Mittwoch, 1. März 2017

Die Bibel - Was immer du suchst, du findest es.

Dies sind Bemerkungen einer durch und durch heidnischen Dilettantin, nicht religionswissenschaftlich untermauert, noch sonst irgendwie mehr als persönliche, tief beeindruckte Glossen am Rande. 

Ich lese zur Zeit für ein Projekt das Buch Genesis des Alten Testamentes und zwar ziemlich gründlich, obwohl zugegeben, bei den langen Generationslisten husche ich flotter drüber, aber sonst...
Und es ist ein großes Buch voller unglaublich dichter Geschichten mit harten Brüchen, krassesten Widersprüchen, die geradezu zum Streit aufreizen und zahllosen verblüffenden, nur allzu leicht zu überlesenden Details.

Es gibt eine Werbung für Überraschungseier, in der Kinder mit einem solchen Ei für fünf Minuten allein gelassen werden und ihnen versprochen wird, dass sie, wenn sie es schaffen bis dahin das Ei nicht zu öffnen oder zu essen, ein zweites geschenkt bekämen. 
https://www.youtube.com/watch?v=JhZQNjLBQFQ
Das ist wahrhaft gemein! Und doch nicht viel anders, als das, was Gott, der Herr tut, wenn er Adam sagt, dass er von allen Bäumen des Gartens essen darf, nur vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nicht. Oder? Du darfst überall hingehen, nur nicht ins dreizehnte Zimmer. Was soll man denn machen? Und wenn Adam & Eva tun, was wir alle tun würden, wird er wütend, belegt sie mit einem harten Fluch und schmeißt sie raus, legt ihn vorher aber noch wärmende Felljacken um. 

Er verurteilt alle Lebewesen zum Tode durch Ertrinken, wegen ihrer Gewalttätigkeit, gibt aber ersteinmal genaue Bauanweisungen für das Rettungsboot, wartet die Bauzeit ab und ersäuft dann die ganze Erde mit allem was darauf kreucht und fleucht, die Fische und Wale etc. werden klug nicht erwähnt. Alle verrecken außer Noahs Familie und vorausgewählte Tierpaare und danach hat er die größte vorstellbare Reuekrise. "Nie wieder! Ich schenke euch den Regenbogen."


Edward Hicks, Americaner, 1780 - 1849 – Geboren in Langhorne, Pennsylvania, United States. Gestorben in Newtown, Pennsylvania

Er schließt ständig Bunde und bricht sie, weil die Menschen sind, wie er sie geschaffen hat, ihm ähnlich. Vielleicht zu ähnlich. Das kommt mir bekannt vor.
Ein grandioses Buch. Und man findet Worte für jede Gelegenheit darin:
 
Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. 
Micha 4.3

Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.  
Jesaja 2.4

Aber eben auch:

Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße! der Schwache spreche: Ich bin stark!
Joel 4:10

Wunderbar. Ein Gott für alle Fälle. 

Liebespoesie im Hohelied, jede Menge Kriegsverbrechen, dysfunktionale Familien aller Arten, starke weibliche Heldinnen und patriachalischer Größenwahn, Völkermorde und Beispiele ungeheurer Liebe, alles da, alles in Hingabe an den einen, einzigen Gott. Ich bin Jahwe, und sonst ist keiner da!
Das muß hart sein, in den vielen Vielgötterreligionen haben die Götter Partner zum Streiten, Reden, Lieben. ER ist ganz allein, hat nur uns Menschen als Gegenüber. 

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?

Eine Generation geht, eine andere kommt.
Die Erde steht in Ewigkeit.
Die Sonne, die aufging und wieder unterging,
atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht.
Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind.
Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind.
Alle Flüsse fließen ins Meer,

das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, / kehren sie zurück, um wieder zu entspringen.
Alle Dinge sind rastlos tätig,
kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet,

nie wird ein Ohr vom Hören voll.
Was geschehen ist, wird wieder geschehen,
was man getan hat, wird man wieder tun:

Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Kommentare:

