Freitag, 15. März 2013

Schwarze Katze


    
    Von links nach rechts macht's schlechts, von rechts 
   nach links Glück bringt's.

    Ich habe 20 Jahre lang mit einer schwarzen Katze zusammengelebt, sie hieß Emma 
    und war sehr intelligent und ist, wenn sie nicht malerisch herumlag und schlief,
    viel von links nach rechts und rechts nach links herumgeschlichen und gerannt und
    auch viel hoch- und runter gesprungen, aber eine Verbindung zu meinen jeweiligen  
    Glücks- oder Unglücksmengen habe ich nicht feststellen können. 
    Doch irgendwie sind in unseren Gegenden diese Mäusefänger und Individualisten im 
    Mittelalter in Verruf geraten. Vielleicht weil sie Teil des alten heidnischen 
    Götterpantheons waren, vielleicht weil sie sich nicht dankbar anhänglich und kritiklos 
    servil wie Hunde verhalten mögen. Dazu noch die dunkleschimmernde Fellfarbe, die 
    mysteriös wirkenden elliptischen Augen und diese erotische Art der Bewegung zwischen
    völliger wohliger Entspanntheit und plötzlicher vibrierender Konzentration. 
    Unabhängig, arrogant, gutaussehend und sich dessen bewusst, gute Kämpfer und gute
    Geniesser - kein Wunder vielleicht, dass man ihnen so viel Schlechtes nachsagt.   
    Erstklassige Hexengefährten halt. 
 
Martin Munkacsi - Black Cat circa 1931

Der König der Katzen

In diesem englischen Märchen kommt ein Mann nach Haus und erzählt seiner
Frau, dass er unterwegs neun schwarze Katzen mit weißen Flecken auf der Brust getroffen habe, die einen kleinen Sarg mit einer Krone drauf trugen. Und eine der Katzen hatte ihm zugerufen:" Sag Tom Tildrum das Tim Toldrum tot ist." Die Katze des Mannes, der alte Tom, hatte vom Ofen aus zugehört und rief daraufhin: "Was?! Der alte Tim ist tot! Dann bin ich der König der Katzen!" Daraufhin kletterte der alte Tom den Schornstein hinauf und ward niemals wieder gesehen.
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Apropos: 1909, am Todestag von A.Charles Swinburne sagte, so wird behauptet, 
W.B. Yeats zu seiner Schwester: "Jetzt bin ich König der Katzen!


Schwarze Katze

Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,
dran dein Blick mit einem Klange stößt;
aber da, an diesem schwarzen Felle
wird dein stärkstes Schauen aufgelöst:

wie ein Tobender, wenn er in vollster
Raserei ins Schwarze stampft,
jählings am benehmenden Gepolster
einer Zelle aufhört und verdampft.

Alle Blicke, die sie jemals trafen,
scheint sie also an sich zu verhehlen,
um darüber drohend und verdrossen
zuzuschauern und damit zu schlafen.
Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,
ihr Gesicht und mitten in das deine:
und da triffst du deinen Blick im geelen
Amber ihrer runden Augensteine
unerwartet wieder: eingeschlossen
wie ein ausgestorbenes Insekt.


Rainer Maria Rilke


Kommentare:

  1. Variant: Von links nach rechts: pecht's.
    Von rechts nach links: gelingt's.

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  2. Nach dem Doppelpunkt die letzten Zeilen. Herzklopfen und entzücktes Staunen über das zauberische Fügen wunderbarer Wörter. Alles in diesen Zeilen ist Wiedererkennen und alles ist Geheimnis.

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    1. Verzeih, Johanna. Ich meinte Rilke.

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