Samstag, 9. März 2013

Theater hat auch Grippewellen


Da probiere ich in Detmold "Münchhausen" und "Peng!" sind die Hälfte meiner Schauspieler krank. Ein Virus geht um, klein, böse, zielsicher und rafft sie mir unter den Händen weg. Erst einer, dann zwei, bei fünf gab es eine Pause, momentan wechseln nur noch die Namen der Erkrankten. 
Mittwoch - die Szene ist der Zarenhof in Moskau, eigentlich müßten 14 Menschen die Bühne bevölkern und um die Gunst der Zarin Katharina buhlen. Die Herrscherin aller Reussen hat von der Vorstellung am Vorabend ein Humpelbein und ihr Hofstaat ist zu großen Teilen unsichtbar. Ein einzelner, körperlich anwesender, Schauspieler provoziert einen nichtanwesenden Kollegen, wird von einem weiteren Abwesenden geschlagen und stürzt in die vorgestellten Arme eines weiteren Grippeopfers. Ich breche die Probe ab, meine, nicht unter Mangelerscheinungen leidende, Phantasie gibt auf, wirft das Handtuch, knickt ein.
Was tun? Es ist ein Stück, das zum größten Teil aus Massenszenen besteht - Münchhhausen reist und gerät unter seltsame Menschen, seltsam ist jetzt leider nur, dass die halt alle zuhause im Bett sind und husten und fiebern und schnupfen!
Freitag - Detmold, das graue, gräuliche, kalte Mistwetter und der Mangel an möglicher sinnvoller Arbeit haben mir zu einer gallopierenden Depression verholfen - was tun? - 10.00 Uhr morgens, anwesend drei Schauspieler, eine Souffleuse, eine Regieassistentin und ich - "Laßt uns das ganze Stück bis zur Mitte durchspielen, nur ihr drei und alle anderen werden eingelesen."
Und? Es war wunderbar! Münchhausen wurde wahrhaftig zum Lügenbaron - er phantasierte nicht nur das, wie immer auf der Probebühne nur erahnbare, Bühnenbild, er erzählte, improvisierte, spielte Geschichten und Partner und Gegner und fehlende Requsiten. Die Souffleuse wurde zur Spielmaus, die zwei anderen Kollegen hüpften gelenkig von Part zu Part. Der Vollständigkeit halber haben die Regieassisstentin und ich auch noch die Musik eingesungen.


Ich, nach der "Wunderprobe".

Kommentare:

  1. Theater ist wundersam und wunderbar !
    Schade, dass derartige Erlebnisse der Öffentlichkeit vorenthalten werden.

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  2. Es ist nicht zu bestreiten, jedes Ding hat zwei Seiten... So kamst du zu einem unerwarteten Lächeln.

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  3. Manchmal geht im dunklen Theaterraum die Sonne auf!

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