Donnerstag, 13. November 2014

Antigone 6 - Antigone & Interstellar


Vorgestern war ich im Kino und habe mir "Interstellar" angesehen, den neuen Film von Christopher Nolan. Ein langer Film, aber nicht langweilig. Äußerst verwickelt, nur manchmal spürt man die Anstrengung der Konstruktion und man erkennt die Quellen. "2001" und "Gravity", "Contact" lassen grüßen. Alles nicht schlimm, nur bemerkbar. 
Und dann, in der großen Wiederbegegnung von Vater und Tochter am Ende des Films, stammelt die im Sterben liegende, durch die Verzerrungen der Raumzeitlinie nun älter als der Vater seiende Tochter, den ultimaten, sentimentalen, alle bisher behauptete Psychologie wegwischenden Satz: (nicht wörtlich) "Ich habe gegen alle Widerstände an Dich geglaubt und alles Schwere ertragen, weil Du, mein lieber Papa, versprochen hast, zurückzukommen." Zum einen reduziert sich damit die Aussage des ganzen Films auf die simple Botschaft "Love is all you need", zum anderen habe ich genau in diesem Moment gewußt, warum ich mit dem Stückschluß von "Antigone" so uneins war. Dank dafür an Christopher Nolan!


KREON:
 Das wollt ich nicht. Ich wollt es nicht.
Ich wollt es nicht! Ach,
Alles gleitet aus der Hand mir,
Und ich bin nichts mehr, nichts als nichts.

In der letzten Szene von "Antigone" stottert Kreon, der Tyrann, diese berührenden letzte Worte. Er hat, ohne wirklich zu verstehen warum, alle verloren, die er liebte. Grauenhaft. Wir können uns der Rührung nicht erwehren. Auch Diktatoren sind Menschen und verdienen unser Mitgefühl. Mensch ist Mensch. What the fuck! Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber seine Opfer bleiben tot. Sein Leid erleichtert ihr Leiden nicht und gleicht es auch nicht aus. Zorn ohne Rachedurst, das wäre ideal, ist aber nicht immer möglich.


http://www.willisms.com/archives/saddamhussein.jpg


KREON:

Doch kein Erbarmen lass ich walten bei dem Neffen,
Polyneikes! , der mit fremder Heeresmacht,
Mit Schwert und Feuer vernichten wollte unsere Stadt!
Zur Äsung für die Geier und die Hunde hingeworfen,
soll sein Leichnam faulen in der Sonne!
Denn rücksichtslos straft König Kreon jeden,
Der Schaden zufügt dieser Stadt, und sei’s
Ein Blutsverwandter, sei’s mein eigner Sohn.
Vor dem Gesetz sind alle gleich.

http://www.romania-insider.com/wp-content/uploads/2013/09/executie-ceausescu-evz.jpgCeaucescu und seine Ehefrau bei ihrer Exekution


Kommentare:

  1. Wie dem auch sei: Es ist gut diese Bilder nochmal zuj vergegenwärtigen!

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  2. Menschen haben ein Bedürfnis nach Auflösung. Nach guten verknoteten Geschichten... aber sie müssen sich auflösen in etwas, das man nachvollziehen und vorallem gutheißen kann.
    Kreon sollte nicht verstehen... er sollte beharren, sich vom über ihn hereinbrechenden Leid ungerecht behandelt fühlen, seine Weltorientierung verlieren und wahnsinnig werden... in Ödipus Kellerkerker geschmissen werden, von wo aus er weiter Beschlüsse und Regeln erlässt, denen keiner mehr Beachtung schenkt. DAS fände ich spannend. Selbsterkenntnis, bekehrt werden durch das Schicksal?
    Was wenn er in "Interstellar" zurückgekommen wäre und seine Tochter wäre längst gestorben? Und er ginge auf einen Friedhof, an ihren Grabstein und liest darauf "Ich hoffe was du mein Leben lang getan hast war wichtiger.". Close up auf sein Gesicht, Futter für die Mimik vom Schauspieler, Abblende.
    Ich hatte gerade Beckett Premiere. Beckett versöhnt nicht. Aber er zeigt den Zauber des scheiterns, die Menschlichkeit des scheiterns, das verbessern des scheiterns durch kleine Erkenntnisse, das bessere scheitern... er erlöst nicht davon. Er lässt seine Figuren einfach nur auf immer rafinierterem höherem Niveau scheitern... DAS finde ich faszinierend.

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