Montag, 30. April 2012

Kino - Zweimal


"Iron Lady" und "The Avengers" an einem Nachmittag und Popcorn und Cola! Was für ein Leben! Nur leider sitzt mir jetzt so ein Stück Maishülse unverrückbar im hinteren Gaumen, es gibt halt kein perfektes Vergnügen.

Zuerst also Meryl Streep in einer der perfektesten Altersmasken, die ich je gesehen habe (Siehe auch: Edgar J. Hoover - Leonardo Dicaprio) und mit dem Thatcher-Überbiss, der sie manchmal wie Faye Dunaway vor dem letzten Liftng aussehen läßt. Neidvoll muß ich sagen, die Frau ist ein atemberaubendes Schauspielwunder. Bei "Sophies Choice" habe ich noch Vorbehalte, wegen zu großer Gefühligkeit, gehegt, aber mittlerweile bin ich Bewundernde und Verehrende.
Um sie herum tummeln sich allerlei großartige britische Schauspieler, die alle irgendwie wie wirkliche Leute aussehen, nicht, wie es bei deutschen Spielern so oft ist, wie "Schauspieler". Wie machen die das?

 Original

Fälschung

Phyllida Lloyd war auch die Regisseurin von "Mamma Mia", diesem bunten ABBA Musical-Film, den ich ganz und gar gräßlich fand. Alle Darsteller waren so frohgemut und überbordend - blech - aber Frau Streep kann auch noch singen, was man allerdings in "Postcards from the Edge" ("Grüße aus Hollywood") sehr viel entspannter genießen kann. Übrigens ein toller Film, Shirley Maclaine als Übermutter ist eine angsteinflößende Freude!

Der Film - Iron Lady - so lala, aber Meryl zugucken, reicht allemal.


"Avengers". Wer Superhelden Trash mit gigantischen Effekten mag - hingehen! Ein Spaß! Tolle Tricks, witzige Dialoge, zumindest im Original, und wenn man sich an die alberne 3D-Brille gewöhnt hat, ein Augenschmauß. Iron Man taucht auf und Thor, der Hulk und Captain America und alles ist "over the top", zu viel zu viel, aber hinreißend. Und Joss Whedon unterfüttert den Ulk mit gerade genug Ironie und Realismus, um den Spaß nicht überzuckert schmecken zu lassen.

Sonntag, 29. April 2012

Gewöhnlicher Löwenzahn



Gewöhnlicher Löwenzahn oder Dandelion für Engländer, vom französischen dent-de-lion, oder Pissenlit = bettnässen für Franzosen, weil der Pflanze auch diuretische Qualitäten eigen sind. 
Wenn sie dann älter wird, nennt man sie Pusteblume, auch schön.

Die weiße Kugel des Löwenzahns
hat winzige Zähne aus Hauch.
Vielfach versponnen
locker geschlossen;
die spinnfeinen Fäden
bleiben zusammen
in ihrem duftigen
Bau aus Fühlern.
Ordnung und Luft.
Wenn der Wind nicht in sie fährt,
bleibt die empfindlichste Blume unvermehrt.


Rose Ausländer 


Löwenzahnsalat mit Speck und pochiertem Ei (für 2 Personen)
2 Handvoll Löwenzahnblätter
2 Eier
etwas Weißweinessig
Olivenöl, Zitrone, Salz, Pfeffer
80 g Speck

Die Blätter werden gezupft, vielleicht auch mit der Hand geteilt, wenn sie zu groß sind. Dann wäscht man sie gründlich und trocknet sie in der Salatschleuder. Um ein Ei zu pochieren, bringt man in einem Topf Wasser mit einem Schuss Weißweinessig zum Kochen. Das Ei schlägt man am besten in eine Suppenkelle, mithilfe derer man es vorsichtig ins heiße, nicht mehr sprudelnde Wasser gleiten lässt. Das Ei färbt sich augenblicklich weiß. So kocht es – je nach Geschmack – 3 bis 5 Minuten. Mit der Kelle wird es wieder herausgeholt. Den Salat macht man mit Öl, Zitrone, Salz und Pfeffer an. Ganz am Ende wird der zuvor in der Pfanne ausgelassene Speck beigefügt und das pochierte Ei obendrauf gesetzt.
(Zeit online, Essen und Trinken) 

Habe ich ähnlich gestern gegessen, hmmmm!

