr. Eldon Tyrell war ein herzerweichend einsamer Mensch. Jared Leto ist ein furchtbarer Schauspieler.



Für meine ungenaue Unzufriedenheit gibt es viele Gründe. Sicher verliert man seine filmische Unschuld nur einmal, aber es ist nicht nur das. Denn den Untergang der Welt zu fürchten, ist etwas anderes als sich in dieser Angst zu baden. 
1982, ein es war einmal vor der weltweiten Aidsepedemie, vor der Vernetzung aller mit allem, vor der Entwicklung der Motion-Capture-Technik, vor so vielem anderen. 
2017 eine Zeit der allgemeinen Verunsicherung, Verängstigung. Und möglicherweise aber auch eine Zeit der morbiden Lust an der Katastrophe.

Jared Leto ist ein furchtbarer Schauspieler.

Kommentare:

  1. Jared Leto ist ein furchtbarer Schauspieler.


    Nachdem ich das Kino verließ, war ich böse entsetzt, mir ging es ähnlich wie Dir, aber je länger ich darüber nachdachte, war es geanau das, was mich gegen ihn aufbrachte, das mich plötzlich für ihn einnahm. Bis auf Jared Leto, ein furchtbarer Schauspieler.
    Im ganzen Film gibt es keinen Menschen: Ford-Replikant, Gosling-Replikant, Frau in Glaskugel-Replikantin, Träume-Repliken, Film"Musik"-Erinnerungsflächen/rhytmische melodische Motive/keine einzige echte Melodie (bis auf Vangelis-Cover am Ende)...der ganze Film erzählt von Erinnerungen der Replikanten an Erinnerungen...kein Leben mehr vorhanden (und selbst dann, als sich das Leben selbst, in Form einer Blume, in Erinnerung brachte, war es nicht mehr Wert als ein Foto, das als Asservat achtlos verschwand)
    Tote Erinnerung.
    Und Leto.

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