Sonntag, 18. Mai 2014

Frauen lesen.


Ich lese, gern und viel und, wenn nicht berufsbedingt fokussiert, meist völlig ziellos. 
Wenn auf der Toilette nichts anderes zu finden ist, lese ich halt die Texte auf der Zahnpastatube. In der Bahn lese ich "Die Zeit", mindestens einmal pro Monat "Die Bildzeitung" von vorn bis hinten, Kriminalromane mit Serienmördern und ohne, Sachbücher aller Art, Theaterstücke, wenn ich muß, Gedichte immer, Fanartikel über meine jeweilige momentane Lieblingsserie, jetzt ist es gerade Game of Thrones, Romane in akuten Schüben, dann wochenlang überhaupt nicht, Science Fiction ohne Sternenkriege, die Vanity Fair US und alles, was mir in Arztpraxen, Hotelfoyers, Freundes-Regalen und zufällig ins Auge gefallenen Zeitungrezensionen unter die wirr wählenden Augen kommt. Große Teile der Weltliteratur fehlen völlig, aber dafür kenne ich nahezu alles von Dorothy Sayers, Shakespeare, Gott & seinen Co-Autoren und alle Bände Winnetou, Heidi, dem Herrn Der Ringe, der Foundation Trilogie, Grimms Märchen, Courts-Mahler (O Graus!), und unzählige Bücher, die kein Mensch braucht und die mir irgendwie passiert sind. Warum bin ich so unfähig, gezielt zu lesen? Es liest mit mir. Es hat auch nicht wirklich mit Bildungshunger zu tun. Wenn mich das Thema "Pest" packt, lese ich einfach alles, was mir dazu in die Hände fällt, von Camus & Defoe bis zu obskuren Internetartikeln über Ausgrabungen in Londoner Friedhöfen.
Binge Eating ist eine Essstörung, bei der es zu periodischen Fressanfällen mit Verlust der Kontrolle über das Essverhalten kommt. Könnte ich also an Binge Reading leiden? 
Es ist drei Uhr nachts, die Probe beginnt um Zehn, aber ohne ein paar Seiten Mord & Todschlag oder einem Gedicht oder was auch immer, kann ich nicht einschlafen, selbst wenn meine Augen sich schon kreuzen. 

"Lesesucht, die Sucht, d.h. die unmäßige, ungeregelte auf Kosten anderer nöthiger Beschäftigungen befriedigte Begierde zu lesen, sich durch Bücherlesen zu vergnügen." Joachim Heinrich Campe

Lesen im engeren Sinn bedeutet, schriftlich niedergelegte, sprachlich formulierte Gedanken aufzunehmen und zu verstehen, schreibt Wiki. Und das lateinische legere = „sammeln“, „auswählen“, „lesen“ findet sich in den deutschen Fremd- und Lehnwörtern Lektüre, Lektor und Legende.

Hans-Werner Hunziker, (2006) Im Auge des Lesers: foveale und periphere Wahrnehmung - vom Buchstabieren zur Lesefreude, Transmedia, Stäubli Verlag Zürich 2006 ISBN 978-3-7266-0068-6 nach daten des Statistischen Bundesamtes, Zweigstelle Bonn, Zeitbudgeterhebung 2001/02.

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Lesendes Mädchen
Gustav Adolph Hennig 1828


Mädchen die "Post" lesend
Norman Rockwell 1941


Portrait Helen Gow
Alexander Mann 1853–1908


Frau in Grau 
Louis le Brocquy 1939

Kommentare:

  1. Wir hebelten an der alten, aus Latten genagelten Eingangstür und verschafften uns Einlass. Zur linken Seite des Wohnhauses stand ein Konglomerat aus einer Remise und alten Schuppen, hinter denen sich uns der Anblick eines verwilderten Gartens bot. Rechter Hand fanden wir eine Tür zum Haus, die unverschlossen war. Ein altes Stallgebäude und am Wohnhaus angebaut ein längliches ausladendes Gebäude, das sich später als ehemaliger Tanzsaal entpuppte.
    Die Ecke, die sich zwischen Wohnhaus und Tanzsaal ergab, war an der Hausseite mit Knöterich nahezu überdacht und darunter standen Gartenstühle und Kneipentische, auf denen Aschebecher mit Kippen und Tassen mit Kaffesatz standen.
    Also Leben!

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  2. Geht mir ähnlich. Ich lese alles - wenn auch nicht unbedingt bis zum Ende. Ich habe immer ein Buch dabei. Es gibt so viele interessante Themen und Ansichten. E-book und Smartphone bereiten mir aber nicht diesen Genuß beim Lesen.Es muß Papier sein. Nur dann kann ich drin versinken.

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