Mittwoch, 16. Oktober 2013

Manchmal, wenn es mir gut geht mag ich nur traurige Gedichte.


Manchmal, wenn es mir gut geht mag ich nur traurige Gedichte.

Wir haben heute eine Szene in "Richard II." probiert, in der das Knien 
oder die Knie nicht beugen vor einem anderen, das Gefühl von Ordnung 
für alle Beteiligten bestätigt oder zerstört. Ein König wird ganz unerwartet 
seiner Macht verlustig, bisher knieten alle, jetzt muß es eingefordert werden.

Die St.-Edwards-Krone (St. Edward's Crown)
Diese 1662 angefertigte Krone aus massivem Gold ist die eigentliche Königskrone Englands und wird nur bei der Krönung benutzt. Die Edwardskrone erinnert an König Eduard den Bekenner (1042–1066). Es handelt sich um eine Lilienkrone aus Gold, mit 444 Edelsteinen und Perlen besetzt. Bis zum 19. Jahrhundert wurde sie von fast allen englischen Königen getragen. Sie wiegt nicht weniger als 2,25 Kilogramm.
 
Die originale Krone, die Richard II. getragen hat, ging unter Cromwells Herrschaft "verloren".
 
Saint Edwards Crown 1661
 
Ein häßliches Ding. Vier und ein halbes Pfund Gold, Perlen und Edelsteine auf einem Kopf! Ein Kopf, dessen zugehöriger Körper aufrecht blieb, während die anderen knien mußten.
Richard II. verhungerte übrigens nach dem Verlust seiner Krone, ob in selbstmörderischer Absicht oder als Opfer seiner Kronräuber, bleibt ungeklärt.

Das ist der Tag, in dem ich traurig throne,
das ist die Nacht, die mich ins Knieen warf;
da bet ich: dass ich einmal meine Krone
von meinem Haupte heben darf.

Lang muss ich ihrem dumpfen Drucke dienen,
darf ich zum Dank nicht einmal ihren blaun
Türkisen, ihren Rauten und Rubinen
erschauernd in die Augen schaun?

Vielleicht erstarb schon lang der Strahl der Steine,
es stahl sie mir vielleicht mein Gast, der Gram,
vielleicht auch waren in der Krone keine,
die ich bekam?... 

Rainer Maria Rilke aus den Frühen Gedichten
 

Kommentare:

  1. Wie die Zeiten sich ändern... heute kniet die Regierungspartei... vor der Autoindustrie.

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  2. Dass die Machthaber heute Unternehmen leiten statt den Staat.

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