Dienstag, 1. November 2016

Guy Ritchie - Rhythm & Film

GUY RITCHIE
 

1998: Bube, Dame, König, grAS (Lock, Stock & Two Smoking Barrels)
2000: Snatch – Schweine und Diamanten (Snatch.)
2002: Stürmische Liebe 
(Swept Away)
2005: Revolver
2008: Rock N Rolla (RocknRolla)
2009: Sherlock Holmes
2011: Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (Sherlock Holmes: A Game of Shadows)
2015: Codename U.N.C.L.E. (The Man from U.N.C.L.E.)


Die eher knappe Filmographie des Mannes, der seine Frau Madge zu nennen pflegte.

Jason Statham Benicio Del Torro Vinnie Jones Brad Pitt Mark Strong Ray Liotta Clive Owen Tom Hardy Gerard Butler Tom Wilkinson Idris Elba Robert Downey jr. Jude Law Henry Cavill Armie Hammer Hugh Grant Sylvester Groth


Er macht Männerfilme. Filme mit Männern. Filme über Männer. Er heißt ja auch 'Guy'! (Guy = Kerl, Macker, Mann)

'Swept Away' verbuche ich unter liebesblindem Ausrutscher und ignoriere ihn.

Kriminelle der unteren Ränge, mit nicht viel mehr als Charme und Hoffnung bewaffnet, haben einen coolen Plan, es gibt einen großen Boss, der viel böser & ruchloser ist, der Plan gerät in die Katastrophe abzurutschen, es sieht nach sicherem, schrecklichen Untergang aus. Dann folgt mit scharfem Dreh die Rettung, das Happy End. 
Die maskuline Variante der romantischen Komödie. Frauen sind vorhanden, aber bleiben mysteriös. Der Ton ist proletarisch mit Ausflügen in grimmige Poesie. 
Die Liebe spielt eine große Rolle, die Liebe zwischen Freunden, die Liebe zwischen Männern. Wobei die hinreißende, tiefe Verliebtheit von Tom Hardy in RocknRolla eher die Ausnahme von der Regel ist.


Ritchie ist ein Schnittkünstler. Montagen, harte Überblendungen, Verlangsamungen, krasse Beschleunigungen, Hip-Hop Rhythmen. Die Action Sequencen sind wild und elegant choreographiert, viel Körpereinsatz, viel Gewalt, die aber immer Witz und Theatralik behalten und nicht ins sadistisch Sinnlose verfallen. Um entscheidende Szenen abzusetzen, Rückblenden, Zuspitzungen, gibt er ihnen spezifische Färbungen. Die Charaktere der Figuren sind immer erinnerbar, nicht einschichtig, platt. Ich kann sie begreifen.

Er erzählt seine Filme, wie ein intelligentes, phantasiebegabtes Kind Geschichten erzählt, nicht chronologisch, er hakt sich an faszinierenden Details fest, dann schlägt er einen Haken, findet Verlinkungen verblüffender Art, serviert Gleichzeitigkeiten. Ich muß aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren. Das mag ich. Er ist witzig. Das mag ich auch.

Er macht Filme über Männer, die auch Frauen gerne sehen. 

P.S. And now for something completely different: "Die Geträumten" ein Film für Leute, die sich für Celan und Bachmann, lange, langsame Einstellungen und das wunderbare Gesicht von Anja Plaschg interessieren. 

Kommentare:

  1. Ich zögere stets mit seinen Werken... dabei schaue ich, das ist jetzt ein Eingeständnis, regelmäßig Zeugs auf DMAX, ich kann also Machwerke von Männern für Männer eigentlich gut ab.
    Grund für die Zögerlichkeit ist, dass ich mit zwei Filmen von ihm angefangen hab' die eine Passion von mir berühren - und daneben gegangen sind... die Sherlock Holmes Filme.
    Und ich kann nicht mal genau sagen wieso. Das Produktionsdesign ist an Steampunk angelehnt, das mag ich. Die Darsteller sind hochkarätig.
    Gute Actionfilme... aber Thema total verfehlt.
    Meinem Empfinden nach, weil Ritchei die Figuren nicht versteht und an ihrem Wesen Änderungen vorgenommen hat, die ihm gefallen... aber mir nicht.
    Die beiden Protagonisten kommen seltsam leichtfüßig daher, kommen in Abenteuerbedrängnisse, von denen man vorhersehen kann, dass sie sie clever und kampfeslustig werden lösen können, während sie sich durch die Handlung kalauern. Dabei bleiben sie stets edel und der dunklen Seite fern.
    Das stimmt so alles nicht, so hat Conan Doyle sie nicht angelegt.
    Sherlock Holmes ist eine zutiefst zerrissene Figur, deren erstaunliche Fähigkeiten und Charaktereigenschaften eine massive Kehrseite von Schwierigkeiten produziert. Er ist ein didaktischer Logik-Savant, dessen Begabungen ihn immer wieder auf Kollisionskurs mit seiner Umwelt und sich selbst bringen. Ein Supergeek auf Speed mit manisch depressiven Zügen.
    Ritchie macht aus ihm einen Abenteuerhelden à la Jules Verne. Das geht schief. Und das geht besser.

    Erinnere Dich mal an die Szene aus SHERLOCK, kurz bevor Holmes vom Dach springt, Moriarty ihm verächtlich gelangweilt vorwirft "You are on the side of the angels." und Holmes ihn packt und antwortet "I may be on the side of the angels - but don't think for one second that I am one of them.".
    Ein winziger Dialog und bezeichnend für die gesamte Serie... obwohl sie den Sprung in die Gegenwart unternimmt und die Originalgeschichten nur sehr sehr locker als Drehbuchvorlage verwendet - die kennen ihren Sherlock Homes und zwar so, wie er von seinem Schöpfer angelegt wurde.
    Und deswegen dürfen sie mit ihm auch ganz neue Wege gehen, weil sie von den Original-Fußstapfen ausgehen.
    Und über die ist Ritchie leider mit einer Dampfwalze gebügelt.

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  2. Haste Recht, auch wenn sie unterhaltsam sind. Aber RockNRolla und Snatch z.B. sind anders, finde ich. Trauriger.

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  3. Sie sind unterhaltsam, das stimmt... einen hab' ich erst vor kurzem wieder im Fernsehen gesehen... eine echt gute 20.15h-Wahl. Man muss nur vergessen, dass es um Sherlock Holmes geht... ich hab' ihn dann eher so betrachtet wie ein Ironman-Prequel.
    Ich bin wirklich sehr "picky" mit Holmes-Interpretationen, kein guter Ritchie-Start, aber Du hast mich neugierig gemacht auf seine anderen Filme.

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