 
Löwenzahn

Mählich durchbrechende Sonne
Schönes,
grünes, weiches
Gras.
Drin
liege ich.
Inmitten goldgelber
Butterblumen!
Über mir ... warm ... der Himmel:
Ein
weites, schütteres,
lichtwühlig, lichtblendig, lichtwogig
zitterndes
Weiß,
das mir die
Augen
langsam ... ganz ... langsam
schließt.
Wehende ... Luft ... kaum merklich
ein Duft, ein
zartes . . . Summen.
Nun bin ich fern
von jeder Welt,
ein sanftes Rot erfüllt mich ganz, und
deutlich . . . spüre ich . . . wie die
Sonne
mir durchs Blut
rinnt.
Minutenlang.
Versunken
alles . . . Nur noch
ich.
Selig!

Arno Holz

So sieht übrigens der Zahn eines Löwen aus, also keine Verwechslungsgefahr.

Donnerstag, 26. April 2012

Carl Spitzweg



Der Kaktusliebhaber, nach 1850, Carl Spitzweg
 

Stets wandeln wir am Abgrund dicht

Stets wandeln wir am Abgrund dicht,
Wo Tief und Dunkel schrecken,
Aus dem ein Tod und letzt' Gericht
Die Drachenhälse recken!

Wir wandeln, ahnen nicht Gefahr,

So sorglos wie die Kinder...
Da strauchelst du und gleitest gar
Und gleitest ab geschwinder!

Jetzt gilt's! Ist keine Latsche da,

An der du dich kannst halten?
Umfassen nicht, dem Sturze nah,
Dich rettende Gestalten?...

Humor, so heißt die Latsche schlicht

Gleich Göttern hochgeboren -
Erhaschst du sie im Gleiten nicht,
Dann, Freund, bist du verloren!

Carl Spitzweg

Gnom Eisenbahn betrachtend, 1848, Carl Spitzweg

Dienstag, 24. April 2012

New York - Photo


Photos aus 150 Jahren -  New York N.Y.


© AP Photo/New York City Municipal Archives

1914: Mehr als ein halbes Dutzend Männer in den Seilen der Brooklyn Bridge - festgehalten vom langjährigen offiziellen Fotografen der Baubehörde, Eugene de Salignac.


Montag, 23. April 2012

23. April - Shakespeare Tag


Vielleicht ist er am 23. April 1564 in Stratford upon Avon geboren worden.
Höchstwahrscheinlich ist er, ebenda, am 23. April 1616 gestorben.

"Ich bin mir sicher, dass Shakespeare nicht Shakespeares Werke geschrieben hat, sondern ein völlig anderer Mann namens Shakespeare." (unbekannter Aphoristiker)

 
Sonett frei nach William Shakespeare

Nicht Narr, nicht Clown, nicht Trottel, nicht Idiot.
Ihr Zuschaukünstler habt für mich kein Wort.
Ich komm aus England. Daher kommt der Tod.
Ich bin der Sterbewitz. Ich bin der Mord-

Versuch, jaja, ich weiß. Auch der macht Spaß
Weil er sich reimt und ist nicht so gemeint,
denkt ihr. Ihr denkt? Sieh an, seit wann denkt Aas.
Ich bin mein eignes Volk. Ihr seid vereint.

In dem Verein, der richtet und der henkt.
Ich will, dass ihr euch hier zu Tode lacht,
voll faulem Mitgefühl das Herz verrenkt,
ersauft in Tränen mitten in der Nacht.

Ihr seid das Volk. Ich bins, der euch verhetzt.
Ich heiß: The Fool. Das wird nicht übersetzt.

Thomas Brasch

Respekt


Bei allem Respekt...
Respekt, mein Herr!
Respektive
Respektvoll
Grenzen respektieren

  
"Respekt haben, lässt sich aus respicere ableiten, bedeutet auch, zu sehen. Das Verb sehen steht 
an dieser Stelle synonym fur Wahrnehmen. Jemanden zu respektieren heißt nämlich an allererster Stelle einmal, ihn Wahr zu nehmen." **

Was für eine wunderbare Aussage über ein mit unschöner Regelmäßigkeit mißbrauchtes Wort. 
"Haste keinen Respekt?", auch gern als "Reschpäkt" intoniert, wird da gleichgesetzt mit Angst haben. Schau mich an und zittere. Ich bin größer, stärker, rücksichtsloser, also respektloser als du."
Respekt ist aktiv, Toleranz, was mit Erdulden übersetzt werden kann, passiv. 
Um jemanden zu respektieren, muß ich ihn ansehen, ja, sogar im Vorwärtsschreiten, 
zurücksehen, den Eindruck, den ich beim ersten Hinschauen hatte, also überprüfen.
Jemanden zu respektieren, heißt nicht notwendigerweise, ihn zu mögen. 
Im Gegenteil, wenn ich jemanden wirklich genau betrachtet habe, kann ich, vorurteilsfrei, weil zurückblickend, die Entscheidung treffen, ihn NICHT zu tolerieren, mit allem Respekt.