  1. "Gott ist der Name, den Menschen dem geben, was sie nicht verstehen.". Das hat ein Mann gesagt, der auch über einen Goldfisch im Glas gesprochen hat. Der Fisch erfasst das Innenleben seines Aquariums - und für alles ausserhalb hat er eine verzerrte Perspektive. Es ist nicht seine Welt, er kann sie nicht verstehen, er hat SEINE Perspektive und sie ist genau so gültig wie die Perspektive eines Menschen, der auf das Goldfischglas schaut.
    Und dieser Mensch? Worauf kann er nur eine verzerrte Perspektive haben?
    Ja natürlich, der Mann ist Stephen Hawking und in seinem Buch "Der große Entwurf" beschreibt er seine Idee einer Schöpfungsgeschichte. Spoiler... sie kommt ohne Gott aus... benötigt aber bis zu 11 Dimensionen. Dafür bekommt man viele Universen.
    Ganz unangreifbar sind seine Erkenntnisse nicht.
    Ein sich allein durch Naturgesetze erschaffendes Universum lässt uns immer noch mit der Frage zurück ... was war vor Raum und Zeit und Naturgesetzen? War da was? Und was? Und können wir Goldfische das verstehen?
    Und wenn wir es nie können - werden wir immer einen Rest Unverständnis haben, den wir "Gott" nennen?

    Die Bibel sagt, dass es unsere Neugier war, die uns aus dem Paradies vertrieben hat. Eine der großartigsten menschlichen Eigenschaften, wie ich finde.
    Nutzen wir sie seitdem um es wiederzufinden? Nutzen wir sie zur Reise an den Rand des denkbaren auf der Suche nach dem Schöpfer, der uns deswegen 'rausgeschmissen hat? Nutzen wir sie um das, was wir nicht einmal beweisen können, zu widerlegen?

    In diesen Bereichen ist Physik Glaube. Eine Grenzwissenschaft aus Überzeugungen gebaut. Wie alles, für das wir eine Theorie haben, aber keine Beweise. Da sind die beiden Geschwister.

    Allerdings... noch lange kein Grund das alte Buch mit den vielen Verfassern mit Naturwissenschaften zu verwechseln - wie in Amerika teilweise gewünscht.

    Moralisch höher entwickelt ist die Physik. Sie sagt: "Ich weiß es nicht, du könntest auch recht haben.".
    Der Glaube sagt: "Alle anderen sind Heiden und irren... lasst sie uns zurechtweisen!".
    Zurechtweisen... good lord... zurechtweisen der Heiden in fernen Landen... da muss ich echt nicht mehr erklären, warum mir die Naturwissenschaften so lieb sind.

    Und die Sache mit dem Regenbogen... den gibt's sogar doppelt... das ist Physik... eine doppelte Lichtspiegelung in jedem Wassertropfen... passiert das, wenn Gott RICHTIG zerknirscht ist?
    Falls ja, dann wüsste ich gerne... wenn der einfache die Entschuldigung für eine Sintflut war - was bereut er bei einem doppelten Regenbogen? ;)

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    1. In einem gleichen sich der Glaube der Bibel und der Glaube der Physik: beide verlangen von mir, Dinge zu glauben, die ich mit meinem Verstand nicht verstehen kann. Und die Mathematik ist nicht minder dogmatisch als die katholische Kirche.

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  2. Nee, Mathe ist nicht dogmatisch. Sie ist nur unbestreitbar:
    "Was ist fünf mal fünf?"
    "25!"
    "Recht gut gerechnet."
    "Was heisst denn hier 'recht gut'? Besser geht's nicht!"

    oder...

    Mach' Dir mal den Spaß... schreib' ein dreistellige Zahl auf, irgendeine. Wichtig ist nur, dass die erste Zahl größer ist als die zweite und die dritte Zahl kleiner als die zweite.
    Ich nehm' mal 721. Dann drehe die Reihenfolge um: 127. Die ziehe ich jetzt von der 721 ab - macht 594. Die drehe ich wieder um: 495. Und die addiere zu 594.
    Das Ergebnis 1089.
    Und der Punkt ist - es ist immer 1089... egal ob ich mit 321 anfange oder 741 oder 975... es ist wurscht... für alle möglichen Zahlenkombinationen der obigen Beschreibung ist es immer 1089.

