Mittwoch, 22. Oktober 2014

Die Distel - schön stachelig


Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Barbara Regina Dietzsch 
1706-1783
Malerin und Zeichnerin 
aus Nürnberg


 Stachel-Eselsdistel mit Insekten  

DIE DISTEL

Du bist als wie ein Distelkraut,
Das sticht den, der es bricht,
Und wer da Blumen pflücken geht,
Die Distel nimmt er nicht.

Was hilft die schönste Blume mir,
Kann sie nicht werden mein,
Was hilft das schönste Mädchen mir,
Schlaf ich des Nachts allein.

Ein Mädchen, das nicht lieben will,
Kein einer nach ihr sieht,
Es steht da wie ein Distelkraut,
Das ungepflückt verblüht.

Ein Mädchen, das kein Lieben kennt,
Das bleibt die Nacht allein,
Die eine Nacht, die andre Nacht,
Im dustren Kämmerlein.

Hermann Löns  
1866-1914

Nach nur knapp einem Monat Kriegsdienst fiel Hermann Löns im September 1914, 
vermutlich durch Herz- oder Kopfschuss, bei seinem ersten Sturmangriff 
gegen französische Truppen.
Wiki 

Kurzer interessanter Artikel über den umstrittenen "Heimatdichter":

Mariendistel

DISTELN


Gegen die Gummizungen der Kühe und die hackenden Hände der Menschen
Zerspießen Disteln die Sommerluft
Oder öffnen sich berstend unter blauschwarzem Druck.
Jede ein rachsüchtiger Ausbruch
Von Auferstehung, eine Hand, im Griff
Zersplitterte Waffen und isländischen Frost, empor getrieben
Aus dem unterirdischen Schmutzfleck eines verfaulenden Wikingers.
Sie sind wie blasses Haar und mundartliche Kehllaute.
Jede erzeugt eine Fahne von Blut.
Dann wachsen sie wie Männer.
Niedergemäht, es ist ein Krieg. Ihre Söhne erscheinen,
Waffengepanzert, weiterkämpfend um den selben Grund.

 
THISTLES

Against the rubber tongues of cows and the hoeing hands of men


Thistles spike the summer air

Or crackle open under a blue-black pressure.
Every one a revengeful burst


Of resurrection, a grasped fistful

Of splintered weapons and Icelandic frost thrust up
From the underground stain of a decayed Viking.


They are like pale hair and the gutturals of dialects.

Every one manages a plume of blood.
Then they grow grey like men.


Mown down, it is a feud. Their sons appear,

Stiff with weapons, fighting back over the same ground.



Ted Hughes Wodwo 1967
Linearübersetzung: ich

--------------------------------------------------------------

 Und zu Adam sprach er: Dieweil du hast gehorcht der Stimme deines Weibes 
und hast gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: Du sollst 
nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst 
du dich darauf nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, 
und sollst das Kraut auf dem Felde essen.
Moses 3/17
 

Kommentare:

  1. Die Bilder sind schön und fein - und wirken auch bedrohlich.
    Eine Diestel ein Jahr stehenlassen, heißt sieben Jahre Arbeit - sagen die Bauern in Brandenburg. Verdiesteln nennen sie den Vorgang, wenn eine ungemähte Sommerblumenwiese schnell zum ausdauernden Diestelacker wird.

    Das Gedicht ist stark!


    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Distel - nicht Diestel !
      Merke grad, wenn ich's kurz spreche, stachelt's schärfer.

      Löschen