R-E-S-P-E-C-T
Find out what it means to me
R-E-S-P-E-C-T
Take care ... TCB (Taking care of business)
Otis Redding

Hier in der Version von Aretha Franklin!!!


Als erstes im Bankgeschäft lernt man den Respekt vor der Null. (Carl Fürstenberg)


Der Zoologe von Berlin

Hört ihr Kinder, wie es jüngst ergangen
Einem Zoologen in Berlin!
Plötzlich führt ein Schutzmann ihn gefangen
Vor den Untersuchungsrichter hin.
Dieser tritt ihm kräftig auf die Zehen,
Nimmt ihn hochnotpeinlich ins Gebet
Und empfiehlt ihm, schlankweg zu gestehen,
Daß beleidigt er die Majestät.
Dieser sprach: »Herr Richter, ungeheuer
Ist die Schuld, die man mir unterlegt;
Denn daß eine Kuh ein Wiederkäuer,
Hat noch nirgends Ärgernis erregt.
Soweit ist die Wissenschaft gediehen,
Daß es längst in Kinderbüchern steht.
Wenn Sie das auf Majestät beziehen,
Dann beleidigen Sie die Majestät!
Vor der Majestät, das kann ich schwören,
Hegt ich stets den schuldigsten Respekt;
Ja, es freut mich oft sogar zu hören,
Wenn man den Beleidiger entdeckt;
Denn dann wird die Majestät erst sehen,
Ob sie majestätisch nach Gebühr.
Deshalb ist ein Mops, das bleibt bestehen,
Zweifelsohne doch ein Säugetier.
Ebenso hab vor den Staatsgewalten
Ich mich vorschriftsmäßig stets geduckt,
Auf Kommando oft das Maul gehalten
Und vor Anarchisten ausgespuckt.
Auch wo Spitzel horchen in Vereinen,
Sprach ich immer harmlos wie ein Kind.
Aber deshalb kann ich von den Schweinen
Doch nicht sagen, daß es Menschen sind.
Viel Respekt hab ich vor dir, o Richter,
Unbegrenzten menschlichen Respekt!
Läßt du doch die ärgsten Bösewichter
In Berlin gewöhnlich unentdeckt.
Doch wenn hochzurufen ich mich sehne
Von dem Schwarzwald bis nach Kiautschau,
Bleibt deshalb gestreift nicht die Hyäne?
Nicht ein schönes Federvieh der Pfau?«
Also war das Wort des Zoologen,
Doch dann sprach der hohe Staatsanwalt;
Und nachdem man alles wohl erwogen,
Ward der Mann zu einem Jahr verknallt.
Deshalb vor Zoologie-Studieren
Hüte sich ein jeder, wenn er jung;
Denn es schlummert in den meisten Tieren
Eine Majestätsbeleidigung.

Frank Wedekind, Die vier Jahreszeiten

"Auch wenn der Terminus „Respekt“ letztlich lateinischen Ursprungs ist, taucht er in seiner 
heutigen Bedeutung erst im 17. Jahrhundert im europäischen Sprachgebrauch auf:
Das deutsche Substantiv „Respekt“, was auch Achtung, Hochachtung, Ehrerbietung, Ehrfurcht oder Scheu meinen kann, ist ursprünglich dem französischen respect entlehnt, was auf das lateinische Abstraktum respectus, (Rücksicht, Zurückblicken) von respicere (respectum) zurückgeht. Respicere wiederum bedeutet so viel wie Rücksicht nehmen, sich nach etwas umsehen, zurücksehen. Hierin steckt das Verb spicere: Sehen." **

** Zitate aus:
Respekt und Wertewandel bei Richard Sennet; 
Hauptseminar: „Werte und Werteentwicklung in Familie, Schule und Gesellschaft“
 



Sonntag, 22. April 2012

David LaChapelle


"Die Leute sagen, Photographien lügen nicht, meine schon."

