Freitag, 1. April 2016

Wiedereinmal Fernsehserien, wieder keine deutsche dabei.

Keine Serie, aber der Ableger einer solchen:
Sherlock Holmes - Die Braut des Grauens, ein übermütiges, absurdes, wagemutiges Verwirrspiel (BBC) für Cumberbitches und Freeman-Lovers und alle die Moffat und Gatiss, den Schreibern, fast nichts übelnehmen können, weil Doktor Who unmöglich und doch vorhanden ist, weil sie billig produzierten Science Fiction in Vergnügen verwandelten und ganz nebenbei Captain Jack Harkness erfanden. Ob es wohl wirklich je eine dritte Staffel von "Sherlock" geben wird?

The Night Manager, ein Spionagethriller nach einem Roman von John le Carré  (Amazon Prime, iTunes & BBC 1), die Regisseurin ist Susanne Bier (Nach der Hochzeit), es spielen unter anderem Hugh Laurie und Tom Hiddleston und die ganz wunderbare, völlig alle Hollywooderwartungen unterlaufende Olivia Colman (Broadchurch).

London Spy, eine tragische Liebesgeschichte verwoben mit politischen Intrigendrama (BBC 2), mit Ben Wishaw und Jim Broadbent und vielen anderen.

Bosch, ein zurückhaltender, stilsicherer, harter, klassischer Krimi (Amazon Prime), nach drei Romanen von Michael Connelly, mit Titus Weliver als Detektiv Bosch.

Nix Weltbewegendes, Seelenerschütterndes, aber auf unterschiedliche Weise exzellent gemachte Unterhaltung. Das Serienformat erlaubt es, sich Zeit zu nehmen für die Figuren, Seitensträngen Platz zu lassen, nicht zu hetzen, Details einzuflechten. Die Spieler müssen nicht alles auf einmal erzählen, Variationen, Veränderungen, Widersprüchlichkeiten sind möglich. Nicht jetzt, aber später, vielleicht. 
Und trotz des scheinbar ruhigen Erzähltempos entsteht selten der Eindruck von selbstgerechter Bequemlichkeit, übermäßigem Nachdruck. Ein spezieller Erzählstil kann sich in Ruhe entwickeln, durch Farb-Entscheidungen, Bildausschnitte, Dialogkomposition, Schnittentscheidungen ...
Die Macher tun, was was sie tun mit Überzeugung, aber ohne offensichtliche abstoßende Besserwisserei. "Wir erzählen euch eine Geschichte, so spannend, interessant, überraschend, wie wir es nur können." Manches geht schief. Gelegentlich zuviel Stil und zu wenig Story. Aber ernsthaft unternommene Mißgeschicke machen mich nicht wütend. 
Einige der Helden sind traurig, einige sind wütend, einige schwul, einige romantisch, aber nichts davon drängt sich in den Vordergrund, es bleibt Teil der zu erzählenden Geschichte und ist kein "Problem" an und für sich. Das rechte Waageverhältnis von Spannung und Absichten ist sicher ein diffiziles Ding. Eitelkeiten töten die Zuneigung zu den Figuren, zu wenig Liebe für die Charaktere läßt mich draußen im Kalten stehen.
Letztendlich scheint es mir, als ob der Unterschied im Grad des glaubwürdigen Mitteilungsbedürfnisses liegt. "Ich will euch etwas erzählen, von dem ihr wissen solltet." Bestätige ich mich und meine Überzeugung nur selbst oder unterhalte ich mich, mit allen Möglichkeiten des Mißverständnisses, mit Anderen, mit euch, den Zuschauern?
Ich möchte angesprochen werden, gemeint sein. Im Theater, im Kino, im Fernsehen. Wenn ich mich an euch wende, will ich eine Reaktion spüren. 
Mama erzähl mir eine Gute-Nacht-Geschichte. 

Kommentare:

  1. War das nicht ein gelungenes Sherlock-Special... ich habe es geliebt und mich hinreißend amüsiert... auch wenn sich einige düstere Aspekte ankündigen... großartig... wie die Halloween-Specials der "Simpsons"... wo die Figuren alles dürfen, inklusive hopsgehen und in der nächsten Folge sind sie wieder quicklebendig.
    Ja, ich bin Sherlock Holmes Fan seit frühster Jugend und Cumberbatch-Fan (obwohl die Serie insgesamt fantastisch besetzt ist!), aber wofür ich die Serie echt heiss und innig liebe sind die Drehbücher. Die ist einfach toll geschrieben. Und ja... die nächste Staffel ist in Arbeit... das Vergnügen geht weiter!

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  2. Erzählerische Chuzpe und anarchische Schauspieler, die ihr Handwerk beherrschen, besser geht's nicht

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  3. Night Manager ist gut, aber Hugh Laurie wird für mich immer Dr. House bleiben - leider.

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  4. Das verstehe ich. Im Original hilft, dass sein Akzent und sein Tonfall ein ganz anderer ist, very British.

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