Donnerstag, 28. Februar 2013

Orgie



Was ist eine Orgie?

Wiki sagt:  
Orgie (griechisch ὄργια orgia) bezeichnete ursprünglich die geheimen Riten im Kult des Dionysos, später allgemein geheime Riten eines antiken Mysterienkultes. In der Neuzeit wird es als Bezeichnung für gemeinschaftliche Handlungen gebraucht, mit denen bewusst gegen die Sitten verstoßen wird, insbesondere gegen die sexuellen Sitten.

Synonyme?
Ausschweifung, Bacchanal, Besäufnis, Exzess, Fresserei, Sauferei, 

  Saufgelage, Schwelgerei, Trinkgelage, Völlerei, Zecherei, Zechgelage, 
  Zügellosigkeit, feuchter Abend, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Ausschreitung, Hemmungslosigkeit, Rausch, Unersättlichkeit, Zügellosigkeit, Übertreibung, Exzess...


Auf den wenigen Gemälden und überreichlichen Photos von "Orgien" sieht man viele Menschen, beschäftigt, einsam. Was findet dort statt? Sex mit zu vielen Leuten 
drumherum, zu viele Kartoffel-Chips, Eindrücke, Drogen, Alkohol, absichtsvoller Verlust von Selbstkontrolle, zu viel von was auch immer.  Zu viel. Nur nicht "man-selbst-sein", sich vergessen.
Oder die Wahl keine Wahl zu haben zu wollen, alles zu wagen, sich fallen zu lassen, 
zu vertrauen, ganz man selbst zu sein.

Vertrauen und Achtung, das sind die beiden unzertrennlichen Grundpfeiler der Liebe
 - ohne die sich nicht bestehen kann. 
Denn ohne Achtung hat die Liebe keinen Wert, und ohne Vertrauen keine Freude." 
Heinrich von Kleist, Briefe


Dionysos Maske
gefunden in Myrina (Türkei) 1.-2. Jh. v.u. Zeitrechnung


ORGIE

Der Abend küsste geheimnisvoll

Die knospenden Oleander.

Wir spielten und bauten Tempel Apoll

Und taumelten sehnsuchtsvoll

Ineinander.

Und der Nachthimmel goss seinen schwarzen Duft

In die schwellenden Wellen der brütenden Luft,

Und Jahrhunderte sanken

Und reckten sich

Und reihten sich wieder golden empor

Zu sternenverschmiedeten Ranken.

Wir spielten mit dem glücklichsten Glück,

Mit den Früchten des Paradiesmai,

Und im wilden Gold Deines wirren Haars

Sang meine tiefe Sehnsucht

Geschrei,

Wie ein schwarzer Urwaldvogel.

Und junge Himmel fielen herab,

Unersehnbare, wildsüsse Düfte;

Wir rissen uns die Hüllen ab

Und schrieen!

Berauscht vom Most der Lüfte.

Ich knüpfte mich an Dein Leben an,

Bis dass es ganz in ihm zerrann,

Und immer wieder Gestalt nahm

Und immer wieder zerrann.

Und unsere Liebe jauchzte Gesang,

Zwei wilde Symphonieen!

Else Lasker-Schüler*


Gustave Courbet Bacchantin 

* Aus: Jacobs, Steffen "Liederlich! Die lüsterne Lyrik der Deutschen" Eichborn Berlin

Kommentare:

  1. Nun kann ich der Else zwar nicht das Wasser reichen, aber zu diesem Thema schrieb ich einst:


    orgie

    ein blick aus dem fenster sagt uns,
    dass die welt sich dreht
    schnee schmilzt in der welkenden sonne
    drei männer ejakulieren in die luft
    erbsen klatschen auf den boden
    doch vertrocknen wieder ungehört

    die erde ist keine gebärmutter
    nur ein gerüst, eine stütze
    fruchtbarkeit gerinnt im kopf
    nicht unter brüsten

    was für eine orgie

    die anderen suchen gesetze in der verfassung
    wir kümmern uns, bebend in den knochen,
    um die eisernen regeln

    mädchen explodieren zum ersten mal
    jungen krümmen sich lüstern im analen schmerz
    männer bedauern, dass sie weise werden
    frauen scheißen glatte würste auf alte liebhaber

    sie meinen, das einzige was zählt
    sei der austausch von innen nach außen
    nur so entgeht man allem ernst
    prost mahlzeit

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  2. Burkhard Ritter schrieb:
    Das Leben sei nur dann lebenswert, wenn wir miteinander feiern, trinken und schlafen.

    Cornelia Heyse
    Wer schrieb das Gedicht?

    Barbara Maria Drischler
    else lasker-schüler.

    Cornelia Heyse
    Ich meine das Antwortgedicht! Das heutige von vor ein paar Jahren ! Das gefällt mir.
    vo
    Johanna Schall
    Keine Ahnung, der Herr schreibt unter Pseudonym!
    Aber vielleicht sagt er es uns ja noch?

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    1. Danke! Für die Entanonymisierung! Und einen lieben Gruß!

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  3. @Cornelia, steht doch da. Das ist Unerhört. Nur die Betonung darf nicht falsch sein.

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  4. Synonyme ?, das Fragezeichen ist gut. Jedes der Wörter assoziert anders, auch gegensätzlich.

    Was Else Lasker-Schüler besingt, ist keines der Zuviels. Sie singt von Liebe. Gerichtetheit entbundener Sinne auf den einen. "Ich knüpfte mich an dein Leben an".

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