People say photographs don't lie, mine do.
D.LaChapelle, Collector's edition of Life, the Eisie Issue, spring 1998


David LaChapelle. Abendmahl, 2003
© David LaChapelle 

Wenn Du Realität willst, nimm den Bus.
If you want reality take the bus.
David LaChapelle

David LaChapelle. Kathedrale, 2007
© David LaChapelle 

Samstag, 21. April 2012

Der Reigen geht in die Endproben

"Wer weiß, ob wir morgen noch das Leben haben."


REIGEN

Reigen - die Liebe hält manchmal
im Löschen der Augen ein,
und wir sehen in ihre eignen
erloschenen Augen hinein.

Kalter Rauch aus dem Krater
haucht unsre Wimpern an;
es hielt die schreckliche Leere
nur einmal den Atem an.

Wir haben die toten Augen
gesehn und vergessen nie.
Die Liebe währt am längsten
und sie erkennt uns nie.

Ingeborg Bachmann

Henri Matisse 1910 Der Tanz

10 Dialoge nennt Schnitzler das Stück, ein Reigen von Werbung, Lockung, Paarung, Sättigung und Ernüchterung.

Aus den Notizen Schnitzlers:
a)  „Einer in Scheidung begriffen, mit seiner Frau im Restaurant. Zank mit einem Ungezogenen, der die Frau beleidigt. Duell und Tod.“
b)  „Ein junger Bursch, dessen Schwester die Geliebte irgend eines Mannes ist, was ihm ganz gleichgültig ist. Der Bursch wird Kadett, Offizier; plötzlich bekommt er eine Ehre und muss diesen Menschen fordern.
c) „Die Frau zu ihrem Liebhaber: Mein Mann hat Verdacht. Wenn wir also heute ins Orpheum gehen, müssen sie sich in die Chansonettensängerin Violetta verliebt stellen. Es gelingt wunderbar. Violetta ist nämlich wirklich die Mätresse des Geliebten, eventuell auch des Ehemannes.“

 Emil Nolde 1908 Ringelreihe

Der Tod und das Mädchen

Das Mädchen:
Vorüber! Ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!

Matthias Claudius


Das Stück:

1897 geschrieben / 1903 erstveröffentlicht im Eigenverlag / 1920 uraufgeführt

Die eigentliche Uraufführung fand am 23. Dezember 1920 im Kleinen Schauspielhaus in Berlin statt.
Am 22. Februar 1921 kam es in Berlin zu Ausschreitungen, nachdem ein hoher Beamter der Berliner Polizei eine systematische Hetze gegen die Aufführungen initiiert hatte. Viele Organisationen wurden veranlasst, gegen die Aufführung zu protestieren, vorgedruckte Formulare wurden verschickt und Politiker wurden mobilisiert. Am 22. Februar (wenige Tage nach den Protesten in Wien) gab es organisierte Tumulte in der Aufführung und eine johlende Saalschlacht. Abkommandierte völkische Beobachter, die meisten von ihnen im jugendlichen Alter, warfen Stinkbomben. „Man schändet unsere Weiber!Theaterleiter und Darsteller wurden in der Folge wegen „unzüchtiger Handlungen“ im sogenannten Reigen-Prozess vor Gericht gestellt.
Wegen der Polemik gegen "Reigen" bat Arthur Schnitzler 1922 den S. Fischer Verlag, der die Rechte besaß, keine weiteren Aufführungen des Stücks mehr zu genehmigen. Dieses Aufführungsverbot wurde von Schnitzlers Sohn Heinrich über den Tod des Autors hinaus verlängert. Erst seit 1.Januar 1982 darf "Reigen" wieder aufgeführt werden. (Wiki)

Freitag, 20. April 2012

Ein Kuss 1945


14. August 1945, Matrose küsst Krankenschwester am Times Square
© Alfred Eisenstaedt


Kriegsende. Ein Kuss. Aber der Matrose hat fast zu Fäusten geballe Hände. Die Frau wird "geküsst", wild oder grob ist schwer zu sagen. Der Krieg ist noch anwesend.

