Mittwoch, 14. Dezember 2016

Keiner findet sich schön - Ich mich auch nicht

Ihr bemerkt vielleicht, ich gebe mir gerade die volle Dosis Kultur. War schon lang nicht mehr so lang hintereinander in Berlin und bin ein bisschen wie auf Großstadtdroge.
Heute Pollesch, morgen Kino, übermorgen Musical in Neu-Koelln. Hui!

heute back ich morgen brau ich übermorgen hol ich der königin ihr kind


Fabian Hinrichs wandert & palavert. Tut er das? 

Eine "Rest-Zeit-Story" über die Unwägbarkeiten jeder getroffenen und vermiedenen Entscheidung, über das Altwerden, die Liebessehnsucht und den Liebesschmerz, die banalster Kitsch wäre, wenn der Text nicht so präzise mäandern würde, Hinrichs nicht so schön sprechsänge. Er erinnert mich ein wenig an Eberhard Esche, wenn den noch jemand erinnert. Und das tut er scheinbar unterspannt und privat, aber trotzdem ist in dem Riesenkasten Volksbühne jedes Wort zu hören. Und weil die Jüngeren im Saal kichern, als wären sie erwischt worden.

 
So weit so gut. Es wäre ein toller 45 Minuten Abend geworden auf Bert Neumanns amerikanischer Zirkusbühne, und dann haben sie ihn auf die üblichen, höflichen 75 Minuten gestreckt. Zu den Stripes auf dem Bühnenboden treten die Stars in Form einer sportlichen Tanzgruppe auf und tanzen Bob Fosse, was sie nicht gut können, aber auch nicht schlecht genug, um komisch zu sein. Ich hätte auch den Angst-Teddybären nicht gebraucht.

Eberhard Esche "Der Hase im Rausch" 
https://www.youtube.com/watch?v=ZG8DlGEnjoE  

Gutes Zitat aus der Nachtkritik von Wolfgang Behrens: Wo nur Zufälle sind, klagt hier einer ein Schicksal ein. Das Leben fächere sich auf, so heißt es einmal, "in zwei bis hin zu 120.000 Stränge, mit insgesamt 80.000 (unterschiedlichen) Enden." Und später, kurz vor Schluss, erfolgt die Antwort auf diese Zumutung: "Weißt Du, ich brauche diese ganzen Stränge nicht. Ich brauche eigentlich nur einen Strang! Ich will Dich! Ich will nicht meinen Weg, ich will auch nicht unseren Weg, ich will Deinen Weg."

Kommentare:

  1. Morgen Kino?
    Oh ich bin so sicher, dass Du dorthin gehst wo ich gerade herkomme... so sicher!

    AntwortenLöschen
  2. Wäre logisch, ist aber "Arrival". Der ANDERE folgt baldmöglichst.

    AntwortenLöschen
  3. Das ist eine absolut exzellente Wahl, die Du fraglos nicht bereuen wirst.
    Aber der ANDERE ist ein bißchen wie ein vertrautes Restaurant betreten und das Kindheitslieblingsgericht bestellen... wenn der Koch gewechselt hat, aber das Rezept gleich geblieben ist.
    Es schmeckt etwas anders... aber es ist immer noch soooo lecker!

    AntwortenLöschen