Sonntag, 19. Oktober 2014

The Little Shop of Horrors - Der Kleine Horrorladen


Eines der schlimmsten Dinge, die du tun kannst, ist, mit einem kleinen Budget einen Film machen zu wollen, der irgendwie groß aussieht. Auf die Art endest du mit sehr schlechter Arbeit.


One of the worst things you can do is have a limited budget and try to do some big looking film. That's when you end up with very bad work.

Roger Corman
Das gilt auch für Musicals!
--------------------------------------------------------------------------------------
Heute Abend habe ich "Der Kleine Horrorladen" im Theater Heilbronn besucht, sorgsam in Szene gesetzt von Jasper Brandis & mit Begeisterung und unterschiedlichst ausgebildeten Stimmen dargeboten von den Schauspielern des Heilbronner Ensembles, ein gutes Musical ohne trainierte Musical Darsteller, vielleicht nicht perfekt gesungen, aber dafür ernsthaft und lustvoll angeboten, genau so, wie ich es mag.
 
 Die außerirdische Pflanze - Feed me!

Ein Musical ist ein Musical ist ein Musical ist ein Musical, um Gertrud Steins Gedichtszeile grob falsch zu zitieren & genau das ist, was ich heute Abend gesehen, gehört und genossen habe. 
Musicals mag man, oder mag sie eben nicht. Meine Mutter, die von Herrn Hitler & friends gezwungen wurde, einen Großteil ihrer Kindheit & Jugend in Los Angeles aka Hollywood zuzubringen, hat mich früh & voll Liebe mit Musicals genährt. Ich kannte schon mit zwölf die unterschiedlichen Stile von Gene Kelly & Fred Astaire & und auch den Einfluss, den ihre verschiedenenen Tanzpartnerinnen auf sie hatten. Cyd Charisse macht Astaire angestrengt kunstvoll, während er sich mit Ginger Rogers, der ewigen Jungfrau, zu leichtsinniger Erotik verführen ließ.  "42nd Street", "Kiss me Kate", "Chicago" & "West Side Story" habe ich mehr als einmal gesehen. Später habe ich dann im Eigenstudium weitergemacht, "Jesus Christ", "Godspell", Stephen Sondheims Meisterwerke &, allerdings nie wirklich begeistert, Andrew Lloyd Webbers Großproduktionen. Auch "Wicked" in New York, "Frühlingserwachen" als Musical ebenda , "Bloodbrothers" in London & "König der Löwen in Hamburg. 
Ich mag gut gemachte Musicals! Gut, es ist gesagt. 
Musik verkürzt den Reaktionsweg, denke ich, ohne den Umweg über das Gehirn, trifft sie, wenn es funktioniert, direkt den Bauch & erzeugt Gefühle. Im schlechten Fall, die allgemeinen, wabberigen, im besten wache und wachmachende.
Heute Abend wurde ich amüsiert. Kein existentielles Erlebnis, aber ich & 600 Schwaben hatten für heute Abend gute Laune.

Das Lied Skid Row aus der Verfilmung des Musicals von 1986
http://www.youtube.com/watch?v=1xPq6W1EoIc

Die Vorlage: "Der Kleine Horrorladen" 1960 mit dem Arbeitstitel "Der Leidenschaftliche Menschenesser" von Roger Corman wurde
in einer Nacht geschrieben, in zwei Tagen & einer Nacht gedreht & ist eine der erfolgreichsten Billigproduktionen überhaupt. DerFilm, ursprünglich in Schwarz/Weiß gedreht, wurde später koloriert.
http://www.youtube.com/watch?v=UhSP0ldQnuk

Roger Corman: ein leidenschaftlicher B-Picture Produzent & Regisseur, hat verblüffend vielen jungen & später enorm erfolgreichen Regisseuren & Schauspielern ihre ersten Arbeitschancen geboten, zum Beispiel: Ron Howard, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Peter Bogdanovich, Jonathan Demme, Curtis Hanson, James Cameron Peter Fonda, Bruce Dern, Dennis Hopper, Rober De Niro & Jack Nicholson.


Die Augen! Die Augen! Es ist alles schon da und in völliger Unschuld!

Die mit Abstand beste Szene aus dem Film: ein blutjunger Jack Nicholson als masochistischer Zahnarztpatient.
http://www.youtube.com/watch?v=RAli9a8bbys

Kommentare:

  1. Mireille Adieu schrieb:

    Und übrigens, du sagst den wichtigen Satz: ohne musicaltrainierte Darsteller! Das Bedarf sicher noch eingehenderer Definition, weil die Kunst, spielen UND singen UND tanzen oder Musical zu machen zwei verschiedene Dinge sind so wie zwei Planeten in unterschiedlichen Galaxien. Und ich glaube, dass es in Deutschland auch immer noch m.E. ehrenrührig ist, als Schauspieler beim singen nicht brechtig rhythmisch zu rufen. Da wachsen aber glücklicherweise auch neue Generationen heran. Sondheim ist nicht so dein Fall, sagst du. Ich mag, dass man seinen Liedern anhört, dass er sie für den Sänger so schreibt, dass sie sängerisch, singbar, geschmeidig sind, dass man in sie hineinschlüpfen kann wie in einen bequemen Handschuh. Und schönstes Beispiel da für absolut untypische Musicaldarsteller: Sweeney Todd mit Helena Bonham Carter, so ungesungen gesungen, und Johnny Depp. Das rührt mich immer wieder.

    Johanna Schall

    @Mireille: Webber ist nicht so mein Fall, seit alle seine Songs irgendwie ähnlich klingen! Sondheim liebe ich!

    http://aussietheatre.com.au/blogs/erin-james/best-way-start-concert#.VENliOePZbT

    AntwortenLöschen
  2. Mireille Adieu

    Oh, hab ich mich verlesen!
    Mich langweilt Webber auch ziemlich.

    Armin Gröpler

    Da Webber heute aber die Musical- Bühnen dominiert, geht damit eine Geschmacksvewirrung des Publikums einher, die ich schon als 'gefährlich' empfinde. (Man könnte das genauer untersuchen, warum das so ist und findet alleine bei der Behandlung des musikalischen Materials genug Gründe.) Dennoch: Die Webber- Fans wachsen wie Pilze aus der Erde!

    Anne Mechling-Stier

    Ein amerikanischer Musicaldarsteller sagte mal, dass Webber der Tod des Musicals ist. Des Musicals, das offenbar alle bisherigen Kommentatoren hier schätzen! Ich auch!

    AntwortenLöschen