Donnerstag, 19. April 2012

Charles Darwin starb vor 130 Jahren am 19. April 1882


Photographie: Charles Darwin by Maull und Polyblank für den Literary and Scientific Portrait Club 1855

Darwin schrieb an Joseph Dalton Hooker, einen befreundeten Botanisten: "Wenn ich wirklich so einen bösen Gesichtsausdruck habe, wie auf meiner Photographie, ist es überraschend, dass ich überhaupt einen Freund besitze" 


Mittwoch, 18. April 2012

Engel allerarten

DIE SACHE MIT DEM ENGEL VON BARRANONG

Siehst du die Bank, vor Meaghers Laden?
Da ist er gelandet, der Engel.
Was? Ein Engel?
Ja. Gerade zur Mittagspause an einem
Ausverkauftag.
Die Stadt war ziemlich voll. Er hat uns alle zusammengerufen.
Und, wurde ihm gehorcht?
Oh ja. Ihm wurde zugehört.
Er machte seine Verkündigung, segnete uns und flog wieder 

Fort, direkt nach oben.
Er hatte die prächtigsten Flügel ...
Was passierte dann?
Da waren einige Aufgaben, die er uns gegeben hatte,
Oder vielmehr, die sich so ergaben, aus seiner Botschaft.
Und wurden sie erfüllt? 

Zuerst wollten wir,
Aber nach einer Weile, als wir es beredet hatten,
Fanden die meisten, daß er doch ein bisschen, naja, hochnäsig war, 

Ein bisschen übertrieben, mit diesen großen Flügelgesten
Und der vornehmen Sprache. 

Eine Menge Frauen fanden das gut.
Aber die Männer, die sich hingekniet hatten, ganz von allein,
also die
Nahmen es ihm krumm, erinnere ich mich.

Ist er wiedergekommen?
Oh ja. Die Botschaft war wichtig.
Das zweite Mal hat er das Gemeindehaus gemietet,
Redete äußerst höflich, sprach alle mit Namen an.
Hat es was gebracht?
Nicht viel. Erst mochten wir ihn.
Aber schließlich hatte er die Katholiken bevorzugt. 

Es war deren Saal. Und, was übel genommen wurde, 
Von anderen, er hat keinen Eintritt verlangt.
Wir waren schließlich keine Bettler, und wer sich,
ob Mensch oder Engel,
So wenig um unseren lokalen Stolz schert, oder um Geld,
Dem wird am Ende nicht vertraut.

Hat er's dann aufgegeben?
Oh nein. Beim dritten Mal
Dachte er, jetzt hätte er uns verstanden. Kam im Auto,
Buchte ein Zimmer bei Morgan, sagte die ersten zwei Tage  

Kein Wort von seiner Botschaft,
Und dann ließ er hier und da Hinweise fallen. Ganz raffinierte.
Und hat auch extra mit allen Baptisten gesprochen. 

Ich wette, das hat funktioniert.
Meinst du? Nicht daß ich wüßte.
Uns hat es nicht gefallen, wie er sich bei uns anbiederte,
Das war das eine. Manche haben es schlichtweg Verhöhnung
genannt.
Er war doch schließlich ein Engel. Und dann, 

Die Art, wie er immer wieder kam,
Sich an die Leute ranschmiß.
Und schließlich und endlich
War er ein Fremder. Und redete von Religion.

Hat er es weiter versucht?
Nein. Hat uns fallenlassen.
Hätte es geholfen, wenn er hierher gezogen wäre?
Glaube ich nicht, Kumpel. Er war, versteht du, überhaupt zu eifrig
Er hätte dauernd auf dieser verdammten Botschaft rumgeharft, 
Und wenn er aufgegeben hätte, na dann
Wäre er verachtet worden, weil er nicht durchgehalten hätte, oder so. 

Er hat das von Anfang an verkehrt angepackt,
Da ist dann nichts mehr zu machen.

Aber was - zum Teufel! - was, wenn er, sagen wir mal, hier geboren wäre?
Na ja, das ist für einen Engel wohl bisschen unter seiner Würde, 
Oder ein bisschen drüber. Man würde ihn auch zu gut kennen, so von klein auf.
Wer würde schon auf einen Nachbarsbengel hören, frag' ich dich, 
Besonders wenn der mit Botschaften ankäme?
Und überhaupt, was der uns erzählte, hatte mit Liebe zu tun, 
Und unsere Leute hier,
Die denken, das ist nicht so recht - männlich.



