Mittwoch, 8. Februar 2017

Ihr solltet euch schämen! Ich mach schon mal den Anfang.

Fast ertrinkend in nächtlichen Rüpel-Tweets des neuen, legasthenischen Präsidenten der U.S.A., den dreisten Bemerkungen von Herrn Kaczyński, geplanten Korruptionsschutzgesetzen in Rumänien, Bildern von akkreditierten Journalisten, die von Marine Le Pens Leibwächtern aus dem Saal gejagt werden, Leibwächtern Trumps, die einen Mann, der unerwünschte Fragen stellt, mit dem Satz, "Geh doch in Dein Land zurück", er ist Amerikaner, rau wegdrängeln, hat mir ein Video von der Einweihung eines Kunstprojektes in Dresden endgültig den Magen umgedreht.  
Für das "Monument" hat der Deutsch-Syrier Manaf Halbouni drei ausrangierte Buswracks hochkant aufgestellt, und das in Sichtweite der Frauenkirche, welch eine unglaubliche Frechheit.  
Die riesige Skulptur soll Teil des Gedenkens an die Dresdner Bombennacht 1945 sein, aber eben auch einen neuen Bezug enthalten: In den Häuserschluchten Aleppos schützten so aufgestellte Busse die Menschen vor Bomben und Granatsplittern. "Hier wurde vor 72 Jahren alles zerstört. Das wurde zwar überwunden, aber der Prozess ist immer noch nicht vorbei. So wie in Aleppo", erklärte der 32-jährige Künstler seinen Ansatz. Manaf Halbouni lebt seit neun Jahren in Dresden, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Syrer, schreibt der STERN. 

VIDEO

Einer gemahnt an die Schrecken von Bombenangriffen und wagt es Dresden 1945 und Aleppo gleichzusetzen, besser in Bezug aufeinander zu stellen, und die empörte Volksseele rast, rastet aus. Habt ihr völlig jedes Mitgefühl verloren? Seid ihr taub und blind für jeden Kummer, wenn es nicht eurer ist? Wer seid ihr? Bin ich, wie ihr? Ohne Scham? Ohne Gehirn? Ohne Anstand?
Schämt euch. Ich schäme mich.

Dresden/Lokales 


Der kluge Herr Shakespeare hat es vor vielen Jahren auf den Punkt gebracht: Im Kaufmann von Venedig, Dritter Aufzug, Erste Szene: 
Und was hat er für Grund! Ich bin ein Jude. Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?

Kommentare:

  1. Was erwartest Du von Menschen, deren Horizont sich auf ihre eigene Welt beschränkt? Was kannst Du von ihnen erwarten?

    Ich würde mir wünschen, dass Menschen solche Bezüge selbst herstellen, selbst fühlen, ihre Gedanken solche Brücken bauen können.
    Aber viele Menschen sind dazu nicht bereit oder nicht fähig oder haben nicht parat, was es brauchen würde das zu tun.
    Kunst wird niemals alle Menschen abholen. Aber es werden mehr, je emotionaler Kunst appelliert.
    Ich entschuldige die hohlen Idioten in keiner Weise ...aber ...diese Installation könnte besser abholen.
    So sehen die Busse in Aleppo aus, wenn sie als Schutzschilde eingesetzt werden:
    http://i.dailymail.co.uk/i/pix/2015/03/17/26A4C41600000578-2997773-Bus_barricade_Three_single_decker_buses_can_be_seen_turned_uprig-a-17_1426556034839.jpg
    Man sieht ihnen die Zerstörung an, die sie aufhalten, sie tragen den Krieg auf sich, wie alles in dieser Stadt. Sie sind ihrer Funktion als Transportmittel sichtbar enthoben. Ihre Funktion ist erkennbar eine Kriegsfunktion geworden.

    Da stehen jetzt drei heile deutsche Busse aufrecht. Mit Lücken dazwischen wie ein Zaun, kein Schutzschild. Sie wirken wie ein absurder digitaler Spezialeffekt in der Wirklichkeit, kühl, vertraut und unverletzt.

    Viele Menschen in Deutschland haben das Privileg Krieg nicht aus eigener Erfahrung zu kennen. Wie symbolisiert man seine Unvorstellbarkeit? Wie kann man sie erlebbar machen?

