Dienstag, 23. September 2014

Der IKS-Haken oder Catch 22 - Joseph Heller 1961


Es war nur ein Haken dabei, und das war der IKS-Haken
There was only one catch and that was Catch-22


Ich verabscheue Kriegsfilme und Kriegsbücher, irgendwann kriecht immer der Heroismus der Kämpfenden ins Spektakel und versauert mir das Ansehen. Heldentum macht mir Angst. Krieg ist gräßlich. Punkt. Ich bin in der glücklichen Lage, noch nie einen am eigenen Leibe erlebt haben zu müssen. Aber selbst lächerliche Bühnenschüsse machen mir Angst, ich will sehr alt und dabei unversehrt, in meinem Bett sterben. Krieg ist gräßlich. Punkt.
Aber, oder besser, darum gibt es für mich vier Ausnahmen, Kriegsfilme, bzw. Bücher über den Krieg, die den Krieg, als genau das beschreiben, weshalb ich ihn hasse: Wege zum Ruhm von Stanley Kubrick, Im Westen nichts Neues nach dem Roman von Erich Maria Remarque, Der Aufstieg in der Regie der viel zu früh verstorbenen Larissa Schepitko und eben den IKS-Haken oder wie das Buch, das die Vorlage lieferte, im Original heißt: Catch 22. 

  
Der Held des Buches/Filmes, Yossarian, will raus aus dem Krieg, er ist Flieger, beim Truppenarzt beschreibt er seine schreckliche Angst bei den Einsätzen, doch der Arzt versichert ihm, dass es normal ist, Angst zu haben und erst, wenn er keine Angst mehr hat, also bleiben will, könnte man ihn ausmustern.
Das ist der IKS-Haken oder der Catch 22.

Wiki sagt, ein Catch 22 ist eine paradoxe Situation, der ein Individuum nicht entkommt, weil die Regeln sich widersprechen.
A catch-22 is a paradoxical situation from which an individual cannot escape because of contradictory rules.  


Ein "catch" ist ein Dilemma, eine Zwickmühle, ein unlösbares Problem, eines bei dem alle Lösungen nur schlechte sein können.
Das ist der Haken, da hängts, daran scheiterts. 

Joseph Heller Der IKS Haken 


„Heißt das, daß die Sache einen Haken hat?“ „Klar hat sie einen Haken“, erwiderte Doc Da-
neeka. „Den IKS-Haken. Wer den Wunsch hat, sich vom Fronteinsatz zu drücken, kann nicht ver- rückt sein.“
Es war nur ein Haken bei der Sache, und das war der IKS-Haken. IKS besagte, daß die Sorge um die eigene Sicherheit angesichts realer, unmit- telbarer Gefahr als Beweis für fehlerloses Funktio- nieren des Gehirns zu werten sei. Orr war ver- rückt und konnte fluguntauglich geschrieben werden. Er brauchte nichts weiter zu tun, als ein entsprechendes Gesuch zu machen; tat er dies aber, so galt er nicht länger mehr als verrückt und würde weitere Einsätze fliegen müssen. Orr wäre verrückt, wenn er noch weitere Einsätze flöge, und bei Verstand, wenn er das ablehnte, doch wenn er bei Verstand war, mußte er eben fliegen. Flog er diese Einsätze, so war er verrückt und brauchte nicht zu fliegen; weigerte er sich aber zu fliegen, so mußte er für geistig gesund gelten und war daher verpflichtet zu fliegen. Die unübertreff- liche Schlichtheit dieser Klausel der IKS beein- druckte Yossarian zutiefst, und er stieß einen be- wundernden Pfiff aus. 


Joseph Heller Catch 22

"You mean there's a catch?"
"Sure there's a catch", Doc Daneeka replied. "Catch-22. Anyone who wants to get out of combat duty isn't really crazy."
There was only one catch and that was Catch-22, which specified that a concern for one's own safety in the face of dangers that were real and immediate was the process of a rational mind. Orr was crazy and could be grounded. All he had to do was ask; and as soon as he did, he would no longer be crazy and would have to fly more missions. Orr would be crazy to fly more missions and sane if he didn't, but if he was sane, he had to fly them. If he flew them, he was crazy and didn't have to; but if he didn't want to, he was sane and had to. Yossarian was moved very deeply by the absolute simplicity of this clause of Catch-22 and let out a respectful whistle.
  