LES A. MURRAY

Die Skulptur von Peter Lenk zeigt den mit Schmetterlingsflügeln augestatteten Mainau-Graf Lennart Bernadotte. Sein eingekringelter Penis soll Hinweis auf seine beträchtliche Alterzeugungskraft sein. Wie zu lesen ist, wurde er in der Fasnacht auch als "Graf Spermadotte" verspottet. (Zitiert von Paoramio/Wolfgang Schäfer)

THE BARRANONG ANGEL CASE

You see that bench in front of Meagher’s store?
That’s where the angel landed.
What? An angel?
Yes. It was just near smoko time on a sale day.
Town was quite full. He called us all together.
And was he obeyed?
Oh yes. He got a hearing.
Made his announcement, blessed us and took off
Again, straight up.
He had most glorious wings . . .
What happened then?
There were some tasks he’d set us
Or rather that sort of followed from his message.
And were they carried out?
At first we meant to,
But after a while, when there had been some talk
Most came to think he’d been a bit, well, haughty,
A bit overdone, with those flourishes of wings
And that plummy accent.
Lot of the women liked that.
But the men who’d knelt, off their own bat, mind you,
They were specially crook on him, as I remember.

Did he come again?
Oh yes. The message was important.
The second time, he hired the church hall,
Spoke most politely, called us all by name.
Any result?
Not much. At first we liked him.
But, after all, he’d singled out the Catholics.
It was their hall. And another thing resented
By different ones, he hadn’t charged admission.
We weren’t all paupers, and any man or angel
With so little regard for local pride, or money,
Ends up distrusted.

Did he give up then?
Oh no. The third time round
He thought he had our measure. Came by car,
Took a room at Morgan’s, didn't say a word
About his message for the first two days
And after that, dropped hints. Quite clever ones.
He made sure, too, that he spoke to all the Baptists.
I’ll bet that worked.
You reckon? Not that I saw.
We didn’t like him pandering to our ways
For a start. Some called it mockery, straight out.
He was an angel, after all. And then
There was the way he kept on coming back
Hustling the people.
And when all’s said and done
He was a stranger. And he talked religion.

Did he keep on trying?
No. Gave us away.
Would it have helped if he’d settled in the district?
Don’t think so, mate. If you follow me, he was
Too keen altogether. He’d have harped on that damn message
All the time — or if he’d stopped, well then
He’d have been despised because he’d given in, like.
He’d just got off on the wrong foot from the start
And you can’t fix that up.

But what — Oh Hell! — what if he’d been, say, born here?
Well, that sort of thing’s a bit above an angel,
Or a bit below. And he’d grow up too well known.
Who’d pay any heed to a neighbor’s boy, I ask you,
Specially if he came out with messages?
Besides, what he told us had to do with love
And people here,
They don’t think that’s quite — manly.

Michael Karlovski Alter Engel

Dienstag, 17. April 2012

Anstand


Anstand. Ein nunmehr selten verwendetes Wort. (Ebenso wie nunmehr, ja, ebenso wie ebenso.)
Ein anständiges Bier trinken, ein Termin der anstand oder ein Mann, dem wir es anständig gezeigt haben, eine Anstandsdame auch und das Anstandsbuch und dann noch der Anstand des Jägers - da klingt das Wort ganz lässig und unscheinbar. 

Aber ein anständiger Mensch, "wie stolz das klingt", um Herrn Gorki falsch zu zitieren. Oder richtig? Ein anständiger Mensch, wie kann man den beschreiben?
Ist es einer, der sich an die Anstands-Regeln hält, nichts tut, was unzulässig, störend oder ungewöhnlich wäre? Oder ist es der, der sich anständig verhält, wenn es unanständig wäre, nichts zu tun, oder zu schweigen?  Der, der dir aus Anstand nicht auf die Hand tritt, wenn du gefallen bist, oder der, der dir anständig in den Hintern tritt, wenn du dich schlecht benimmst? Der, der sich anpasst, oder der, der, um des Anstands willen, weiter geht, als erlaubt?
"Gestatten sie mir ihnen zu widersprechen", würde so ein anständiger vielleicht Mensch sagen. oder, "ich möchte sie darauf hinweisen, dass hier Unrecht geschieht." 
Mit Anstand geht die Welt zu Grunde wird gesagt. Besser mit Anstand als ohne? 


Hochinteressanter Artikel zum Thema:
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2001/12/29/a0170

Hoechheim Israelit 20071881a.jpg (48534 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1881: "Bitte! Bezugnehmend auf das Ausschreiben der israelitischen Lehrerstelle in Höchheim fordere ich hiermit jeden edeldenkenden Lehrer auf, bei der Bewerbung um diese Stelle, von der Bewerbung um die Schechitah Anstand zu nehmen, da mit dieser Verbindung einer sehr unbemittelten Manne, der bisher dieses Geschäft innegehabt, ein großer Teil seiner Ernährquelle entzogen wird.
Ein guter Freund desselben."  

