Freitag, 15. Januar 2016

Die Wahrheit liegt zwischendrin


Between the idea
And the reality
Between the motion
And the act
Falls the Shadow


Zwischen die Idee
Und die Wirklichkeit
Zwischen die Bewegung
und die Handlung
Fällt der Schatten.  
T.S. Eliot The Hollow Man

Oder, wie es Ionesco formuliert, einfacher und banaler: 
Die Wahrheit liegt zwischendrin.

Eugene Ionesco "Die Kahle Sängerin"

Da schreibe ich einen klitzekleinen Text über einen speziellen Aspekt der Völkermischung, die Berlin bewohnt, über den Punkt, wo sie für mich bereichernd ist, vergnüglich, nicht so langweilig, wie es lauter ungestörte deutschstämmige deutschsprechende Deutsche auf einem Haufen es wären, aber die Worte haben wenig Chance gehört zu werden, weil man sich lieber über Dystopien, Zukunftsängste und die Fehlbarkeit des Sozialstaates streiten möchte. Das ist wie in unseren Filmen, lieber nicht eine, wenn auch feine Geschichte erzählen, sondern sicherstellen, dass der Zuschauende etwas lernt und zwar etwas, das der Macher besser weiß, als der imaginierte Konsumierende.

Für mich macht die Möglichkeit Splitter, Unsicherheiten, Ausschnitte, Details, Absurditäten, Beobachtungen ohne Anspruch auf endgültige Weisheit, geschweige denn auf ideologisch-politische Auswertbarkeit zu notieren, einen Großteil des Vergnügens aus, hier zu schreiben. Ich bin meist verwirrt, irritiert, einer, meiner Sache nicht sicher - und von diesem schwankenden Boden aus, versuche ich, zu berichten. Das Ding heißt ja Theaterliebe und nicht Theatertheorie.

Was zwingt uns, immer auf ein Entweder-Oder zu bestehen? Warum nicht lieber Sowohl-Als auch? Unsere verflixte Welt läßt sich einfach nicht ordentlich in Schwarz und Weiß unterteilen. Selbst die simple Entscheidung zwischen Tee und Kaffee schließt unzählige Zwischenmöglichkeiten ein, Tee ohne Teein, entkaffeenierter Kaffee (ein Paradox?), Kaffee mit, Kaffee ohne, Tee mit Milch, Zitrone, Vanille etc.
Nicht, dass ich mich zu bestimmten Themen nicht festlegen will. O nein. Rassismus ist Dreck. Homophobie, Frauenverachtung, Ausbeutung von Kindern, überhaupt asoziale Gier nicht minder. Dogmatismus, Terror, Folter, Ignoranz, Stalinismus, Faschismus, Antisemitismus und und und.
ABER, zum Beispiel, mein Verhältnis zum jüdischen Staat Israel, ist äußerst ambivalent. Als sekularer Jude verstehe ich die Sehnsucht nach Sicherheit, Nichtverfolgtsein, Herr des eigenen Schicksals zu sein, aBER diese Sehnsucht haben halt Palästinenser auch. Und wenn wir, "wir" meint hier "wir Juden", Mist bauen, möchte ich das auch als solches benennen können, ohne abrupt und übergangslos zum jüdischen Antisemiten voll Selbsthass erklärt zu werden. 
Und genau da liegt mein Problem. Sagt mir, ich schreibe, denke, fühle dummes Zeug. Betrüblich aber, da ich mich hier öffentlich äußere, erwartet und entsprechend. Aber reduziert, das was ich erzähle nicht auf vereinfachende Formeln, Ja und Neins, eben Entweder-Oders.
Wenn ich so klare, sichere Ansichten hätte, würde ich gar nicht schreiben müssen. 



Kaffee oder Tee?

Teein und Koffein

Der Unterschied von Teein und Koffein und detaillierte Informationen zur Wirkung der anregenden Substanzen. Das in Tee enthaltene Koffein wird oft als Teein bezeichnet. Die unterschiedliche Bezeichnung legt nahe, dass sich im Tee eine andere anregende Substanz als im Kaffee befindet. Allerdings ist Koffein und Teein aus chemischer Sicht völlig identisch. Allerdings ist das Koffein im Tee stärker an andere Stoffe gebunden, was eine verzögerte und sanftere Wirkung zur Folge. Als Folge sind Trinker von Tee weniger nervös als Kaffeetrinker, der Effekt des Koffeins tritt mitunter später ein und hält länger an.


http://koffein.com/teein.html

Kommentare:

  1. Wenn Du klare Ansichten hättest, dann wärst Du in der Politik... als schlechte Politikerin. Schlechte Politiker/innen haben immer eine ganz klare Meinung. Bis sie sich ändert und eine andere klare Meinung wird.
    Ich glaube, dass unser Gehirn evolutionär auf Effizienz getrimmt wurde. Mehr, als auf Differenzierung. Könnte sich als Fehlkonstruktion erweisen, langfristig. Macht kurzfristig aber Sinn. Unser Gehirn hamstert Beurteilungen und archiviert sie als Referenz. Darauf zurückzugreifen minimiert den Aufwand und verschnellert das denken. Alle optischen Täuschungen basieren darauf, dass unser Gehirn auf falsche Referenzen zurückgreift. Sein Trieb in Marslandschaften und Wolkenformationen bekanntes zu erspähen basiert auf dem Instinkt sich blitzschnell orientieren zu wollen. Ein Zusammenspiel aus Sicherheit, Schnelligkeit und Faulheit...hm, Effizienz.
    Es liegt erst mal gar nicht in seiner Natur Grauzonen zu schätzen. Sie sind arbeitsintensiv, lösungsarm, unvertraut und erfordern beständige Neujustierung. Das ist anstrengend und ein Zugewinn dieser Mühe ist nicht garantiert.
    Bei Computern unterscheiden wir binäre Computer und Quantencomputer. Die ersten kennen JA und NEIN, der Quantencomputer kennt auch ein JEP, NÖ, JAIN, VIELLEICHT, EVENTUELL... er hat Überlagerungszustände. Unser Gehirn ist weit mehr als binär, aber es kriegt Zustände, wenn sich zuviel überlagert. :)
    Deswegen habe ich den Verdacht, dass unser Gehirn manchmal ein freiwilliges Downgrade macht und obwohl es anders könnte nimmt es dann schwarz/weiß.
    Ich halte die Evolution aber auch für cleverer als ihre Kinder und wir haben etwas mitbekommen, etwas sehr buntes, um diese schwarz/weiß Ödnis auszuhebeln - die Neugier. Sie bewirkt, dass uns Schachbrettmuster oft nicht reichen... und dadurch fangen wir an mehr zu fragen, mehr zu denken und besser zu verstehen.

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  2. Danke. Ich fühle mich verstanden. Klingt pathetisch, ist aber einfach und direkt gemeint. Danke.

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