    Die Busse auf dem Bild statt der deutschen intakten würden emotionaler ansprechen. Es schwerer machen den Krieg zu übersehen. Man könnte sie mit einer optischen Installation ergänzen, sie wie eine Leinwand nutzen für Kontextbilder. Mit Klang abrunden.
    Man könnte sich gezielter nach den dazugehörenden Gefühlen ausstrecken. Und wer weiß, vielleicht würde man es damit viel schwerer machen wegzuschauen, wegzufühlen. Und mehr Menschen abholen.
    Nochmal... ich entschuldige Ignoranz nicht... nie.
    Aber Kunst ist auch Mittler, Vermittler. Und ich würde mir wünschen, dass alle Menschen auf allen Ebenen der Kunst neugierig und wach und gefühlvoll sich mitnehmen lassen - von sich aus. Ist aber wie Weltfrieden, kriegt man nicht hin.

    Die Idee ist genial. Ich wusste nicht einmal, dass dort Busse so genutzt werden. Die Umsetzung hat für mich einige Kritikpunkte.
    Aber selbst wenn man das so macht... flankiert es mit Kontext!!!
    Lasst dort Konzerte stattfinden, tanzt, stellt Fotowände in die Nähe, lest dort meinetwegen nonstop syrische Märchen... packt Menschen.
    Es ist nötig... das sieht man ja.

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    1. Ich versuche mal, unsere krakeelenden Zeitgenossen und auch den beabsichtigten Bezug des Künstlers auszublenden, stelle mir vor, ich würde diese Hochkantbusse einfach so in Dresden entdecken. Wahrscheinlich würde ich erschrecken. Ein Anblick im Widerspruch: ordentlich und wider alle Ordnung, stabil und instabil, gefährdet und gefährlich. Wieviel Erschütterung braucht es, dass diese scheinbare Unversehrtheit umkippt? Mahnung zur Achtsamkeit. Dresden. Deutschland. Welt. Großartig!

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  2. Liebe Silvia! Aber ist es nicht gerade weil die Busse so unversehrt sind, dass das "Monument" so stimmig ist? Wir haben, Gott sei Dank, Frieden, erinnern uns aber an andere Zeiten und sollten deshalb befähigt sein, Mitgefühl zu empfinden? Wir haben Glück, weil unsere Busse nicht zerschossen sind?

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  3. @Ötti
    ... ja, Menschen wie Du fühlen das und fragen sich das. Und Himmel, würde es gut in meine Weltwünsche passen, wenn alle Menschen so denken würden. Aber so viele, so schmerzhaft unerträglich viele können, wollen, machen das einfach nicht.
    Eine Tatsache, die für mich eine der Hauptkanten der Welt darstellt, an der ich mir ständig blaue Flecke hole - weil ich mich daran stoße.

    @Johanna
    Und wie wir Glück haben! Aber mit Glück ist das so eine Sache. Es wird uns deutlicher durch seine Abwesenheit, als durch seine Gegenwart. Ich mache jeden Tag den Wasserkran auf und es fließt jedes Mal sauberes Wasser so viel ich will. Für mich ist das normal, ich denke da selten 'drüber nach.
    Würde ich in der Sahelzone leben oder auch nur im amerikanischen Flint wäre es für mich wie ein kleines Wunder.
    Ich weiß, ich bin auf so vielen Ebenen so unfassbar reich beschenkt und privilegiert. Und ich schätze einen Großteil davon tatsächlich bewusst. Aber nicht alles bewusst. Ich bin trotzdem dankbar für so vieles, das macht mich fühlend.
    Aber was tun Menschen, die finden sie sind unterprivilegiert?
    Dass andere immer mehr haben als sie, immer besser behandelt werden als sie. Die Deplorables hat Hillary Clinton sie mal frustriert genannt. Und die wählen Trump. Und Afd. Weil sich endlich mal jemand um sie kümmern muss. Weil sich ja nie einer um sie kümmert. Weil alle anderen, und besonders die Eliten, schuld sind, dass sie immer übersehen werden.
    Und dann stellen die Eliten da Busse aufrecht hin. Wegen so 'nem Krieg irgendwo. Wir haben eine Flut von Flüchtlingen aufgenommen, reicht das nicht? Gibt auch Armut in unserem Land. Da muss man diese schöne Kirche doch nicht so verschandeln.
    Mitgefühl?
    Johanna, es gibt Menschen, die finden Harz 4 macht sie zu dem bedauernswertesten Geschöpf auf Erden. Die sehen nicht, dass Millionen Amerikaner aus den reichen USA sie darum beneiden würden zum Arzt gehen zu können wann sie wollen. Sie denken so nicht. Sie denken: ich war schon 10 Jahre nicht mehr im Urlaub, das ist nicht fair, anderen fahren.
    Selbstbedauern kann Mitgefühl so vernichten. Und selbst die einfachsten, naheliegensten Gedankengänge verbauen.