Joseph Heller Der IKS Haken

 „Freu dich, dass du am Leben bist.“
„Sei wütend darüber, dass du sterben musst.“ „Das Leben könnte viel schlimmer sein!“ rief
sie.
„Es könnte aber auch viel besser sein“, versicherte er hitzig.
„Du nennst immer nur einen Grund“, nörgelte
sie. „Du hast aber gesagt, du könntest zwei anführen.“
„Und erzähl mir nicht, dass Gott im verborgenen arbeitet“, fuhr Yossarian fort und überrannte ihren Einwurf. „Von verborgen kann keine Rede sein. Er arbeitet nämlich überhaupt nicht. Er spielt. Oder hat uns vergessen. Jedenfalls der Gott, von dem
Leute wie du reden – der ist ein Bauerntölpel, ein ungeschickter, tolpatschiger, hirnloser, arroganter, ungeschliffener Jockel. Lieber Himmel, kann man denn Ehrfurcht vor einem höchsten Wesen empfinden, das es für nötig hält, Dinge wie eine verschleimte Kehle und Zahnverfall in seine göttliche Schöpfung aufzunehmen? Was ging denn eigentlich in jenem verbildeten, bösartigen, verstopften Hirn vor, als er die alten Leute der Fähigkeit beraubte, die Schließmuskeln zu kontrollieren? Warum, zum Teufel, hat er überhaupt den Schmerz geschaffen?“
„Schmerz?“ Leutnant Schittkopps Frau stürzte sich triumphierend auf dieses Wort. „Der Schmerz ist ein sehr nützliches Symptom. Der Schmerz warnt uns vor Gefahren, die dem Körper drohen.“
„Und wer hat diese Gefahren geschaffen?“ verlangte Yossarian zu wissen. Er lachte höhnisch. „O ja, er war wirklich barmherzig, als er uns mit dem Schmerz beschenkt hat! Warum konnte er sich zu unserer Warnung nicht einer Klingel bedienen oder eines seiner himmlischen Chöre? Oder auch eines Systems von blauen und roten Neonleuchten, die alle Menschen mitten auf der Stirn tra- gen? Jeder Fabrikant von Musikautomaten, der sein Geld wert ist, hätte sich das ausdenken können. Warum also nicht er?“
„Die Menschen würden recht blöde aussehen, wenn sie mit roten Neonleuchten auf der Stirn he- rumliefen.“
„Sehen Sie denn schön aus, wenn sie sich in Schmerzen winden oder von Morphium betäubt
daliegen? Was für ein kolossaler, unsterblicher Pfuscher! Denk doch nur, welche Gelegenheit und welche Macht er hatte, etwas wirklich Herrliches zu schaffen, und sieh nur, was für einen stupiden, hässlichen Brei er stattdessen angerührt hat. Sei- ne Unfähigkeit ist geradezu erschütternd. Es liegt auf der Hand, daß er nie Löhne zu zahlen gehabt hat. Kein Geschäftsmann mit Selbstachtung würde einen Pfuscher wie ihn je einstellen, nicht einmal als Adressenschreiber!“
Leutnant Schittkopps Frau war wachsbleich geworden und starrte Yossarian erschreckt und ungläubig an. „Rede lieber nicht so von ihm, Schatz“, tadelte sie ihn leise und feindselig. „Er bestraft dich vielleicht dafür.“
„Straft er mich denn nicht schon genug?“ schnaufte Yossarian wütend. „Man darf ihm das einfach nicht durchgehen lassen. Nein, man darf ihm nicht all den Kummer durchgehen lassen, den er über uns gebracht hat. Eines Tages soll er mir dafür zahlen. Ich weiß auch schon wann. Am Tage des Jüngsten Gerichtes. Jawohl, das ist der Tag, an dem ich ihm endlich so nahe kommen werde, dass ich diesen kleinen Jockel beim Schlips packen und...“
„Hör auf! Hör auf!“ kreischte Leutnant Schittkopps Frau plötzlich und hämmerte, ohne Schaden anzurichten, mit beiden Fäusten auf Yossarians Kopf los. „Hör auf!“
Yossarian ging hinter seinem Arm in Deckung und ließ sie noch einige Sekunden ihre weibliche Wut an ihm austoben, dann packte er entschlossen ihre Handgelenke und zwang sie aufs Bett. „Worüber regst du dich eigentlich so auf, zum Teufel?“ fragte er verwundert und reuig amüsiert. „Ich dachte, du glaubtest nicht an Gott.“
„Tu ich auch nicht“, schluchzte sie und brach heftig in Tränen aus. „Aber der Gott, an den ich nicht glaube, ist ein gütiger Gott, ein gerechter Gott, ein barmherziger Gott. Er ist nicht der gemeine und törichte Gott, als den du ihn hinstellst.“



Joseph Heller Catch 22

"And don't tell me God works in mysterious ways," Yossarian continued, hurtling over her objections. "There's nothing so mysterious about it. He's not working at all. He's playing or else He's forgotten all about us. That's the kind of God you people talk about—a country bumpkin, a clumsy, bungling, brainless, conceited, uncouth hayseed. Good God, how much reverence can you have for a Supreme Being who finds it necessary to include such phenomena as phlegm and tooth decay in His divine system of creation? What in the world was running through that warped, evil, scatological mind of His when He robbed old people of the power to control their bowel movements? Why in the world did he ever create pain? ... Oh, He was really being charitable to us when He gave us pain! [to warn us of danger] Why couldn't He have used a doorbell instead to notify us, or one of His celestial choirs? Or a system of blue-and-red neon tubes right in the middle of each person's forehead. Any jukebox manufacturer worth his salt could have done that. Why couldn't He? ... What a colossal, immortal blunderer! When you consider the opportunity and power He had to really do a job, and then look at the stupid, ugly little mess He made of it instead, His sheer incompetence is almost staggering. ..."

 

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