Dienstag, 2. Dezember 2014

Kuddelmuddel, Kladderadatsch & Krimskrams


Ich war heute Abend im Theater.

Unsere Sprache hat so viele schöne Wörter für das, was nicht zu Ende gedacht wurde und darum schiefgegangen ist, oder viel wollte und nicht genug konnte oder einfach mittendrin aufgehört hat oder von der Bahn abgekommen ist und die Ziellinie verpasst hat oder einfach nicht lange genug eingekocht, bedacht wurde. All diese Pläne, Lebenssituationen, Theaterabende, Gespräche, Beziehungen, die in bester Absicht begonnen, hoffnungslos durcheinander geraten, ihre Mitte verlieren und fast schon nicht mehr erkennbar, als wildes Gemisch von gut, soso und schlecht; schön, öde und häßlich; zerrissen, zerrupft und zermatscht in der Welt stehen und nicht wissen, wie sie so geworden sind. 

Gut die Hälfte meines eigenen Lebens fühlt sich an wie: 

Kuddelmuddel zum Beispiel stammt aus dem Niederdeutschen oder aus Pommern, woher auch immer, wurden zwei sich reimende Begriffe  vermengt, und zwar koddeln, d.h. sich schlecht waschen und der Modder, der das schlecht gewaschene nochmal mit Schmutz bewirft.

In dem grünen Kuddelmuddel
Sitzt ein Aas mit einer Buddel
Grünem Schnaps. Grünem Schnaps.
Sitzt ein Aas mit einer Buddel und Herzklaps.
Und Herzklaps.

Bertolt Brecht Über den Schnapsgenuß

Kladderadatsch ist ein lautmalerisches Wort aus "Klatschen", "Ratschen", "Krachen", "Klirren". Für seine Verbreitung sorgte der Name eines 1848 gegründeten satirischen deutschen Wochenblattes.

 „Damenwahl am 19. Januar“
Am 19. Januar 1919 konnten Frauen in Deutschland 
erstmals auf nationaler Ebene ihr Wahlrecht nutzen.

Gematsche Gemansche & Gepansche sind selbsterklärend für jeden, der mal im Matsch gemanscht & gepanscht hat.

Tohuwabohu ist ein hebräisches Lehnwort aus der Bibel, Buch Moses 1.1. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. & 2. Und die Erde war wüst und leer , das heißt in hebräisch tohu vavohu. Manche übersetzen es auch mit Irrsal und Wirrsal, was mir noch besser gefällt.

Quatsch mit Soße ist wahrscheinlich ein guter Verhörer von Quatsch nicht krause oder red keinen Blödsinn.

Mischmasch. Das Wort ist eine Reduplikation, Ablautdoppelung des Wortstamms von mischen aus dem 16./17. Jahrhundert. (Wiktionary) Noch früher sagte man Mischmesche.

Glaubt nicht, daß ich fasele, daß ich dichte;
Seht hin und findet mir andre Gestalt!
Es ist die ganze Kirchengeschichte
Mischmasch von Irrtum und von Gewalt.

Johann Wolfgang von Goethe Sag, was enthält die Kirchengeschichte?


Wirrwarr kommt laut Pauls Deutschem Wörterbuch in allen drei Geschlechtern vor. Merkwürdigerweise ist man/frau/es oft verwirrt, aber nicht wirrt, genauso wie wir manchmal unwirsch aber nie wirsch sein können.

Sammelsurium. Der Duden beschreibt die Etymologie dieses Wortes so: mit lateinischer Endung scherzhaft gebildet zu niederdeutsch sammelsūr = sauer angemachtes Gericht aus gesammelten Speiseresten, 2. Bestandteil Substantivierung von niederdeutsch sūr = sauer und eigentlich = das Saure

Kommentare:

  1. www. geo.de:

    Wie bei Hempels unterm Sofa

    Lea Hilberath hat uns eine deutsche Redewendung geschickt, die sie schon öfters gehört hat: "Hier sieht es ja aus wie bei Hempels unterm Sofa.“ GEOlino.de ist der Herkunft dieser Redensart nachgegangen:

    Wenn jemand sagt, dass es in einem Zimmer aussehe "wie bei Hempels unterm Sofa", dann ist damit gemeint, dass sich das Zimmer in heilloser Unordnung und Chaos befindet. Aber wer sind diese "Hempels"? So genau weiß das keiner, denn die Herkunft der Redewendung ist nicht eindeutig geklärt. Es scheint sich aber nicht um eine real existierende Familie mit dem Namen "Hempel" gehandelt zu haben, die die Redewendung prägte.

    Fest steht, dass "Hempel" sich aus dem Wort "Hampel" herleitet, womit man früher einen einfältigen und unkultivierten Menschen bezeichnete. Dieser Begriff war schon zu Zeiten Martin Luthers (1483-1546) bekannt. Erst im 20. Jahrhundert verbreitete sich dann die Redewendung von "Hempels Sofa". In manchen Gegenden sagt man übrigens auch "bei Hempels unterm Bett". Nicht zuletzt der deutsche Liedermacher Reinhard Mey verhalf diesem Ausdruck zu Bekanntheit, als er 1991 ein Lied mit dem Titel "Wie bei Hempels unterm Bett" schrieb.

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  2. GEMATSCHE
    In Mecklenburg sagt man mit gestülpten Lippen GULLEGATSCHE, wenn die weiche Pampe so richtig schön zwischen den nackten Zehen hochquillt oder durch die zur Faust geballten Finger glitscht und spritzt.

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  3. Aus Leipzig kenne ich noch Gogelmosch
    Gogelmosch bezeichnet ein Durcheinander, dessen Ziel nicht gleich zu erkennen ist. Das kann eine Bastelarbeit sein, eine nicht zu durchschauende Bauanleitung oder das Chaos auf einem Schreibtisch. “Mussde dänn der Schrang unbedingd von IGEA sein? Isch gomm hier nisch glar dadermid. Das wird ä eends´scher Gogelmoosch”. http://dive-4eyes.com/Dialekt.html

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  4. Krickelkrakel. Gesummse. Mischmasch. Nachkriegsjargon: als hätte ne Bombe eingeschlagen.

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