    Und jetzt hat Kunst eine Wahl.
    Ich kann denken "Boah, die widern mich an!". Tun sie. Tun sie echt. Ihr denken, ihr handeln, ihr fühlen. Und ich kann das wegschieben. Sie wegschieben.
    Oder ich kann etwas tun, wozu sie nie fähig wären.
    Ich kann mich fragen, wie ich sie kriege.
    Ich werde nie alle erreichen. Niemals. Aber wenn ich nur einen Teil davon erreiche, sie an einem Gefühl kriege, das sie gar nicht haben wollten, wenn ich nur einigen erlebbar machen... oh, verdammt, daher kommen die Flüchtlinge... dann hat es sich gelohnt die emotionale Brücke zur Aufschlüsselung dieser Installationen symbolisch einfacher zu machen.
    Ich will Kunst nicht als Konsum-Mainstream mit Hollywoodmovie-Aspekten. Aber Kunst kann triggern und sogar die dumpfen wehrlos machen.
    Es gibt Schüler, die verstehen die Bedeutung eines Konzentrationslagers auch wenn es leer und friedlich im Sonnenschein besucht wird. Sie haben das Wissen und das Gefühl um es zu ermessen.
    Jenen, die das nicht haben, kann es helfen die Zahl 6.000.000 erlebbar zu machen, wenn sie das sehen.

    http://i1.trekearth.com/photos/89838/_mg_1539.jpg

    Und ja, trotzdem werden manche immer noch lustige Selfies aus Auschwitz posten. Aber vielleicht weniger, als ohne die Kinderschuhe.

    Und nur das meine ich. Diejenigen, die die deutschen Hochkanntbusse übertragen können sind eigentlich nicht jene, die dringend erreicht werden müssen. Sie bringen längst mit, was es braucht zu verstehen was die Bedeutung der Installation ist. Sie werden zusätzlich bereichert um den Ausdruck dessen in der Installation.
    Es geht mir um den Rest.

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    1. Ich glaube Sie machen es sich immer noch zu einfach, mit den Vergleichen: sauberes Wasser und jederzeit zum Arzt gehen und so. Seit etwa zwei bis drei Jahrzehnten nehme ich das wohlfeile Gerede von der Globalisierung zur Kenntnis. Es ging einher mit dem Versprechen, daß es allen besser gehen würde, und mit der Drohung, daß ohne Globalisierung alles nur noch schlimmer werden würde. Dazu gehörten Lobeshymnen auf Bildung und vor allem: "lebenslanges Lernen", und daß jeder flexibel und mobil sein müsse. Für mich hörte sich das schon immer wie eine Gefängnisstrafe an: "lebenslänglich", nämlich im Hamsterrad der Selbstausbeutung und Selbstprostitution.
      Als dann Schröder mit Hartz 4 kam und mit seiner Agenda 20/10, wußte ich sofort, wer die Verlierer sein würden: alle diejenigen nämlich, die bei diesem Wettlauf nach ein bißchen bescheidenem Wohlstand und ein wenig Sicherheit im ständigen Wandel nicht mithalten konnten.
      Ich war damals froh, daß sich "Die Linke" gründete, weil ich die irrwitzige Hoffnung hatte, daß ihre bloße Existenz, weil sie sich um die Globalisierungsverlierer kümmerten, für eine Weile die Rechtsextremen im Zaum halten würde.
      Denn diese Dumpfbacken mag ich überhaupt nicht. Völlig klar.
      Aber die 'Eliten'? Die gehen gerne über Leichen. Das Wort 'Elite' ist selbst schon eine Lüge. Mit dem Wort 'Avantgarde' kann ich schon etwas mehr anfangen. Das ist nicht so abgrenzend und von oben herab. Es hat eher etwas mit 'vorangehen' zu tun. Und die anderen müssen halt mitgenommen werden.
      Wer die kopfstehenden Busse nicht mag, hat sein eigenes ästhetisches Urteil. Das sollte man nicht verächtlich machen. Mit Moral hat das eher weniger zu tun. Haß und Verachtung gibt es schon genug. Auf beiden Seiten.

