Sonntag, 2. Juli 2017

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

 
Heute mittag bekam ich von einem Polizisten, auf meine Frage, warum die Rosa-Luxemburg-Strasse denn gesperrt sei, die Antwort: "Der Adjutant der Volksbühne hat seinen letzten Tag, da machen die ein Fest." Die Sperrung begann um 6 Uhr früh für eine Party, die um 20.30 Uhr beginnen sollte.
 
Die Volksbühne schmeißt also ein Abschiedsfest und das Berliner Wetter kommentiert. Sommernovember. Es pisst aus Kannen. Was wetterunverwöhnte preußische Fans nicht daran hinderte, in Massen zu erscheinen. Das "OST" wurde bereits weggekrant, das Räuberrad ging auf Tour, noch eine letzte Vorstellung von "Baumeister Solness", eine Rede von Lederer, eine von Frank, die zynisch begann und verzweifelt endete, und nun ist Schluß. Komisch.
 
Im Gebäude meiner Oberschule, der Zweiten Erweiterten Oberschule, dem Grauen Kloster, ist heute die Staatliche Wirtschaftsfachschule für Hotellerie und Gastronomie am Hausvogteiplatz.
 
Mein Kinder-Lieblingskino Camera, verstaubte zunächst im Tacheles und ist nun Teil eine finanziellen Verschiebe-Transaktion, die ich nicht mal im Ansatz durchschauen kann.
 
Mein Heimat-Theater, das Deutsche ist mir heute so fremd wie jedwedes andere Schauspielhaus.
 
Die Wohnung meiner Oma ist ein Museum.
 
Da, wo ich als Kind meine Wochenenden verbrachte, wohnt jetzt ein reicher Westberliner Anwalt.
 
 Meine Lebensverortungen verändern sich bis zur Unkenntlichkeit. Ich bleibe.
C’est la vie - So ist das Leben.
Trotzdem komisch. 
 
Ja. Und ich habe heute geweint.
 
 Castorf, Hübchen & Wuttke sind traurig - Ich bedanke mich für das Photo bei Burkhardt Ritter





Kommentare:

  1. Dies ist ein generell theater-, also kulturfeindliches Land.

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  2. πάντα ῥεῖ.

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  3. ...ja... manchmal auch in den Gulli...

    Und Deutschland ist keineswegs ein "generell theater- und kulturfeindliches Land".
    Die Dichte städtischer und staatlicher Theater im deutschsprachigen Raum ist eine weltweit einzigartige Kulturlandschaft.
    Das Problem ist die Wertschätzung für diese gewachsene Kostbarkeit am Leben zu halten.
    Ob für die Volksbühne diesbezüglich eine sinnvolle Entscheidung getroffen wurde kann nur die Zeit erweisen. Aber ich persönlich halte sie bereits für falsch.

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    1. Ich schließe mich meiner Vorschreiberin an.

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