Dienstag, 14. Februar 2017

FÜNF STERNE - Ein Film über Freundschaft & Tod

FÜNF STERNE
FIVE STARS
Ein Dokumentarfilm von Annekatrin Hendel
Schnitt Rune Schweitzer


Vorweg, ich habe heute einen ungewöhnlichen, spannenden, verstörenden Dokumentar-Spielfilm gesehen. Er wird im Rahmen der Berlinale noch dreimal gezeigt: 
am 14. 2. 14:30 Uhr im Cinestar 7,
am 15. 2. 14:30 Uhr im Colosseum 1
und am 17. 2. 17:00 Uhr im Cinestar 7.


Fünf Sterne hat das Hotel an der Ostsee, in das Annekatrin Hendel und Ines Rastig sich im Januar 2016 einquartieren. Seit 33 Jahren sind die beiden Frauen befreundet. Das 36 Quadratmeter große Zimmer, das sie sich während ihres Urlaubs teilen, verlassen die beiden während ihres Aufenthalts am Meer nur selten. Stattdessen reden sie. Vor zwei Monaten hatte Ines Rastig die Diagnose erhalten, dass sie Lungenkrebs hat. moviepilot

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Hat Gewalt vom höchsten Gott,
Heut wetzt er das Messer,
Es schneidt schon viel besser...


Ich grüble. Ein Film einer klugen, warmen Frau über eine Freundin, von der sie weiß, dass sie bald sterben wird. Entstanden als Experiment und doch jetzt zu sehen als vollständiger Film. Diese Tatsachen erzeugen fast unerträgliche Intimität, aber sie setzen mich, als Zuschauer, der Ines Rastig nicht kannte, auch ungeheuer unter Druck. Die Heldin wird von der Filmemacherin geliebt und sie ist schwer krank, alles was geschieht, gesagt wird, jeder Blick, jede Zigarette, die geraucht wird, sehe ich unter diesen Vorzeichen. Ich erlebe Ausschnitte dieser intensiven vier Wochen, durchlebt von zwei Freundinnen und bin unfrei in meinen Reaktionen, denn ich weiß, hier hat der Tod das letzte Wort. Eigenartige Situation.



Der Film wurde in einem Hotel in Ahrenshoop gedreht. Die Besitzer vergeben ein Stipendium für Schriftsteller, das einen kostenlosen Aufenthalt im Fünf Sterne Hotel "The Grand" einschließt. Hut ab vor Daniela & Oliver Schmidt.
http://the-grand.de/de/

Kommentare:

  1. Ich habe diese Vorstellung, dass wir unser Leben durch was wir tun und was wir geben, in andere Leben hineinpflanzen. Im schlechten und im guten.
    Wenn unsere Existenz aufhört, dann bleibt in anderen Menschen, was wir ihnen gegeben haben. Und vielleicht gehört im guten dazu etwas, das widerum sie anderen geben, weil sie es selber erhalten haben und nicht geben könnten, wenn wir es ihnen nicht geschenkt hätten.
    Das ist meine Vorstellung davon, wie wir länger bleiben als wir sind.
    Annekatrin Hendel hat einen zusätzlichen Weg gefunden einen Menschen bleibend zu machen. Ihn anderen erlebbar zu machen. Und wer weiß, was dieser Mensch, durch ihren Film, jetzt an die Menschen weitergibt, die im Kino sitzen.
    Das ist wunderschön.
    Wir sind nicht unsterblich. Aber wir sind - länger als unser Leben.

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