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  4. Ein eigenes ästhetisches Urteil sei jedem zugebilligt. Vollkommen. Ich kann zum Beispiel ein Holocaustdenkmal schrecklich finden, ohne deswegen die Greul des Holocaust beschönigen zu wollen. Einfach, weil mir das Denkmal nicht gefällt.
    Aber es ist etwas anderes seinen woanders ausgelösten Hass auf eine Installation zu übertragen. Es ist etwas ganz anderes wenn die Einweihung der Installtion gestört wird, bis keine öffentliche Rede mehr möglich ist.
    "Ihr wollt die ganze Zeit für eure Rechte oder für die abendländischen, christlichen Werte kämpfen. Schämt euch, denn ihr macht es nicht. Ihr habt nicht einmal dem Pfarrer erlaubt zu sprechen. Jeder darf hier seine Meinung sagen. Auch ihr. Aber man macht das mit Kultur und man sagt das gesittet."
    (Manaf Halbouni Künstler)
    Quelle: http://www.mdr.de/sachsen/dresden/streit-um-kunstwerk-monument-in-dresden-100.html

    Dem ist nichts hinzuzufügen. DAS ist eben nicht "eigenes ästhetisches Urteil, das ist Hass auf etwas ganz anderes.

    Es gab im Internet Morddrohungen gegen den Oberbürgermeister.

    Quelle: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/dirk-hilbert-verteidigt-mahnmahl-zur-bombardierung-von-dresden-14864118.html

    Nein, das ist kein eigenes ästhetisches Urteil. Hass und Verachtung auf BEIDEN Seiten? Wen von den Protestler hasst man denn, verachtet man denn durch die Installation, wer setzt sich hier in seinem Verhalten ins Unrecht?

    Lassen Sie uns das trennen. Gesellschaftliche Ungerechtigkeit existiert. Aber sie rechtfertigt das hier nicht.
    Wenn man die Übel einer ungerechten Gesellschaft als Grund für alles, für sowas hernehmen darf... und das suggerieren Sie... dann erschafft man eine carte blanche für seinen eigenen Hass.

    Um es deutlich zu sagen... so darf ich mich nicht benehmen... völlig egal wie gerecht oder ungerecht eine Gesellschaft ist. Denn so sorge ich dafür, dass sie noch ungerechter wird ohne dass es mir besser geht.

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    1. Mit allem, was Sie schreiben, bin ich vollkommen einverstanden. Ich habe nur den Eindruck, daß die Gemegelage zwischen dem abzulehnenden Haß und den Morddrohungen und dem Unverständnis derjenigen, die mit den verschiedenen Erscheinungsformen von Kunst nichts anzufangen wissen und die Erfahrung gemacht haben, daß sie immer nur als die 'Dummen' wahrgenommen werden, nicht mehr auseinanderzuhalten ist. Ich bin auch mit den Vorgängen in Dresden nicht vertraut und habe nur den Post von Johanna Schall gelesen. Das Reizwort Hartz 4 hat mich zu meinem Kommentar veranlaßt.

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  5. Die "Dummen" - schauen wir doch mal.

    https://www.youtube.com/watch?v=fXZcGeXcR3k

    Wogegen protestiert man? Auf den Protestschildern steht u.a.:

    "Denkmal der Schande?" Krieg ist eine Schande, da gehört kein Fragezeichen hin. Und deswegen bezieht es sich wohl eher auf eine Höcke-Rede.
    http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/841404/wie-die-afd-mit-nazi-rhetorik-auf-stimmenfang-geht
    Damit eindeutig rechtsradikal gefärbt - ja, dumm.