    Mathe ist nicht dogmatisch, Mathe hat'n Sockenschuss und hätte mich fast mein Abi gekostet ... aber irgendwie ist Mathe auch ziemlich hinreißend.
    ;)

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    1. Stimmt. Mathe ist nicht dogmatisch. Ich hätte es anders formulieren müssen: der Naturalismus der Naturwissenschaften ist dogmatisch. Und der basiert nunmal auf Mathe. ;-) (bei mir gibt's immer eine Nase im Gesicht)

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  3. Wissenschaften kommt von Wissen. Und so dogmatisch ist Wissen gar... das Wissen weiß, dass es immer nur den derzeitigen Stand wiedergibt. Es sei, denn es ist ideologisch oder religiös gefärbt, dann behauptet es immer allwissend zu sein. Siehe Giordano Bruno & Co.
    Was musste sich Wegener anhören, als ihm auffiel, dass man die Kontinente ziemlich perfekt aneinanderpuzzeln konnte und es deswegen eine Kontinentaldrift geben könnte. Schwimmende Kontinente - HA! Heute nennen wir den Urkontinent Pangea und die Plattentektonik ist Schulstoff.
    Heute fragen wir uns was dunkle Energie ist. Wissen entwickelt sich, es wächst und es weiß, was es noch nicht weiß... weil, was es nicht weiß kann es nicht beweisen.
    Glaube kennt Beweise nicht. Glauben heisst sich entschließen es als Wahrheit anzunehmen - egal, ob irgendjemand erklären kann womit man die Fleischfresser auf der Arche gefüttert hat. Glauben heisst etwas so hinnehmen, wie es schon vor 2000 Jahren angenommen wurde. Es kann sich nicht entwickeln... es ist geschrieben, es ist gültig. DAS ist dogmatisch.

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    1. Wegeners Entdeckung beruhte auf Anschauung. In der Astrologie bzw. Kosmologie haben wir es schon lange nicht mehr mit Anschauung zu tun. Ich habe gerade eine Besprechung zu Raoul Schrotts "Erste Erde Epos" geschrieben, in dem er versucht, das kosmologische Wissen zu veranschaulichen. Wir haben da ein grundsätzliches Problem eines Wissens, das unseren Verstand überschreitet. Ich bin aber nicht bereit, meinen Verstand zu überschreiten. Das hieße nämlich: zu glauben.
      http://erkenntnisethik.blogspot.com/2017/03/raoul-schrott-erste-erde-epos-munchen.html

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  4. Über Deine beiden letzten Sätze habe ich sehr gelacht. Danke Dir - das sit charmant formuliert... und Du hast recht... wir haben in manchen Bereichen einen Wissensstand erreicht, der Fragen aufwirft, deren Antworten mit großer Wahrscheinlichkeit unseren Verstand für immer überschreiten.
    Eigentlich ist das sogar ein großer Konsenz aller, die in der (Astro)physik forschen... dass wir höchst möglicherweise nicht gemacht worden sind jene Zusammenhänge zu verstehen, von denen wir einen Zipfel zu fassen bekommen haben.
    Eines meiner Lieblingsszenarien aus dem Bereich:
    Krabbeln Ameisen über ein aufgeschlagenes Textbuch von "Romeo und Julia".
    Die clevere Ameise stellt fest "Hell und flach!". Die etwas cleverere bemerkt "Fasern... interessant, das war mal Holz!". Die sehr wissbegierige Ameise entdeckt "Hier ist vieles weiß, aber manches schwarz.". Die echt gescheite Ameise findet heraus "Muster! Ich sehe ein Muster!". Die nächstgescheite steuert bei "Dieses Muster wurde mit Farbe aufgebracht!".
    Aber keine von ihnen ist gemacht zu verstehen, dass es ein ausgedrucktes Textbuch ist, dessen Schrift von Menschen erfunden und genutzt wurde ein grandioses Theaterstück aufzuschreiben um es auf eine Bühne zu bringen.
    Sie werden dieses Konzept nie entschlüsseln. Sie werden sich eigene Erklärungen zusammenpuzzeln. Und so machen wir es gerade mit dem Multiversum und der Stringtheorie.
    Und Du hast recht, wir können nichts davon schlüssig beweisen.
    Wir verschreiben uns Überzeugungen - und das ist glauben.
    Aber egal, ob unser Verstand jemals hergibt das zu entschlüsseln... ich mag den Versuch. Denn... wer weiß, wohin uns allein der Versuch bringt? ;-) (mit Nase)

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  5. Was ihr für interessante Gespräche führt. Eine Freude. Danke.

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    1. Einen Blog, auf dem man solche Gespräche führen kann, findet man aber auch nicht oft.

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  6. Stimmt! Bravo, Johanna und allen Lesern/Rednern!

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