Montag, 2. Dezember 2013

Dulce et Decorum est



Süß und ehrenvoll ist's, für’s Vaterland zu sterben.


Gasangriff

Dulce et Decorum est

Zusammengekrümmt wie alte Bettler unter Säcken,
X-beinig, hustend wie alte Weiber, fluchten wir durch Schlamm,
Bis wir uns von den geisternden Flammen abwandten
Und begannen unserer fernen Ruhe entgegen zu trotten.
Männer marschierten schlafend. Viele hatten ihre Stiefel verloren
Doch hinkten weiter, blutbeschuht. Alle lahmten, alle blind,
Trunken an Erschöpfung, taub selbst für das Gejohle
Der enttäuschten Granaten, die hinten fielen.


GAS! Gas! Schnell, Jungs! - ein ekstatisches Gefummel,
Die plumpen Helme noch rechtzeitig aufsetzen.
Aber irgendjemand schrie noch auf und taumelte
  Und zappelte wie ein Mensch in Feuer oder Ätzkalk.
Undeutlich, durch die beschlagene Scheibe und dickes grünes Licht
Wie in einem grünen Meer, sah ich ihn ertrinken.

In all meinen Träumen, vor meinem hilflosen Blick,
Stürzt er auf mich ein, flackernd, würgend, ertrinkend.

Wenn auch du in erstickenden Träumen liefest
Hinter dem Wagen her, in den wir ihn warfen,
Und die weißen Augen sich in seinem Gesicht winden sähest,
In seinem hängenden Gesicht, wie das eines Teufels, müde der Sünde;
Wenn du hören könntest, bei jedem Stoß, das Blut,
Gurgelnd aus seinen schaum-verdorbenen Lungen,
Ekelerregend wie Krebs, bitter wie das Wiederkäuen
Von Auswurf, unheilbare Wunden auf unschuldigen Zungen,--
Mein Freund, du erzähltest
nicht mit solch hoher Lust
Kindern, dürstend nach verzweifeltem Ruhmesglanz,
Die alte Lüge: Dulce et decorum est
Pro patria mori.

Wilfried Owen
Wilfred Owen fiel mit 25 Jahren am 4. November 1918, genau eine Woche vor Kriegsende, bei Kämpfen am Canal de la Sambre à l’Oise, nahe der französischen Ortschaft Joncourt im Département Aisne. 
Postum wurde ihm das Military Cross für Tapferkeit vor dem Feind verliehen.

Kenneth Branagh spricht das Gedicht:


Gasmasken-Drill während des Ersten Weltkrieges

Dulce et Decorum est


Bent double, like old beggars under sacks,
Knock-kneed, coughing like hags, we cursed through sludge,
Till on the haunting flares we turned our backs
And towards our distant rest began to trudge.
Men marched asleep. Many had lost their boots
But limped on, blood-shod. All went lame; all blind;
Drunk with fatigue; deaf even to the hoots
Of disappointed shells that dropped behind.


GAS! Gas! Quick, boys!-- An ecstasy of fumbling,
Fitting the clumsy helmets just in time;
But someone still was yelling out and stumbling
And floundering like a man in fire or lime.--
Dim, through the misty panes and thick green light
As under a green sea, I saw him drowning.


In all my dreams, before my helpless sight,
He plunges at me, guttering, choking, drowning.


If in some smothering dreams you too could pace
Behind the wagon that we flung him in,
And watch the white eyes writhing in his face,
His hanging face, like a devil's sick of sin;
If you could hear, at every jolt, the blood
Come gargling from the froth-corrupted lungs,
Obscene as cancer, bitter as the cud
Of vile, incurable sores on innocent tongues,--
My friend, you would not tell with such high zest
To children ardent for some desperate glory,
The old Lie: Dulce et decorum est
Pro patria mori.




Kommentare:

  1. "...In seinem hängenden Gesicht, wie das eines Teufels, müde der Sünde; ...." - der ganze Kriegsirrsinn in dieser einen Zeile

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  2. Wissen Sie, was ein Stahlhelm ist?
    Das wissen Sie nicht!
    Unsere Väter wußten das,
    aber die kann man nicht mehr fragen.
    Beruhigen sie sich,
    ich kläre Sie auf:
    denn auch ich
    habe einen getragen!
    Eigentlich ist ein Stahlhelm
    nichts anderes als eine Mütze.
    Im Sommer mit einem Schirm,
    wegen der Sonne.
    Im Winter wegen des Schnees.
    Aber wie der Name schon sagt:
    “Stahl”helm,
    ist er aus Stahl.

    Er ist schwer wie die Wichte von Eisen,
    zum Wandern nich gerade geeignet
    Und als Handgepäck (wie Regenschirme)
    lästig.
    Aber: er dient dem Schutz des Kopfes,
    wo die menschliche Intelligenz(!?)sitzt
    Sein Kinnriemen engt die Schilddrüse
    und löst Kotzgefühle aus.

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  3. Burkhard Ritter
    Gasmaske heißt verharmlosend Atemschutzmaske.

    Tanja Hauser
    mein jüdischer großvater, der offizier im 1.weltkrieg war, hat davon lauthals geschwiegen, aber krupp verklagt wegen des gelieferten stacheldrats in dem seine soldaten verbluteten.

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