    "Busse vor's Kanzleramt" Meinetwegen gerne, die Installation kann gerne wandern. Das ist aber nicht gemeint, sondern der Moment, als ein bayerischer Landrat Busse mit syrischen Flüchtlingen zum Kanzleramt schickte als Protest gegen deren Aufnahme.
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/landrat-peter-dreier-schickt-fluechtlinge-per-bus-zu-angela-merkel-a-1072011.html

    Rechtsradikal gefärbt also - ja, dumm.

    Die Menge brüllt "Volksverräter!". Das ist keine Kunstkritik. Das ist Nazijargon. Rechtsradikal - ja, dumm.

    Die Menge brüllt "Schande!". Wieder Höcke-Bezug... rechtsradikal - ja, dumm.

    Die Leute skandieren "Hilbert weg!". Genau, wegen einer Installation sollte man den Oberbürger absetzen - gegen was also richtet sich hier der Hass und Protest? Gegen die Botschaft der Kunst? Die Gestalt der Installation? Kaum.

    Ich bin jetzt bei Minute 1.33 des Videos... erst... und der Oberbürgermeister wird gerade zur Einweihung niedergebrüllt - und ich seh' mir das jetzt nicht weiter an, denn ich glaube, mein Punkt ist bereits deutlich.

    Verstehen Sie, Dummheit ist für mich keine Frage von Einkommen oder Bildung. Ich leite Dummheit von Dumpfheit ab.
    Ich sage nicht, dass Hartz4 eine brillante Lösung ist. Aber sie rechtfertigt auch bei weitem nicht sich ggf. auf diese Weise gegen die Gesellschaft zu wenden.
    Ich sage auch nicht, dass unsere Gesellschaft gerecht ist. Aber was da in Dresden passiert greift keine Ungerechtigkeit an - das ist selbstgerecht, kurzsichtig und ja, dumm.
    Denn der Horizont, durch den dieser Protest möglich wird ist grob minimiert.
    Es hat nichts damit zu tun eine Erscheinungsform von Kunst nicht zu verstehen oder wahrzunehmen. Es hat was damit zu tun Menschlichkeit nicht aufbringen zu können. Und es gibt nichts dümmeres was Menschen sich einfallen lassen können - insbesondere dann, wenn sie sich für sich mehr Menschlichkeit wünschen.

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    1. Wiederum: Ich bin mit jedem Ihrer Worte einverstanden. Und ich habe mir schon das Video, das Johanna Schall gepostet hat, nicht zuende anschauen können, weil mich die Dummheit nervt.
      Aber die Dummheitsunterstellung erklärt nichts. Es ist nur eine Feststellung, die nicht weiterbringt. Die Abwehrhaltung dieser Menschen ist für mich ein Symptom einer Ausgrenzung, die mit dem ganzen System der Globalisierung einhergeht, die vor allem eine kapitalistische Globalisierung ist. Es ist nun einmal so: es gibt so viele Menschen, die nicht mithalten können und zurückbleiben und sich auch noch anhören müssen, daß sie selbst dran schuld sind. Hartz 4 ist ein System der Erniedrigung, der Entwürdigung. Das hat in den letzten 17 Jahren einen Bodensatz aufgewirbelt, der für alle Denkenden und Gebildeten nur schwer erträglich ist.
      Mir geht es nicht um Rechtfertigung. Mir geht es darum, zu verstehen, was gerade überall passiert.
      Und ich hoffe, daß wir am 20. September von einem Durchmarsch der AFD bewahrt bleiben. Die SPD ist glücklicherweise gerade dabei, ihre eigentliche Klientel wiederzuentdecken. Schröder war es, der ihr mit Hatz 4 die Seele geraubt hatte.

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  6. Ich glaube, wir können uns darauf einigen, dass es eine Dummheit gibt, die einfach unser Schulsystem anklagt:

    http://de.webfail.com/810c0418598?tag=ffdt

    Und es gibt eine Dummheit, die Deutungshoheit über Moral und andere Menschen verlangt:

    http://img.diply.com/article-images/a/b938f157-dc69-40b0-bb82-215a1e6c86a7.jpg?impolicy=desktop

    Und letztere ist immer gefährlich.

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    1. Darauf können wir uns einigen. Man müßte vielleicht mal eine Phänomenologie der Dummheit verfassen. Bettina Stangneth hat sich in "Böses Denken" darin versucht.

