Samstag, 14. Februar 2015

Friedrich Nietzsche - Die Krähen schrei'n und ziehen schwirren Flugs zur Stadt- Irrsinn!


Der Freigeist
Abschied

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du, Narr,
Vor Winters in die Welt – entflohn?

Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer Das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg', Vogel, schnarr'
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! –
Versteck' du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n –
Weh dem, der keine Heimat hat! 

Friedrich Nietzsche



Kommentare:

  1. Ups, die Krähe ist wohl ein Rabe. Sorry.

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  2. Im Winter ist meine Geliebte
    ein Baum unter Bäumen und lädt
    die glückverlassenen Krähen
    ein in ihr schönes Geäst. Sie weiß,
    dass der Wind, wenn es dämmert,
    ihr starres, mit Reif besetztes
    Abendkleid hebt und mich heimjagt.

    Ingeborg Bachmann
    ( eine Strophe aus "Nebelland", in "Anrufung des Großen Bären" )

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