Der anständige Mensch als Idealtypus des Weltbildes der Aufklärung respektiert in Einstellung und Verhalten die Persönlichkeit des Anderen und achtet darauf, dass dieser nicht bloßgestellt, gedemütigt oder benachteiligt wird. Persönlicher Anstand kann erlernt, jedoch nicht reglementiert werden; wohl aber können auf Prinzipien des Anstands beruhende Regeln oder Gesetze festgelegt und zur Geltung gebracht werden. Dies geschieht grundlegend in der Erklärung der Menschenrechte. - sagt Wiki.

Mit Anstand verlieren - SPD © ???

Fortgehn

Plötzliches Fortgehn; Draußensein im Grauen

mit Augen, eingeschmolzen, heiß und weich,
und nun in das was ist hinauszuschauen - :

O nein, das alles ist ja ein Vergleich.


Der Strom ist so, damit er dich bedeute,

und diese Stadt stand auf weil du erschienst;
die Brücken gehn mit Anstand der dich freute
gelassen her und hin in deinem Dienst.


Und weil das alles ausgedacht ist nur:

dich zu bedeuten - : ist es wie die Erde;
die Gärten stehn in dunkelnder Gebärde,
die Fernen sind voll deutsamer Figur -.

Und doch trotzdem, nun kommt es trotzdem wieder:

der Schmerz, der Schmerz des ersten Augenblicks.
Noch war es da - : auf einmal ging es nieder
oder flog auf oder war aus wie Lieder - :
das war so voll unsäglichen Geschicks -.

Wie wenn...

                  (bin ichs zu sagen denn imstande?)
Sieh: diese Augen lagen da: Gewande,
ein Angesicht, ein Glanz ging in sie ein
als wären sie --- ja was ? --:
                                          der Canal Grande
in seiner großen Zeit und vor dem Brande -
------------------
und plötzlich hört Venedig auf zu sein.

Rainer Maria Rilke

Aus: Die Gedichte 1906-1910 (zuerst veröffentlicht: Paris, Juni 1906) 

Giovanni Antonio Canal (Canaletto) Rialto Brücke, Venedig 

"Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi." 
Gerhard Bronner bei der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Gunskirchen, 7. Mai 2005

Montag, 16. April 2012

Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt.


"Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt." 

Gestern wäre Wilhelm Busch, Protestant, 180 Jahre alt geworden, 
heute wird Herr Ratzinger, oberster Denker aller Katholiken 85.

"Wie schad, daß ich kein Pfaffe bin.
Das wäre so mein Fach.
Ich bummelte durchs Leben hin
Und dächt nicht weiter nach."

"Die verschiedenen heute festzustellenden Auflösungstendenzen bezüglich der Ehe, wie uneheliche Lebensgemeinschaften und die »Ehe auf Probe«, bis hin zur Pseudo-Ehe zwischen Personen des gleichen Geschlechts sind hingegen Ausdruck einer anarchischen Freiheit, die sich zu Unrecht als wahre Befreiung des Menschen ausgibt." - Zur Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom zum Thema Familie in der Lateranbasilika in Rom am 6. Juni 2005 
Tipp, dieser Satz ist nicht von Wilhelm Busch

"Obgleich die Welt ja, sozusagen,
 wohl manchmal etwas mangelhaft, 
wird sie doch in den nächsten Tagen 
vermutlich noch nicht abgeschafft."  
An Josef Peter. 1907

"Das jüdische Schrifttum und die jüdische Geschichte erfüllten sich ausschließlich in der Gestalt von Jesus Christus." - Cardinal Ratzinger Divides Germans, New York Times, 15. April 2005
Tipp: dieser Satz ist auch nicht von Wilhelm Busch.

Aber dafür leider der:

Kurz die Hose, lang der Rock 
Krumm die Nase und der Stock 
Augen schwarz und Seele grau, 
Hut nach hinten, Miene schlau - 
So ist Schmulchen Schiefelbeiner 
(Schöner ist doch unsereiner!)