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  7. Habe gegoogelt und eine Rezension gelesen... das klingt lesenwert.
    Der "Tagesspiegel" subsumiert:
    "Denken allein genügt nicht, nein, es braucht vernünftiges Denken. Vernünftiges Denken allerdings allein reicht auch noch nirgends hin, solange es nicht zugleich ethisches und informiertes Denken ist."

    Das gehe ich mit, das beschreibt, was es braucht.

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    1. Ich habe selbst eine ausfürliche Rezension zu Stangneth geschrieben:
      http://erkenntnisethik.blogspot.com/2016/11/bettina-stangneth-boses-denken-reinbek_15.html

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  8. Mir gefallen die Zitate, die Sie ausgewählt haben. Und mir gefällt, wie Sie persönliche Ansichten klar abgrenzen, ich schätze "saubere" Interpretationen. Und ich mag die persönliche Anmerkung zum 9.November - subjektiv, weil ich ihr natürlich zustimme.

    Darf ich eine Anmerkung machen, die gänzlich inhaltsabgelöst ist? Bei mir erscheint eine blaue Schleife über dem Text. Ein Dekorationselement? Was hat sie für eine Bedeutung? Ich fand sie beim lesen hinderlich. Ihr Text verdient solche Hindernisse nicht. :)

    Eine generelle Anmerkung, heute im SPON gelesen:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/grundschulkinder-intelligenz-schuetzt-vor-falschem-verhalten-nicht-a-1133366.html

    Kinder entwickeln ein moralisches Empfinden losgelöst von ihrer Intelligenz. Ihr Wertesystem ist unabhängig davon. Erst ab dem Jugendlichenalter kann man ein Zusammenhang zwischen Intelligenz, Bildung und Moral ablesen.
    Was dann wohl den Zusammenhang zwischen genereller Förderung und vermittelten Werten dokumentiert.
    Aber ob ein Kind moralisch handelt scheint ausschließlich bestimmt durch die Werte, die ihm vermittelt werden. Werte sind also keine Frage von Intelligenz, sondern von Vorbild.

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    1. Der Anmerkung zur Intelligenz kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich würde sie sogar noch verschärfen: Intelligenz schützt vor Dummheit nicht!
      Die Schleife kann ich leider nicht wegmachen. Sie gehört zu dem vorgefertigten Hintergrundschema, das ich verwende. Und ich bin complutertechnisch zu ungeschickt, um mir was anderes zu basteln. Aber am Ende jedes Posts gibt es ein PDF-Download. Das kann man völlig störungsfrei lesen.
      Herzlichen Dank für die Rückmeldung.
      Danke auch an Johanna Schall, die unserer Diskussions gastfreiheit gegeben hat.

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  9. Mal etwas einfach schönes... zum ausspannnen und genießen... heute Nacht ist Weltraumspektakel...

    https://www.bluewin.ch/de/leben/lifestyle/redaktion/2017/17-02/schneemond-mondfinsternis-komet.html

    Ich habe mein Teleskop schon aufgebaut... ich betone, dass es nicht das irrwitzig tollste ist, aber immer noch Klassen besser als das von Galileo Galilei. Jedes Mal, wenn man es ein bißchen zu sehr berührt ist man am Himmel eine riesige Distanz weiter... man muss sehr sehr zart sein. Wie der Kerl mit seinem Teleskop Jupiters große Monde gefunden hat ist mir ein Rätsel. Er muss sehr ruhige Hände gehabt haben... und viel Neugier und unendliche Geduld.
    Für den Kometen braucht man mindestens ein Fernglas. Man findet ihn am Morgen rechts unter dem Sternbild Herkules.
    Wer sich fragt, wie man das findet...
    http://www.stellarium.org/de/
    (Free und für Mac, Windows und Linux verfügbar)

    Den Mond aber kann man zwischendurch genießen... wie eine kleine Abendpraline. Seine teilweise Finsternis hat schon begonnen, Spätschläfer bekommen immer mehr von ihr zu sehen - aber er tut dem Herzen eigentlich immer gut.
    Und wenn man mal eine Auszeit von der Erde braucht... und ich verstehe jeden, der die benötigt... look up... unser Lebensraum ist so viel größer.

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