Aber das Folgende ist auch von Busch:

Der heilige Antonius – letzte Versuchung

Der heilige Antonius von Padua 58.png
Der heilige Antonius von Padua
Saß oftmals ganz alleinig da
Und las bei seinem Heilgenschein
Meistens bis tief in die Nacht hinein. –
Der heilige Antonius von Padua 59.png
Einst, als er wieder so sitzt und liest –
– Auf einmal, so räuspert sich was und niest;
Und wie er sich umschaut, der fromme Mann,
Schaut ihn ein hübsches Mädchen an. – –
– Der heilige Antonius von Padua
War aber ganz ruhig, als dies geschah.
Er sprach: „Schau du nur immer zu,
Du störst mich nicht in meiner christlichen Ruh!“
Der heilige Antonius von Padua 60.png
Als er nun wieder so ruhig saß
Und weiter in seinem Buche las –
Husch, husch! – so spürt er auf der Glatzen
Und hinterm Ohr ein Kribbelkratzen,
Daß ihm dabei ganz sonderbar,
Bald warm, bald kalt zumute war. –
Der heilige Antonius von Padua
War aber ganz ruhig, als dies geschah.
Er sprach: „So krabble du nur zu,
Du störst mich nicht in meiner christlichen Ruh!“
Der heilige Antonius von Padua 61.png
„Na! – – Na!“ – –
Der heilige Antonius von Padua 62.png
„Na, na! – sag’ ich!!!“ –
Der heilige Antonius von Padua 63.png
„Hm! hm! – – hm! hm!!!“
Der heilige Antonius von Padua 64.png
Auf einmal aber – er wußte nicht wie –
Setzt sich das Mädel ihm gar aufs Knie
Und gibt dem heiligen Antonius
Links und rechts einen herzhaften Kuß.
Der heilige Antonius von Padua 65.png
Der heilige Antonius von Padua
War aber nicht ruhig, als dies geschah.
Er sprang empor, von Zorn entbrannt;
Er nahm das Kreuz in seine Hand:
Der heilige Antonius von Padua 66.png
„Laß ab von mir, unsaubrer Geist!
Sei, wie du bist, wer du auch seist!!“
Der heilige Antonius von Padua 67.png
Puh!! – da sauste mit großem Rumor
Der Satanas durchs Ofenrohr.
Der heilige Antonius von Padua 68.png
Der heilige Antonius, ruhig und heiter,
Las aber in seinem Buche weiter! –

Oh, heil’ger Antonius von Padua,

Du kennst uns ja!
So laß uns denn auf dieser Erden
Auch solche fromme Heilge werden!


Klausnerleben und Himmelfahrt
Der heilige Antonius von Padua 69.png
Der heilige Antonius, so wird berichtet,
Hat endlich ganz auf die Welt verzichtet;
Ist tief, tief hinten im Wald gesessen,
Hat Tau getrunken und Moos gegessen,
Und sitzt und sitzt an diesem Ort
Und betet, bis er schier verdorrt
Und ihm zuletzt das wilde Kraut
Aus Nase und aus Ohren schaut.
Er sprach: „Von hier will ich nicht weichen,
Es käm’ mir denn ein glaubhaft Zeichen!“
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Und siehe da! – Aus Waldes Mitten
Ein Wildschwein kommt dahergeschritten,
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Das wühlet emsig an der Stelle
Ein Brünnlein auf, gar rein und helle,
Und wühlt mit Schnauben und mit Schnüffeln
Dazu hervor ein Häuflein Trüffeln. –
Der heilige Antonius, voll Preis und Dank,
Setzte sich nieder, aß und trank
Und sprach gerührt: „Du gutes Schwein,
Du sollst nun ewig bei mir sein!“

So lebten die zwei in Einigkeit

Hienieden auf Erden noch lange Zeit,
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Und starben endlich und starben zugleich
Und fuhren zusammen vors Himmelreich. –
„Au weih geschrien! Ein Schwein, ein Schwein!“
So huben die Juden an zu schrein;
Und auch die Türken kamen in Scharen
Und wollten sich gegen das Schwein verwahren. –
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Doch siehe! – Aus des Himmels Tor
Tritt unsre liebe Frau hervor.
Den blauen Mantel hält die Linke,
Die Rechte sieht man sanft erhoben,
Halb drohend, halb zum Gnadenwinke;
So steht sie da, von Glanz umwoben.
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„Willkommen! Gehet ein in Frieden!
Hier wird kein Freund vom Freund geschieden.
Es kommt so manches Schaf herein,
Warum nicht auch ein braves Schwein!!“
Da grunzte das Schwein, die Englein sangen.
So sind sie beide hineingegangen.